Drei Sterne für den Schwelmer Kochtopf-Piraten

Jochen Hussong, Inhaber und Koch Westfalenhof Schwelm, zeigt seine Auszeichnung. Die Bewertung erfolgte durch anyonyme Restauranttester.
Jochen Hussong, Inhaber und Koch Westfalenhof Schwelm, zeigt seine Auszeichnung. Die Bewertung erfolgte durch anyonyme Restauranttester.
Foto: WP

Schwelm..  Der große Kühlschrank des Restaurants „Westfalenhof“ am Neumarkt ist komplett leer. Der Fußboden in der Küche ist aufgehackt, er wird neu gefliest. Obwohl die Betriebsferien seit zwei Wochen noch bis einschließlich Montag, 18. August, laufen, hat Inhaber Jochen Hussong die Gaststätte am Montag geöffnet, um etwas ganz Besonders zu zeigen. Zum zweiten Mal hintereinander ist der Koch mit seinem Restaurant von den „Gourmets International Paris“ mit drei Sternen bedacht worden.

Die Zahlen sprechen für sich: Von den bis dato 7550 bewerteten Restaurants gehört er zu den 750 besten. Von denen, die die anonymen Tester in Schwelm genauer unter Lupe genommen haben, hat sich Hussongs Kochkunst an die Spitze gesetzt. 14 von 20 möglichen Punkten erreichte der „Westfalenhof“ was gleichbedeutend ist mit dem Prädikat „Hoher Grad an Kochkunst.“

Kaum zu glauben für ein Restaurant mit einer Vergangenheit wie dem „Westfalenhof“. Bevor Jochen Hussong im April 2011 das Ruder – Pardon, den Kochlöffel – in die Hand nahm, war der „Westfalenhof“ eine verrauchte Bierkneipe mit Kegelbahn und einem – gelinde ausgedrückt – unterdurchschnittlichem Ruf der Küche. Wer lecker speisen wollte, den führte sein Weg nicht hierher. Die Mikrowelle klingelte im Minutentakt.

Mikrowelle sofort verbannt

„Die habe ich damals als Erstes ‘rausgeworfen. Wir kochen nur mit frischen Produkten“, sagt Hussong, der bereits diverse Male im Fernsehen sein humoristisches Talent ebenso wie seine Kochkunst einem breiten Publikum offenbarte. Dirk Brendel, Alfons Schuhbeck, Tim Mälzer — er hat mit den ganz Großen abgeschmeckt. Nach schleppenden ersten Jahren läuft das Geschäft nun deutlich besser. „Doch noch immer sagen mir manche Schwelmer: Ach, der Westfalenhof hat wieder geöffnet?“, sagt Hussong und lacht. Er selbst ist kein ausgebildeter Koch, kam an den Herd wie die Jungfrau zum Kinde. Der gelernte Speditionskaufmann fiel vor mehr als zehn Jahren bei der Firma Schenker durch das Raster, als diese Personal abbaute. „Ich hatte ein halbes Jahr zu wenig Betriebszugehörigkeit und bekam damit zu wenige Punkte beim Sozialplan. Wenn das nicht passiert wäre, würde ich wahrscheinlich heute noch dort arbeiten“, sagt er.

Aber alles kam anders. Der begeisterte Hobbykoch wohnte damals inmitten der Altstadt, als Karl-Heinz-Reinshagen direkt unter seinem Wohnzimmer das „La Bodega“ an der Kölner Straße eröffnete. „Er hat mich gefragt, ob ich kochen will, ich wollte. Karl-Heinz Reinshagen ist also quasi mein gastronomischer Ziehvater“, sagt Hussong.

Doch all dies liegt nun bereits zehn Jahre zurück. Hussong hat sich in Schwelm einen Namen als Kochtopf-Pirat – Kopftuch, Ohrring, Dreitagebart – gemacht. Seine Gäste diskutieren oft mit ihm über Rezepte, wollen wissen, wie er Geschmäcker hinbekommt. Dafür ist er seit knapp neun Monaten nicht mehr allein zuständig, denn in der Küche arbeitet er nun mit seinem angestellten Koch Guiseppe Masiello zusammen. Der scheint genau solche lukullischen Freuden auf die Gaumen der Gäste zaubern zu können wie sein Chef. Denn der anonyme Restauranttester outete sich irgendwann. Dem Kritiker hat es beim Testessen derart gut geschmeckt, dass er seitdem etwa fünfmal wiedergekommen ist, um rein privat und ohne Bewertungsbogen bei Jochen Hussong zu speisen. „Immer an Tisch Vier“, sagt Hussong, blickt noch einmal in die Küche, schließt sein Restaurant ab und freut sich jetzt erstmal auf Urlaub in der Schweiz.

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