Die Kunst, den Augenblick zu leben

Achtsamkeit hilft gegen Depressionen.
Achtsamkeit hilft gegen Depressionen.
Foto: imago/Science Photo Library

Gevelsberg.  Bald haben wir Herbst, dann kommt die dunkle Jahreszeit und das ist bekanntlich die Zeit der Depressionen. Da kommt Dr. Marc-Andreas Edel, der Leiter der Gevelsberger Fliedner-Klinik, zum richtigen Zeitpunkt mit seiner Einladung. „Bewusster leben mit Achtsamkeit“ lautet der Titel seines Chefarzt-Gesprächs mit Übungen, die helfen, unter anderem Stress und eben die Depressionen in den Griff zu bekommen.

Wurzeln im Buddhismus

Aber was ist Achtsamkeit? „Es ist die Konzentration auf hier und jetzt“, sagt Dr. Edel. Das Ziel klingt erst einmal sehr theoretisch, ist aber nicht mehr so abstrakt, wenn der Experte sozusagen den Ist-Zustand beschreibt. Der Mensch fliege mit seinen Gedanken ständig von der Zukunft in die Vergangenheit. Er überlegt sich, was er noch alles erledigen muss, er ärgert sich darüber, was er bereits erleiden musste. Und ist er einmal in der Gegenwart, dann sieht er oft zu viel Negatives in dem, was ihm eben passiert. Statt sich auf eine Sache zu konzentrieren, neige man dazu, Verschiedenes gleichzeitig zu erledigen. Das alles kann in einem Begriff zusammengefasst werden: Stress, der auch zum Beispiel zu Depressionen führen kann.

Damit es nicht soweit kommt, wird Marc-Andreas Edel seine Zuhörer am kommenden Mittwoch, 23. September, ab 19 Uhr, im Stadtcafé Theodor im alten Gevelsberger Krankenhaus an der Hochstraße mit nach Asien nehmen und die Zeit zurückdrehen. Es geht ins erste Jahrtausend vor Christi Geburt. Damals wurde der Grundstein für die buddhistische Lehre gelegt, die die Meditation als Instrument entwickelt hat. „Ein buddhistischer Mönch ruht in sich. Er ist aber dazu in der Lage, wesentlich schneller zu reagieren als andere Menschen“, erklärt der Klinikchef. Manche mögen sich daran erinnern, dass diese erlernte Gabe in Europa auch in Shows und TV-Serien präsentiert wurde.

Für westliche Behandlungsmethoden, die die Achtsamkeit verbessern, sei die Meditation sozusagen von der Religiösität getrennt worden. „Wir sollten die Situation, in der wir sind, annehmen, wie sie ist, keine emotionale Schärfe und auch keine Schönfärberei herein bringen“, rät Edel. Leicht gesagt und wie getan? Der Chefarzt: „Es ist schon ein Erfolg, die Zündschnur etwas länger zu lassen, sich eine innere Distanz zu erarbeiten, die eigene Reaktion zu verzögern.“

Neue Gehirnzellen

Und auch die Freude, so der Facharzt, müsse der Mensch genießen können. Es nutze nichts „von einer tollen Sache zur anderen“ zu hetzen. Und wer sich das Prinzip der Achtsamkeit zu eigen macht, der würde sogar mit neuen Gehirnzellen belohnt, das sei erwiesen. Und wer hat schon genug davon?

Übrigens: Der 23. September, an dem Dr. Marc-Andreas Edel zu seinem Vortrag eingeladen hat, ist kalendarisch gesehen der erste Herbsttag. Der richtige Termin gegen Depressionen.

 
 

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