Ein Platz zum Schlafen, Essen, Leben

Heike Philipp (links) und Tina Grams
Heike Philipp (links) und Tina Grams
Foto: Lina Hoffmann

Schwelm..  Betten beziehen, Aufräumen und Sortieren, die Kinderspielecke gestalten. Am Dienstagmorgen liefen die letzten Vorbereitungen im früheren Gemeindehaus an der Bergstraße 7, in dem in Schwelm erstmals seit Jahren wieder Flüchtlinge in einer größeren Zahl gemeinsam untergebracht werden. Am Nachmittag erwartete man dort das erste Flüchlingsehepaar mit seinen zwei Kindern.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Willkommensinitiative Schwelm hatten in den letzten Tage für ankommende Asylbewerber ohne feste Unterkunft allerhand hergerichtet. Neben selbst gebauten Schlafkabinen und bereits vorhandenen Sanitäranlagen findet man auch eine Küche zum gemeinsamen Kochen, Platz zum Reden, Spielen, Kennenlernen und Verarbeiten.

Konflikten entgegensteuern

„Ich bin selbst mit meinen Eltern drei Tage vor Mauerfall in den Westen geflohen. Das Leid der jetzigen Flüchtlinge und ihre Geschichten sind weitaus schlimmer und sind mein Antrieb, hier zu helfen“, sagt die ehrenamtliche Mitarbeiterin Tina Grams, die als Flüchtlingspatin derzeit eine Familie aus Syrien betreut.

Da Flüchtlinge in den kommenden Wochen aus unterschiedlichen Ländern in der Unterkunft aufeinander treffen werden, ist es für die Mitarbeiter besonders wichtig, eine harmonische Atmosphäre untereinander, aber auch mit den umliegenden Nachbarn zu schaffen. Gemeinsame Stadtrundgänge, Kochaktionen und Gespräche sollen die Grundstimmung heben. „Die Flüchtlinge sollen nicht das Gefühl haben, sie werden ausgegrenzt oder gar abgestempelt. Aber auch für die Nachbarn soll die ganze Situation so angenehm wie möglich gestaltet werden. Daher sind grundlegende Dinge wie Mülltrennung auch für Flüchtlinge von Bedeutung, damit es in der Nachbarschaft gar nicht erst zu Konflikten kommt“, meint Heike Philipp, für die sich seit der Flüchtlingskrise auch selbst einiges verändert hat. „Wir alle sammeln Erfahrungen, positive wie negative, wachsen zusammen und jeder einzelne wächst auch ein Stück selbst über sich hinaus. Man bekommt ein Gespür dafür, worauf es im Leben eigentlich ankommt.“

Die Unterkunft, in der es aktuell acht Kabinen mit je drei Betten gibt, dient als Übergangslösung, bis die Flüchtlinge eine feste Bleibe finden. Auch dann will die Willkommensinitiative Schwelm den Menschen unter die Arme greifen: Ein Startpaket vom Warenhaus für Flüchtlinge in der Gustav-Heinemann-Hauptschule mit grundlegenden Artikeln wie Handtücher, Töpfe, Bettwäsche etc. soll dabei den Einstieg erleichtern. Diese Haushaltsartikel, sowie Kleidung, Bücher, Spielsachen und alles, was man selbst nicht mehr braucht, dennoch im gut erhaltenen Zustand ist,werden von Bürgern gespendet und somit ganz ohne Unterstützung der Stadt finanziert.

„Wir brauchen auch weiterhin Spenden, egal ob das in Sach- oder Geldform ist. Der Winter steht vor der Tür. Und jeder, der auch nur einmal im Monat eine Stunde Zeit für ehrenamtliche Arbeit aufbringen kann, ist hier gern gesehen“, betont Heike Philipp.

 
 

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