Dunkles Kapitel von Schwelm erhellt

Klaus Peter Schmitz hat die Zeit des Nationalsozialismus in Schwelm in einem Buch festgehalten.
Klaus Peter Schmitz hat die Zeit des Nationalsozialismus in Schwelm in einem Buch festgehalten.
Foto: WP

Schwelm..  Eigentlich ist er gelernter Elektromeister. Doch seine Passion ist die Heimatforschung. In seinem dritten Buch wagt sich der Hobby-Historiker an ein besonders heißes Thema: Die Zeit des Nationalsozialismus in Schwelm – so lautet auch der Titel seines neuen Buches, das nach fünfjähriger Arbeit am Freitag, 14. Juni, ab 19 Uhr in Beisein von Bürgermeister Jochen Stobbe in der Schlosskapelle Haus Martfeld vorgestellt wird.

Aus Geschichte lernen

Herausgekommen ist ein über 500 Seiten starkes Druckwerk, das der Auto nicht als Geschichtsbuch im engeren Sinne verstanden wissen will. Vielmehr wollte Klaus Peter Schmitz gegen das Vergessen anschreiben. „Die Menschen müssen ihre Geschichte kennen. Denn nur so können sie aus der Geschichte auch lernen und ihre Zukunft gestalten.“ Eine unendliche Zahl an Stunden habe er im Schwelmer Stadtarchiv im Haus Martfeld für die Recherchen zu seinem Buch zugebracht. Der Dank des 69-Jährigen gilt besonders den Mitarbeitern, die ihm nach besten Wissen und Gewissen in seiner Arbeit unterstützt hatten. „Ohne die Unterstützung des Stadtarchivs hätte ich das Buch nicht zum Abschluss bringen können“, so Klaus Peter Schmitz

So viel Hilfsbereitschaft bei der Aufarbeitung der Zeit des Dritten Reichs in Schwelm hat Klaus Peter Schmitz nicht überall erlebt. Bei vielen Menschen sei er auch auf Widerstand gestoßen, sogar Drohungen habe es gegeben. „Die Alten haben abgeblockt. Sie hatten Angst, ihre eigene Geschichte aufzuarbeiten“, so der Hobby-Historiker, der in der Vergangenheit schon mit seinem Buch über die Kirchengeschichte der Schwelmer Mariengemeinde und 150 Jahre Kolpingsfamilie in Schwelm für Furore gesorgt hat. Dabei sei ihm das Schreiben diesmal schwer gefallen. Die Geschichte der Nazis in Schwelm sei auch ein Teil seiner eigenen Geschichte gewesen.“ Ich habe viel über unsere Familiengeschichte erfahren. Unser Haus an der Bahnhofstraße steht neben einem Haus, das einmal einer jüdischen Familie gehört hat. „Und nebenan war die Gestapo zu Gast.“

Bei seinen Recherchen über die Zeit des Nationalsozialismus konnte Klaus Peter Schmitz neben noch vorhandenen Familienaufzeichnungen und Dokumenten und Zeitungen aus dem Stadtarchiv auch auf umfangreiche Privatsammlungen zurückgreifen. Herausgekommen ist eine Chronologie, in der der Autor aufzeichnet, wie sich in Schwelm die Nationalsozialisten von einer anfänglich unbedeutenden Bewegung zur einzig bestimmenden Macht entwickelt haben. Das Buch handelt von Gleichschaltung, Verfolgung und Untergang. „Ich habe Ross und Reiter genannt, wenn es um Funktionsträger ging.“

Schwelm keine braune Hochburg

„Schwelm war keine braune Hochburg. Aber später hatten die Nazis hier alles im Griff. Das Großkapital hat die NSDAP in Schwelm an die Macht gebracht“, sagt Klaus Peter Schmitz. Alles sei durch seine Unterlagen belegbar.

Bei der Aufarbeitung hat er keine Sparte ausgelassen, nichts verschönert oder verschleiert. Somit reflektiere sein neues Buch recht anschaulich das wahre Gesicht dieser nationalsozialistischen Zeit. „Damit ist dieses Buch auch gleichzeitig ein Mahnmal gegen das Vergessen. Es ist wichtig, dass wir erkennen, dass unsere Zukunft Erinnerungen braucht“, sagt Klaus Peter Schmitz. Nur so könne sichergestellt werden, dass dieselben Fehler nicht noch einmal begangen würden. Deshalb legt er das Werk auch besonders den Lehrern ans Herz.

 
 

EURE FAVORITEN