Gevelsberg. Die Entfernung zwischen Gevelsberg und Lagos beträgt 6716 Kilometer, das sind rund 95 Stunden Autofahrt oder circa neun Stunden Flugzeit. Trotzdem haben die Schülerinnen und Schüler des Gevelsberger Gymnasiums einen direkten Draht zu Schülern in der afrikanischen Stadt.
Im September vergangenen Jahres startete das Afrika Projekt „Globales Lernen – Miteinander lernen, voneinander lernen“, das die Volkshochschule in Kooperation mit dem Gymnasium und dem Media Afrika Verein durchführt. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung fördert über den deutschen Volkshochschulverband International das Projekt.
Elf Schüler beteiligt
Robin Bloemer vom Verein Media Afrika realisiert das Projekt im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft. Elf Schüler tauschen sich seitdem regelmäßig mit Jugendlichen aus Nigeria aus. Wenn der normale Unterricht zu Ende ist, stellen die Schüler die Skype-Verbindung nach Lagos her. „Dabei ist unsere Internetverbindung an der Schule schlechter, als die in Nigeria“, sagen die jungen Leute und lachen.
Die wirklich große Herausforderung ist aber die sprachliche Verständigung. „Wir können uns nur auf Englisch unterhalten, da kann es auch mal zu Missverständnissen kommen“, weiß Robin Bloemer. Ziel dieses Projektes ist es, kulturelle, politische und wirtschaftliche Aspekte des jeweils anderen Landes zu vermitteln.
Unterschiede bei den Namen
So bearbeiten die Schüler noch einmal, in kleinere Gruppen unterteilt, Themen wie den typischen Alltag des Landes oder die Institution Familie. Die beiden Schülerinnen Paula und Lara haben das Themenfeld Familie und Zuhause. Sie beschäftigen sich mit der unterschiedlichen Vor- und Nachnamensgebung, der Erziehung und dem unterschiedlichen Glauben.
Robin Bloemer ist es dabei wichtig, die Blickrichtung stets zu wechseln. So werden alle Themen global, national, regional und lokal betrachtet. „Dabei lernen die Schüler nicht nur Nigeria besser kennen, sie beschäftigen sich auch mit Gevelsberg und der deutschen Kultur intensiv“, erklärt Bloemer. Um zu zeigen, wie sich beispielsweise eine deutsche Straße anhört, machten die Gymnasiasten Tonaufnahmen und schickten diese nach Lagos.
Durch Fotos und Erzählungen erfahren die Schüler jeweils vom Leben des anderen. „Ziel ist, das Verständnis füreinander zu stärken und Respekt und Akzeptanz für andere Kulturen zu entwickeln“, erklärt Rita Miegel von der VHS. Die Zehntklässler sind hochmotiviert, auch wenn es teilweise schwierig ist, gemeinsame Online-Zeiten mit Lagos zu finden. Das Projekt ist zeitintensiv, so sollen am Ende des Schuljahres eine Internetseite und eine Ausstellung fertig sein, die die Ergebnisse zusammenfassen.
Robin Bloemer war zwischenzeitlich in Lagos und hat die Installation des Projekts vor Ort voran getrieben. „Es ist erstaunlich wie unterschiedlich das technische Know-How der Schüler ist, obwohl sie alle gleich alt sind“, so Bloemer. „Während ich in Lagos noch gebannt beobachtet werde, wenn ich eine Kamera erkläre, ernte ich hier in Gevelsberg schon ein gelangweiltes Stöhnen“, sagt er schmunzelnd. In den nächsten Monaten werden sich die Schüler intensiv mit der afrikanischen und der eigenen Kultur auseinander setzen.