Crash Kurs NRW - Blick aufs Handy sorgt für Blindflug

Dr. Regine Eckert erzählt den Schülerinnen und Schülern beim Crash Kurs NRW bildhaft von ihren Einsätzen.
Dr. Regine Eckert erzählt den Schülerinnen und Schülern beim Crash Kurs NRW bildhaft von ihren Einsätzen.
Foto: WP
„Bisher hattest du keine Zeit zu schreien, und du wirst auch nicht mehr dazu kommen.“ Das sagt die Stimme, die versucht, die letzten Sekunden vor dem Aufprall auf einen Baum zu rekonstruieren. Sie soll die fast 700 Schülerinnen und Schüler, die zum Crash Kurs NRW ins Haus Ennepetal gekommen sind, wach rütteln, sie auf sicheres Fahrverhalten aufmerksam machen.

Ennepetal. „Eure Altersgruppe ist am häufigsten in Unfälle verwickelt“, sagt Dirk Happe, Leiter der Verkehrspolizei. Eigentlich hätten die jungen Leute bloß unverschämtes Glück, sie würden die Kurven dreißig Mal rasant nehmen, beim nächsten Mal aber können sie schon Pech haben. Er will etwas über die typischen Unfallverursacher wie der vergessene Gurt, Alkohol und Drogen oder die Geschwindigkeit erzählen.

Killer im Straßenverkehr

Besonders am Herzen liege ihm aber das Handy. „Ich habe gelesen, ihr schaut alle zehn Minuten auf euer Handy. Das ist sehr gefährlich. Im Vergleich zu letztem Jahr hat sich die Anzahl der Unfälle dadurch verdoppelt“, ermahnt Dirk Happe. Viele Fahrer würden durch einen nur kurzen Blick auf ihr Handy fast sieben Meter blind zurücklegen, dadurch oftmals auf parkende oder vor der Ampel wartende Autos auffahren.

Die Killer im Straßenverkehr nennen sie es, Sonja Nestmann und Jörg Reifenschneider, die die Schüler durch den Crash Kurs NRW begleiten. Viele Gäste sind gekommen, um den Schülern von ihren Erlebnissen zu berichten. Markus Heil, Sanitäter, erzählt von einem schweren Unfall, bei dem ein Mädchen ums Leben kam. „Ich hab nur verbranntes Gummi und Treibstoff gerochen. Der Fahrer fragte immer nach seiner Freundin, ich konnte ihm nicht die Wahrheit sagen“, schildert er.

Regine Ecker, die ebenfalls für den Rettungsdienst arbeitete, erzählt von einem Unfall, bei dem ein Jugendlicher ein anderes Auto rammte. Zwei der Unfallbeteiligten sind für immer schwer behindert.

Achtung für das Leben anderer

Solche Ereignisse, dieser Anblick eines verlorenen Armes auf dem grünen Rasen, würden die Rettungskräfte ein Leben lang begleiten.

Sie appelliert an die Jugendlichen, mit Achtung für das Leben anderer am Verkehr teilzunehmen und vorausschauend zu fahren. Weitere Menschen aus der Rettungskette berichteten eindringlich von ihren Erlebnissen, ein Vater eines Verkehrsopfers erzählt von den letzten Augenblicken mit seinem Sohn. Viele der Schülerinnen und Schüler sind betroffen und verlassen den Saal, können die Bilder der Unfallorte nicht sehen. Seelsorger betreuen sie.

Dirk Happe verteidigt das Landesprojekt: „Wir wollen nachhaltig auf das Verhalten der Jugendlichen aufmerksam machen. So ein Unfall ist immer weit entfernt bis er real wird. Da wollen wir vorbeugen.“ Die eindringlichen Berichte seien gut, um den Jugendlichen zu zeigen, wie schlimm ein Unfall wirklich sein kann.

 
 

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