Das eigene Herz schlagen sehen

Heinz-Bernd Brettschneider (63) aus Windeck an der Sieg wird von Dr. Roger Gerke und Dr. Sedat Yokus (im Bild) operiert. Mit dabei ist auch der ärztliche Direktor des Krankenhaus Schwelm, Dr. Ulrich Müschenborn.
Heinz-Bernd Brettschneider (63) aus Windeck an der Sieg wird von Dr. Roger Gerke und Dr. Sedat Yokus (im Bild) operiert. Mit dabei ist auch der ärztliche Direktor des Krankenhaus Schwelm, Dr. Ulrich Müschenborn.
Foto: WP

Schwelm..  Heinz-Bernd Brettschneider atmet durch. Er ist allein aus Windeck an der Sieg ins Helios-Klinikum nach Schwelm gekommen. Seine Ehefrau muss ihrer Arbeit im Altenheim nachgehen, wenn er sich in wenigen Minuten auf den Labortisch legt. Sie kann nicht bei ihm sein, wenn ihm fremde Menschen bei vollem Bewusstsein Schläuche in die Herzkammern schieben und wenn er die Antwort auf die Frage erfährt: Müssen umgehend Stents gesetzt werden, um verengte Gefäße wieder zu weiten?

Der 63-Jährige, der vor einen halben Jahr das dritte Mal geheiratet hat, blickt auf seine Hände. Die Finger bewegen sich schnell. Durcheinander. „Mit solchen Sachen habe ich es nicht“, sagt er und erzählt dann, dass er mit Bus und Bahn aus dem Siegerland gekommen ist und dass dies für Menschen mit Schwerbehinderten-Ausweis die günstigste Möglichkeit ist zu reisen. Er hat schon einige Operationen hinter sich – Draht im Finger, Bandscheibe, Metall an der Handwurzel. Aber heute ist alles etwas anders.

Eine Narkose gibt es nicht

„Ich leide an Atemproblemen“, sagt der ehemals starke Raucher. Die Lunge scheint so weit ok. Sein Arzt hat ihm gesagt, dass eventuell Arterien im Herzen verengt sind, dieses zu wenig Sauerstoff bekommt und seine Luftprobleme daher rühren. „Er hat mir das Schwelmer Krankenhaus empfohlen“, sagt Brettschneider, bevor er von OP-Schwester Petra Schmitz abgeholt wird, um sich für das Katheterlabor umzuziehen.

Wenige Minuten später legt er sich hin. Dr. Roger Gerke und Dr. Sedat Yokus warten bereits mit den Assistentinnen Claudia Holliday, Martha Piecha und eben Petra Schmitz auf ihn. Er wird zugedeckt, das EKG angeschlossen, die Monitore werden eingeschaltet. Auf diesen wird er gleich sein pulsierendes Herz sehen, mit anschauen, wie das Kontrastmittel durch den lebenserhaltenden Muskel fließt. Denn eine Narkose gibt es nicht.

Haus ist für Methode sehr bekannt

„Wir nehmen den Eingriff über einen radialen Zugang vor“, sagt Dr. Ulrich Müschenborn, ärztlicher Direktor des Klinikums. Das ist exakt die Sache, weshalb das Schwelmer Haus von Ärzten weit über die Region hinaus empfohlen wird. „Die meisten Kardiologen bevorzugen für einen Herzkatheter den transfemoralen Zugang über die Leiste“, erläutert Dr. Roger Gerke. „Außerdem können fast alle Patienten umgehend wieder allein aufstehen“, sagt Dr. Müschenborn. Beim Zugang über die Leiste sei der Patient mindestens acht Stunden immobil, weil es häufig zu Nachblutungen komme. Am Handgelenk sei es schlicht leichter, die Blutung für den Schnitt in die Arterie abzudrücken.

Den setzt nun Dr. Roger Gerke. Heinz-Bernd Brettschneider schaut skeptisch. Das Bild wird via Röntgenmethode auf die Bildschirme projiziert.

Die beiden Mediziner schieben einen Draht durch die Arterie bis zur Herzkammer, ziehen über diesen einen Schlauch nach. Heinz-Bernd Brettschneider ist angespannt, doch davon, dass ein Schlauch durch seinen Körper mitten ins Vitalzentrum geschoben wird, merkt er so gut wie nichts. „In den Arterien gibt es keine Nervenenden“, erläutert Dr. Müschenborn für den medizinischen Laien.

Jetzt erscheint das Herz auf dem Bildschirm. Dr. Sedat Yokus spritzt das Kontrastmittel in den Schlauch, die Verästelungen, in denen das Blut durch das Herz zirkuliert, werden deutlich dunkel sichtbar. Die Mediziner erläutern dem Patienten jeden Schritt, sagen, was sie sehen. Die Schwestern beruhigen ihn ebenfalls. Puls: 98.

Resignation nach Diagnose

Das gleiche Prozedere folgt für die zweite Herzkammer. Dann ist klar: Die Arterien sind nicht verengt. „Wäre das der Fall gewesen, hätten wir sofort an den entsprechenden Stellen Stents gesetzt“, sagt Dr. Roger Gerke. Ein Stent ist eine kleine, gitterförmige Gefäßstütze, die bei der Aufdehnung von verengten Herzkranzgefäßen eingesetzt wird. Für Heinz-Bernd Brettschneider, der felsenfest davon ausgegangen war, dass das auch ihn erwartet, ist der Eingriff beendet.

Er wird in den Nebenraum geleitet, legt sich hin und weiß nicht so recht, was er mit der Diagnose anfangen soll. „Einerseits bin ich sehr erleichtert, dass mein Herz gesund ist, andererseits bleibt die Ungewissheit, woher meine Beschwerden rühren“, sagt er etwas resigniert. Doch in Schwelm, „das will ich ausdrücklich betonen, habe ich mich in besten Händen gefühlt.“

Die soeben gelobten Mediziner und Schwestern führen derweil bereits den nächsten Patienten ins Herzkatheterlabor. Er ist nervös. Allein. Weiß, dass gleich fremde Menschen in sein Zentrum eindringen.

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