Ein Blick in Schliekes Gäßchen

Jörn Peter Schröder, Anne Peter, Heinz Erwin Zethmeyer und Günter Roland (von links) präsentieren den neuen Martfeld-Kurier, der sich mit Schliekes Gäßchen beschäftigt und kostenlos ausliegt – auch in unserer Redaktion.
Jörn Peter Schröder, Anne Peter, Heinz Erwin Zethmeyer und Günter Roland (von links) präsentieren den neuen Martfeld-Kurier, der sich mit Schliekes Gäßchen beschäftigt und kostenlos ausliegt – auch in unserer Redaktion.
Foto: WP

Schwelm..  Schliekes Gäßchen war irgendwie schon immer da – zumindest für die Schwelmer, die erst nach dem Krieg geboren sind. Aber auch die Älteren wissen oft gar nicht, wer oder was Schlieke war, warum die Gasse in der oberen Kölner Straße überhaupt so heißt und warum sie ein Straßenschild besitzt, aber offiziell diesen Namen niemals bekommen hat. All diese Fragen beantwortet Heinz Erwin Zethmeyer in der aktuellen Ausgabe des Martfeld-Kuriers, der an zahlreichen Stellen kostenlos ausliegt.

Der Verein für Heimatkunde hat die 35. Auflage seiner Broschüre, die sich stets mit der Stadtgeschichte beschäftigt, bereits im Februar drucken lassen, seit dem Frühjahr ist sie zu bekommen. „Allerdings erkrankte Heinz Erwin Zethmeyer so schwer, dass eine offizielle Vorstellung bisher nicht möglich war“, erläutert die 1. Vorsitzende des Vereins für Heimatkunde, Anne Peter. Das haben Autor und Vereinsvorstand nun am Freitagnachmittag nachgeholt.

Emil Siepmann war ein Schlitzohr

In traumhafter Altstadt-Kulisse berichtete Heinz Erwin Zethmeyer über Schliekes Gäßchen und warum er überhaupt darüber schreiben wollte. „Wenn ich Stadtrundgänge gemacht habe, haben die Leute mich oft gefragt, wer Schlieke ist.“ In Grundzügen wusste Zethmeyer Bescheid, begann aber trotzdem zu recherchieren. Bei so einer speziellen Geschichte stoßen die offiziellen Archive allerdings schnell an ihre Grenzen, solche verhältnismäßig nebensächlichen Dinge sind schlicht niemals konsequent verschriftlicht worden. Diesen Missstand hat Heinz Erwin Zethmeyer nun aus der Welt geschafft.

Seine Informationen zog er vorwiegend aus persönlichen Gesprächen mit alten Schwelmern, die bereitwillig ihre Erinnerungen mit ihm teilten. Dabei herausgekommen ist eine Broschüre, die sich mit dem Namen, dem Namensgeber, den Geschäften im Gässchen, dem historischen Motiv der Schwelmer Brauerei und dem verkehrsberuhigten Bereich der Kölner Straße beschäftigt.

Ein bisschen darf an dieser Stelle schon mal verraten werden. Zum Beispiel, dass der Name „Schlieke“ eng verbunden ist mit Emil Siepmann, einem ehemaligen Bewohner der Kölner Straße. Dieser betrieb die Wirtschaft „Zur finnigen Ecke“. „Finnig stammt wohl aus der Ruhrgebietssprache und heißt so viel wie pfiffig oder clever“, sagt Hans Erwin Zethmeyer. Da passt es perfekt, dass Emil Siepmann den Spitznamen „Schlieke“ trug. Denn der stammt nach Zethmeyers Recherchen wohl aus dem Westfälischen, lässt sich wohl am Trefflichsten mit „Schlitzohr“ übersetzen und passte wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge zu Emil Siepmann.

„Der hat seine Mitmenschen ständig und gern veräppelt“, erzählt Zethmeyer. Beispielsweise stellte der Wirt während der Übergangszeit von Herbst zu Winter eine Kerze in den Ofen des kleinen Gastraums, um den Anschein zu erwecken, es würde ein Feuer brennen, aber gleichzeitig Holz zu sparen. Wer mehr über das alte Schwelmer Gässchen wissen möchte, liest den neuen Martfeld Kurier.

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