Eine Erscheinung führt zu „Maria im Schnee“

Die kleine Kapelle „Maria im Schnee“ am Schemm auf Ennepetaler Stadtgebiet steht nur wenige Meter von der Beyenburger Klosterkirche entfernt.
Die kleine Kapelle „Maria im Schnee“ am Schemm auf Ennepetaler Stadtgebiet steht nur wenige Meter von der Beyenburger Klosterkirche entfernt.
Foto: WP

Ennepetal..  Es war am 2. Februar 2008. In der Klosterkirche Beyenburg wurde Maria Lichtmess gefeiert, das letzte kirchliche Fest in der Weihnachtszeit. Frank Schlösser fotografierte aus der Klosterkirche heraus die verschneite Klosterwiese. Als er später die Fotos genau betrachtete, entdeckte er ein Kreuzzeichen auf der Wiese. Diese Erscheinung, so heißt es, führte zum Bau der Kapelle „Maria im Schnee“ – und Ennepetal hat nun am Schemm, direkt an der Wupper gelegen, einen Wallfahrtsort.

Der Pastor der Beyenburger Katholischen Kirchengemeinde Maria Magdalena, Benedikt Schmetz, war es, der damals sagte: „Lasst uns eine Kapelle bauen!“ Aber wo? Für Frank Schlösser war es klar: „Bei mir auf dem Grundstück am Schemm in Ennepetal!“

Wer nun auf der Ennepetaler Seite des Beyenburger Stausees spazieren geht, entdeckt kurz vor der historischen Brücke über die Wupper etwas abseits des Weges die kleine Kapelle mit der einladenden Bemalung: „Stall und Waschhaus war ich, Kapelle bin ich. Wanderer grüß ich, Segen wünsch ich!“ Diese Kapelle ist Maria gewidmet, die für Christen die Mutter Gottes ist.

Grundstücksvertrag auf Bierdeckel

Auf der Gartenbank direkt an der Kapelle sitzt Bruder Dirk. „Ich bin hier auch der Gärtner“, sagt er. Aber der 54-Jährige ist viel mehr. Er lebt im Kloster Beyenburg, gehört dem Kreuzherren-Orden an, arbeitet in der Krankenpflege und ist Seelsorger. „Als unser Beschluss, eine Kapelle zu errichten, in Beyenburg bekannt wurde, zeigten uns Leute den Vogel. Aber schnell fanden sich Sponsoren und tatkräftige Menschen, jung und alt“, sagt Bruder Dirk, zündet sich eine Zigarette an und erzählt, wie der Vertrag über das Grundstück gefertigt wurde: „Auf einem Bierdeckel!“

Das Handy des Ordensmannes geht. Frank Schlösser meldet sich aus dem Allgäu. Die beiden plaudern – sie sind wohl Freunde – es geht auch um das Rasenmähen an der Kapelle. Als das Telefongespräch endet, sagt Bruder Dirk. „Er ist übrigens evangelisch!“ Und so kommt das Gespräch auf die in mehrfacher Hinsicht gelebte Ökumene im katholisch geprägten Beyenburg. Die Kapelle „Maria im Schnee“ steht ja auf Ennepetaler Stadtgebiet. Kein Problem: „Unsere Gemeinde zählt sowohl zum Bistum Köln als auch zum Bistum Essen. So etwas ist einmalig in Deutschland“. Man muss wissen, die Wupper ist der Grenzfluss zwischen Rheinland und Westfalen. Kardinal Meißner aus Köln habe mit Wohlwollen den Kapellenbau aufgenommen. Als er das Kloster Beyenburg besuchte, reichte seine Zeit nicht für einen Gang über die Wupper. Aber sein Weihbischof weilte in der Kapelle, die am 11. September 2009 eingeweiht wurde und berichtete dem Kardinal.

Schwarze Madonna mit Kind

„Die schwarze Madonna mit Kind“ und ein Kerzenbaum sind in der höchstens zehn Menschen fassenden Kapelle zu finden. Gegenüber steht eine Bank für Besucher, für Menschen, die ein Gebet sprechen wollen oder nur die Ruhe des Augenblicks angesichts der Madonna erfahren möchten. Diese „schwarze Madonna“ hat Bruder Dirk geerbt. „Sie wurde von der Klosterkirche aus in einer Prozession durch Beyenburg über die Brücke zur Kapelle getragen“, schildert der Ordensmann. Es muss ein Bild der Frömmigkeit und der tiefen Marienverehrung gewesen sein, denn die Kapelle war noch im Rohbau – und es schneite.

Mittlerweile hat die Kapelle ein schönes Umfeld mit einer Wiese, auf der Gottesdienste abgehalten werden. Es gibt eine Grillstelle, einige Meter weiter ist ein Bäumchen gepflanzt. Bruder Dirk hat es von einem Marien-Wallfahrtsort aus Rumänien mitgebracht. In einer Holzhütte kann es auch gemütlich zugehen. „Maria Rast’ nennen wir das Blockhaus“, so sagt es Bruder Dirk. Er und wohl auch die vielen Besucher des kleinen Marien-Ortes lieben die Stille. Kein Autolärm ist zu hören, nur die Wupper plätschert oder rauscht je nach Wasserstand. „Maria im Schnee“ ist auch ein Ort der Besinnung und der inneren Einkehr, liegt am Pilgerweg nach Santiago de Compostela (Spanien). Bruder Dirk ist es auch, der den Pilgern auf Wunsch eine Unterkunft in Beyenburg zuweist. Er ist also nicht nur Krankenpfleger, Seelsorger und Gärtner, sondern auch Unterkunftsvermittler im Namen des Herrn.

Mittlerweile gab es wieder etwas Sonderbares in Beyenburg. Wieder lag Schnee. Als es taute, war ein Herz zu sehen. Eine weitere Kapelle wurde nicht gebaut. „Wer weiß, was noch passiert“, sagt Bruder Dirk beim Abschied und weist auf die Brunnen hin. Heiliges Wasser? Bruder Dirk schmunzelt und lädt alle ein, doch mal zur Kapelle zu kommen, am Schemm, auf Ennepetaler Stadtgebiet im Schatten der mächtigen Beyenburger Klosterkirche.

 
 

EURE FAVORITEN

Warum sich die Polizei bei Fahndungen nicht direkt an die Öffentlichkeit wendet

Öffentlichkeitsfahndungen: Annika Koenig, Sprecherin der Polizei Essen, erklärt unter welchen Umständen die Polizei sich bei der Suche nach Tatverdächtigen oder Vermissten an die Bürger wendet.
Mi, 19.09.2018, 16.32 Uhr

Warum sich die Polizei bei Fahndungen nicht direkt an die Öffentlichkeit wendet

Beschreibung anzeigen