Betrug im Jobcenter: Keine Einzeltäterin

Außenansicht der Job Agentur,. FOTO: CHRISTINA MAKARONA
Außenansicht der Job Agentur,. FOTO: CHRISTINA MAKARONA
Foto: Christina Makarona

Ennepe-Ruhr. Die 53 Jahre alte Sprockhövelerin, die das Jobcenter des Ennepe-Ruhr-Kreises und damit den Steuerzahler um mindestens eine halbe Million Euro betrogen hat, ist vermutlich keine Einzeltäterin. „Wir ermitteln noch gegen Personen aus ihrem beruflichen und persönlichen Umfeld“, erklärte gestern der Hagener Oberstaatsanwalt Hans-Werner Münker auf Anfrage unserer Zeitung.

Inzwischen wird auch etwas deutlicher, wie es die Sachbearbeiterin, die inzwischen in Untersuchungshaft sitzt, geschafft hat, ein solches Vermögen in die eigene Tasche zu stecken. Es ging bei den Unterschlagungen nicht um direkte Zuweisungen an die Langzeitarbeitslosen, die das Jobcenter für den Ennepe-Ruhr-Kreis betreut. Vielmehr hat die 53-Jährige Personen erfunden und für sie eine so genannte Wiedereingliederungshilfe bewilligt. Diesen Zuschuss bekommt normalerweise ein Arbeitgeber, der bereit ist, eine Frau oder einen Mann, der längere Zeit keinen bezahlten Job mehr hatte, einzustellen. Münker stellt fest: „Es wurde also kein Arbeitsloser betrogen“.

Auto, Uhren und auch Bargeld beschlagnahmt

In wie vielen Fällen die 53-Jährige nach dieser Methode ihr eigenes Bankkonto aufgebessert hat, will Oberstaatsanwalt Münker wegen der laufenden Ermittlungen im Augenblick noch nicht sagen. Dasselbe gilt für die Frage, ob es inzwischen ein Geständnis von der Beschuldigten gibt.

Die Betrügereien, so der Jurist, hätten in den Jahren 2009 bis 2011 stattgefunden. Es sei durchaus möglich, dass die Schadenssumme nach Abschluss der Ermittlungen noch höher liege. Die Sprockhövelerin hat wohl einen sehr aufwendigen Lebensstil gehabt. Münker will aber auch nicht ausschließen, dass am Ende auch Spiel- und Drogensucht eine Rolle gespielt haben könnten: „Dafür haben wir im Augenblick allerdings keine Hinweise“.

„Ein bisschen“ an Werten habe die Staatsanwaltschaft bei der Frau sichergestellt, um das Jobcenter für die Verluste zu entschädigen: „Es war ein Auto, es waren Uhren und es war Bargeld“. Insgesamt, so schätzen die Ermittler, handelt es sich um einen Wert von 20 000 Euro.

Der Frau droht eine langjährige Haftstrafe. „Hier liegt ein Fall von Untreue vor. Dafür kann es von einer Geldstrafe bis zu fünf Jahren Haft alles geben. Das entscheidet der Richter“, so Münker. Die Machenschaften in der Zentrale der Jobcenter in Schwelm könnten allerdings juristisch auch als mehrere Fälle gewertet werden: „Dafür spricht im Moment einiges.“ Dann erwartet die Sprockhövelerin eine Gesamtstrafe von bis zu 15 Jahren.

Das Jobcenter betreut mit rund 320 Mitarbeitern seit 1. Januar 2005 alle erwerbsfähigen und hilfebedürftigen Arbeitsuchenden im Kreis. Sie ist damit eine von 69 Kommunen, die diese Aufgabe ohne die Mitwirkung der Agentur für Arbeit wahrnehmen.

Der Fall erinnert an einen Skandal im Dortmunder Rathaus. Einer Mitarbeiterin war es zwischen 1999 und 2007 gelungen, 1,2 Millionen Euro zu unterschlagen, um damit ihre Drogensucht zu finanzieren.

 
 

EURE FAVORITEN