Besuch im Gedächtnis der Region

Peter Ring
Quartalsführung Haus Martfeld
Quartalsführung Haus Martfeld
Foto: WP

Schwelm.  Gerät die Vergangenheit in Vergessenheit, ist die eigene Zukunft schnell Geschichte: Einstmals diente das Martfeld als eine Art Schutzburg für Schwelm und die wichtigsten Verkehrswege. Heute, scheint es, bräuchte das Haus selber Schutz. Die Zeiten haben sich geändert.

So spannend sie war, die zweite Quartalsführung im Haus Martfeld, sie stand gestern unter keinem guten Stern. Zum einen hatte sich Museumsleiterin und Referentin Cornelia Hackler krank gemeldet, zum anderen kamen statt der knapp 100 Besucher bei der ersten Veranstaltung des Jahres gerade mal rund 40. Und auch Elmar-Björn Krause, der als Archäologe kurzerhand einsprang, stellte seinem Vortrag einige weniger erfreuliche Nachrichten aus der jüngsten Stadtgeschichte voran. Das Museum habe unlängst auf Geheiß der Stadtverwaltung 50 Prozent seines Personals und 10 000 Euro abgeben müssen (zwei Stellen).

Die Rahmenbedingungen seien selten schwieriger gewesen für das in der Region einzigartige Haus, das jährlich bis zu 10 000 Besucher begrüße. „Wo spart man in Zeiten knapper Kassen am ehesten? Richtig - bei der Kultur“, bedauerte Krause. In der Folge bewies der Historiker mit lebensphilosophischem Weitblick, wie wichtig es sei, sich auch in der Gegenwart immer des Gewesenen bewusst zu sein. Ob Schwelmer Eisenwerke oder Schlüsselfabrikation - „wir brauchen unsere Vergangenheit, um zu wissen, wer wir heute sind.“

Zurück zu den Wurzeln also. Krause grub sie in seinem gut einstündigen Vortrag gern aus, erklärte, warum Haus Martfeld das regionale Gedächtnis nicht nur für Schwelm, sondern auch für Gevelsberg und Ennepetal ist. Wie bedeutend die Sammlung der Exponate. Wie tragisch es wäre, „wenn sich der Nebel senkt über die Geschichte und Geschichten der Vergangenheit.“ Und historisch Möbel nicht mehr als stumme Zeugen ihrer Zeit, sondern nur noch als Holz bewertet würden. Denn, so Krause: Hinter jedem historischen Fund stehen Menschen.

Von den heute noch sichtbaren Hohlwegen über die Hauptverkehrsstraßen des Mittelalters bis zum Karolinischen Festungshof in Schwelm führte die Reise durch die Jahrhunderte. Von der Geburt des alten Schwelms und den steinernen Überbleibseln des alten Taufbeckens bis zu den Baumsärgen und Beinhäusern, die man rund um die Christuskirche fand. Vom klingenlosen Schwertknauf eines unbekannten Kreuzfahrers aus dem 13. Jahrhundert bis zum brutalen Engelbert-Mord, der bis heute unvergessen ist.

Dass sich Geschichte wiederholt, ist nur eine Frage der Zeit, mag mancher gedacht haben, als er die Pläne für ein neues Rathaus aus dem Jahre 1718 sah. Dass die Geschichte aber auch noch greifbar ist, beweisen die Reste der alten Stadtmauer an der Südstraße.

Die Geschichte hilft, die Gegenwart zu meistern. Ob das auch Haus Martfeld hilft, wird die Zukunft zeigen.