„Das Kopftuch gehört zu mir“

Tuba Türkdönmez (r.) im Gespräch mit Hatice Birgül beim Integrationsfürhstück im Mehrgenerationenhaus.
Tuba Türkdönmez (r.) im Gespräch mit Hatice Birgül beim Integrationsfürhstück im Mehrgenerationenhaus.
Foto: Ralf Sichelschmidt

Ennepetal. Das rote Kopftuch von Tuba Türkdönmez sitzt perfekt. Mit kleinen Stecknadeln hat sie es befestigt, keine einzige Haarsträhne lugt heraus. „Das Kopftuch gehört zu mir“, so die 20-Jährige selbstbewusst – stets darauf bedacht, das Richtige zu sagen. Tuba Türkdönmez ist eine Deutsche mit türkischen Wurzeln. Und während sie am interkulturellen Frühstück im Mehrgenerationenhaus teilnimmt, kann sie einen Gedanken nicht verdrängen: „Ich finde keine Ausbildung, weil ich ein Kopftuch trage.“

Realschulabschluss mit Qualifikation

Die 20-Jährige, gebürtige Düsseldorferin zog für ihren Mann Nuh, Vorsitzender des Ennepetaler Integrationsrates, nach ihrer Hochzeit vor einem Jahr nach Ennepetal. Kinder hat sie noch keine. „Irgendwann möchte ich welche haben“, sagt sie. „Aber zurzeit nehme ich an einer Maßnahme teil, damit ich einen Ausbildungsplatz finde.“

Am Liebsten würde Tuba Türkdönmez den Beruf der Arzthelferin erlernen. Und es gab auch Praxen, erzählt die Wahl-Ennepetalerin, die Interesse bekundet hatten. „Ich habe gute Abschlussnoten und beherrsche die deutsche Sprache perfekt. Am Telefon waren sie alle sehr interessiert. Aber als die Ärzte, meine potenziellen Arbeitgeber, erfuhren, dass ich ein Kopftuch trage, lehnten sie mich gleich ab.“

„Mit diesen Problemen haben wir türkischen Frauen eben alle zu kämpfen“, sagt Hatice Birgül, 31 Jahre alt und stellvertretende Vorsitzende des Integrationsrates in Ennepetal. Die junge Mutter eines 18 Monate alten Sohnes ist studierte Juristin, aber auch ihr bereitet ihr Kopftuch in der Arbeitswelt große Schwierigkeiten. „In der Schule und im Studium haben mich alle so akzeptiert, wie ich bin. Jetzt bin ich arbeitslos. Eine Frau, die ihre Haare verhüllt, will eben niemand einstellen.“

Zehn bis 15 Frauen finden jedes Mal den Weg ins Mehrgenerationenhaus und zum interkulturellen Frühstück, tauschen sich aus und knüpfen neue Bekanntschaften.

Neue Freundschaften und Kontakte geknüpft

Manche von ihnen teilen das Schicksal von Tuba Türkdönmez und Hatice Birgül, andere Frauen haben bereits eine erfolgreiche Karriere hinter sich. So wie die Wuppertaler Diplom-Sozialpädagogin Necla Gül Güner Günes, die gestern als Besucherin zum interkulturellen Frühstück eingeladen war.

Während die drei Frauen an einem Tisch diskutieren, singen die Kinder des städtischen Integrationskindergartens gleich im Raum nebenan ihre Kinderlieder. „Es kann mal passieren, dass eine Traube Kinder durch den Raum flitzen, während wir hier Frühstücken“, lacht Hatice Birgül. „Wir wünschen uns, dass auch erwachsene deutsche Mitbürger hier auf uns zukommen und uns ,Guten Tag’ sagen“, sagt Necla Gül Güner Günes, wohlwissend, dass sich „Menschen mit Migrationshintergrund anpassen müssen.“

Dessen ist sich auch Tuba Türkdönmez sicher – und bisher glaubte sie auch, sich gut in der deutschen Gesellschaft integriert zu haben. „Es gibt einfach noch zu viele Vorurteile“, sagt die 20-Jährige. Sie möchte nun regelmäßig an den interkulturellen Frühstückstreffen teilnehmen. Und sie hofft, bald einen Ausbildungsplatz zu finden. An ihrem Kopftuch möchte sie festhalten. „Schließlich ist es ein Teil von mir.“

 
 

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