Ehrlicher Beifall für sechs Kandidaten

Hans-Jochem Schulte
1. politische Talkrunde zur Landtagswahl 2012 in NRW mit den Landtagsdirektkandidaten aus dem Wahlkreis 104, von WR Redakteurin und Journalistin Petra Kappe in der Rosine Voerde moderiert Foto: Volker Speckenwirth, 18.04.2012
1. politische Talkrunde zur Landtagswahl 2012 in NRW mit den Landtagsdirektkandidaten aus dem Wahlkreis 104, von WR Redakteurin und Journalistin Petra Kappe in der Rosine Voerde moderiert Foto: Volker Speckenwirth, 18.04.2012
Foto: Volker Speckenwirth (WR)
Der „1. Voerder Politik-Talk“ war ein voller Erfolg.

Ennepe-Ruhr. Schulden machen oder nicht? Wie sieht die Zukunft unserer Kinder aus? Was ist in NRW zu tun? Als nach über zwei Stunden Frage- und Antwortspiel der „1. Voerder Polit-Talk“ beendet war, eilten die Akteure von der Bühne der „Rosine“ in Ennepetal zu den Einladern Manfred Michalko und Waldemar Guderian und dankten für die sachliche und informative Veranstaltung. Dann standen die Landtagskandidatinnen – und Kandidaten noch lange ungezwungen zusammen. Jeder hatte das Gefühl, in der Diskussion gut zum Zuge gekommen zu sein. So war es wohl auch.

Die Moderatorin der sehr gut besuchten Veranstaltung – die Politik-Redakteurin der Westfälischen Rundschau, Dr. Petra Kappe aus Ennepetal — ließ alle Bewerber für den Wahlkreis 104 (Ennepetal, Gevelsberg und Teilen von Hagen) „an der langen Leine“ zu Wort kommen. Da waren Liselotte Ellner (FDP), Karen Haltaufderheide (Grünen), Karlheinz Berger-Frerich (Linke), Chris J. Demmer (Piraten), Dirk Weithe (CDU) und Hubertus Kramer (SPD), der als direkt gewählter Abgeordneter im Landtag sitzt.

Nach kurzem Geplänkel über das Scheitern der rot-grünen Minderheitsregierung ging es dann zur Sache. Karen Haltaufderheide gab zu verstehen, dass sie sich um die gewünschte rot-grüne Koalition sorge, wenn sie die Umfrageergebnisse für die Piratenpartei sehe. Pirat Chris J. Demmer entgegnete: „Wir wollen in keine Koalition, sondern eine von Themen bezogene Zusammenarbeit.“

Berger-Frerich, im T-Shirt mit Linken-Aufdruck, bewertete die Arbeit seiner Fraktion im Landtag: „Wir haben Bewegung reingebracht.“ Man habe z. B. die Diskussion um einen Mindestlohn in Gang gesetzt. Mindestlohn, darauf setzen auch Kramer und Haltaufderheide. Bildung, Kinder und Jugendliche fördern, das wollen alle Kandidaten.

So gaben sie die Positionen ihrer Parteien dazu kund: „Notfalls sich verschulden, um später wesentlich höhere Kosten zu vermeiden, vorbeugend tätig sein“ (SPD). „Alles für Bildung und Erziehung tun, aber das Geld woanders einsparen“ (FDP). „Keine Schönrederei, vor allen Dingen unsere Kinder nicht mit Schulden belasten. Geld schwerpunktmäßig einsetzen“ (CDU). „Das Geld ist nur falsch verteilt“ (Linke).

Die Studiengebühren will auch die CDU nicht wieder einführen, stellte Dirk Weithe klar. „Wir wollen Verlässlichkeit“, sagte Weithe. Er würdigte auch die Arbeit des CDU-Spitzenkandidaten Norbert Röttgen. Er habe auch kein Problem damit, wenn Röttgen nach Berlin geht, wenn er bei der Wahl keine Mehrheit bekomme. „Das kommt ja auch unserem Land zu gute.“ Für Hubertus Kramer ist SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft eine „richtige Landesmutter“ geworden.

Nach der Pause bestimmte das Publikum die Themen. Auffallend: Vor allem örtliche Parteigrößen und Mandatsträger waren die Frager. Das Ratsmitglied der Ennepetaler Grünen, Stefan Mayer-Stoye, fragte die FDP.

Sachlicher und höflicher Umgang untereinander

Das Vorstandsmitglied der Ennepetaler CDU-Fraktion, Daniel Heymann, der Vorsitzende der Ennepetaler Jungen Union und der Gevelsberger CDU-Vorsitzende Wieland Rahn nahmen den SPD-Kandidaten Kramer in die Mangel. Wie das in der Politik so ist, erhielten die Christdemokraten für die Fragen Beifall von ihren Anhängern – und Kramer, der die Fragen parierte, von seinen Anhängern.

Was anzumerken ist: Es regierten Sachlichkeit und Höflichkeit, selbst der Titel „Hart, aber fair“ wäre falsch. Es war nur fair. Zum Schluss gab es ehrlichen Beifall für die Kandidatinnen und Kandidaten, für die wohltuende Gesprächsleitung von Petra Kappe und für die Veranstalter.