Ein bisschen Wahnsinn gehört auch dazu

Steve Lausberg hat nicht nur reichlich Erfahrung als Veranstalter, sondern greift seit mehr als 20 Jahren auch selbst gerne zum Instrument.
Steve Lausberg hat nicht nur reichlich Erfahrung als Veranstalter, sondern greift seit mehr als 20 Jahren auch selbst gerne zum Instrument.
Foto: Bastian Haumann

Schwelm..  Ein bisschen Wahnsinn gehört auch dazu. Eine kleine Prise Eigennutz vielleicht auch. Aber vor allem Begeisterung und voller Einsatz dafür, eine klaffende Lücke zu füllen, für die sich sonst niemand verantwortlich fühlt. Denn eins ist auch klar: Geld verdient man damit nicht. Seit elf Jahren hat Steve Lausberg Konzerte von der kleinen Kneipe bis zur Festival-Größe organisiert. Jetzt ist damit im großen Stil Schluss. Nach etwa 150 Konzerten, mit denen der 39-Jährige etwa 300 Untergrund-Bands eine Plattform geboten hat, endete die Reihe „All you need is beer“ nun mit einem furiosen Finale in der Schwelmer Eckkneipe „Nordpol“.

Wenn Lausberg – selbst seit mehr als 20 Jahren in diversen Bands aktiv – zu Tanz bittet, ist das noch nie etwas für Feingeister oder Knigge-Fetischisten gewesen. Laut, direkt, dreckig, handgemacht und selbst geschrieben gaben die Bands dem Publikum auf die Ohren – Rock ‘n Roll in all seinen Spielarten, Krach von der Basis. Dabei hat alles ganz harmlos begonnen. Das erste Mal trat der Schwelmer im Jahr 2004 als Veranstalter auf den Plan.

Bier reicht als Gage völlig aus

„Ich habe ,Return of Rock’ im Kolpinghaus aus der Taufe gehoben. Das lief einige Jahre ganz gut.“ Doch Konzerte mit diesem heftigen Stilmix seien irgendwann nicht mehr das gewesen, wodrauf die Leute gewartet hätten. Dann schaute er sich mit seiner Band „Zenfu“ nach Auftrittsmöglichkeiten in der Umgebung um. Fazit: Ganz schön wenig, selbst wenn die Musiker kaum etwas verlangen. „Wir wollten nur Bier als Gage und hatten irgendwann vier, fünf Kneipen zusammen“, erinnert er sich. Die Überschrift der Minitour war für die Combo schnell gefunden „All we need is beer – Alles was wir brauchen ist Bier“.

Oma ist der finanzielle Rettungsanker

„Ich habe den Namen dann einfach übernommen, als ich 2006 mit der Konzertreihe im Gevelsberger Pub 18 begonnen habe“, sagt Steve Lausberg. Warum? „Ich hatte Bock drauf.“ Doch ganz so entspannt war er nicht immer. Kaum Geld in der Hinterhand, ging er regelmäßig ins finanzielle Risiko. Die Bands wollen Gagen, die Anlage muss ständig gewartet und erneuert werden, Werbemittel gibt es auch nicht umsonst. „Und wenn dann plötzlich nur 30 Leute vor der Bühne stehen, dann schluckst Du aber ganz kräftig.“

Da ist die Oma nachts schon mal spontan mit Bargeld eingesprungen oder hat ihren Enkel wochenlang bekocht und verpflegt, weil das letzte Konzert so viel mehr gekostet als eingebracht hat, dass der schlicht komplett blank war. „Im Nachhinein kann ich da laut drüber lachen, aber damals war das überhaupt nicht komisch.“ Trotzdem hat Steve Lausberg nie aufgegeben – hat stets und ständig sein Ziel verfolgt, aufstrebenden Bands eine Bühne bereitzustellen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Songs vor Publikum zu spielen. „Es war und ist mir immer wichtig, dass sich die Musiker wohl fühlen. Auch wenn sie oft nur Taschengelder bekommen haben, niemand soll kostenlos spielen“, sagt Lausberg.

Einige von ihnen danken es ihm bis heute, denn „Motorjesus“ zum Beispiel oder „Gunbarrel“ spielen mittlerweile im Profibereich oder kurz davor. Gerade beim Eisenfest, bei dem Metal-Bands im Jugendzentrum auftreten. „Gunbarrell“ aus Köln standen zum Beispiel auch beim weltgrößten Metal-Festival in Wacken auf der Bühne – und zuletzt 2013 im Schwelmer Jugendzentrum.

Im Sommer wird geheiratet

Das finanzielle Auf und Ab hat Lausberg mittlerweile überwunden und geht die Veranstaltungen entspannter an. „Habe ich mal ein paar Euros übrig, gehe ich nicht einkaufen, sondern lege sie für das jährliche Eisenfest oder das Benefizkonzert im Schwelmebad und für das Schwelmebad zurück“, sagt er. Bei diesem Konzert im vergangenen Jahr sorgte er – diesmal neben seiner Veranstalter-Rolle erneut auch als Musiker – für Gänsehaut und einen der bewegendsten Momente seines Lebens. Vor großem Publikum sank er auf der Bühne auf die Knie und machte seiner Kathi einen Heiratsantrag. Die platze fast vor Glück, die harten Rocker jubelten und so läuten in diesem Sommer die Hochzeitsglocken.

Ohne die Unterstützung seiner Freundin Katharina Kassbaum wäre das ohnehin nicht möglich. „Eine bessere Frau kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Sie koordiniert unsere Termine perfekt.“ Doch die werden nun musikalisch etwas weniger. Der Grund klingt nicht nach Rock ‘n’ Roll: „Ich werde im Pflegedienst ihrer Eltern mitarbeiten“, sagt Steve Lausberg. Doch so ganz verlässt er die Szene nicht. Eisenfest, Benefizkonzert und auch noch vereinzelte Veranstaltungen im Nordpol wird er weiter organisieren. Die Musiker werden es ihm danken, denn jemand der diesen Job übernehmen kann oder will ist nicht in Sicht. Vielleicht, weil auch ein bisschen Wahnsinn dazu gehört, sich so zu engagieren.

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