Besonderer Blick auf den Mythos Willy Brandt

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Der Mythos Willy Brandt scheint ungebrochen. Der älteste Sohn des Ex-Bundeskanzlers und Friedensnobelpreisträgers, Prof. Dr. Peter Brandt, war zum Vortrag unter der Überschrift „Willy Brandt mit anderen Augen: Aus der Sicht des Sohnes und des Historikers“ eingeladen worden.

Ennepetal..  Der Mythos Willy Brandt scheint ungebrochen. Schon eine halbe Stunde vor der Kulturgemeinde-Veranstaltung war am Montagabend die Aula des Reichenbach-Gymnasiums gut gefüllt. Der älteste Sohn des Ex-Bundeskanzlers und Friedensnobelpreisträgers, Prof. Dr. Peter Brandt, war zum Vortrag unter der Überschrift „Willy Brandt mit anderen Augen: Aus der Sicht des Sohnes und des Historikers“ eingeladen worden.

Als Kulturgemeinde-Vorstandsmitglied Meinolf Schütte Referent und Besucher begrüßte, war eine erwartungsvolle Stimmung zu spüren. Wie blickte der Sohn auf das außergewöhnliche Leben Willy Brandts zurück? Prof. Brandt tat es mit der notwendigen Distanz eines Wissenschaftlers (er lehrt neue Deutsche und Europäische Geschichte an der Fernuniversität Hagen) und auch mit der Liebe eines Sohnes zu seinem Vater. Dieser nicht alltägliche Spagat gelang. Peter Brandt sagte es auch mit einem einfachen Satz: „Willy Brandt war ein normaler Vater!“

Kniefall in Warschau nicht geplant

Peter Brandt las einige Passagen aus seinem neuen Buch „Mit anderen Augen – Versuch über den Politiker und Privatmann Willy Brandt“ (Dietz-Verlag, Bonn). Nüchtern und doch liebevoll ist seine Betrachtung, so war es auch, wenn er frei sprach, ohne Buch und Manuskript. Sein Vater habe sich nie verstellt und selbst von seiner „mecklenburgischen Schwerblütigkeit“ gesprochen. Die Vorfahren seien einfache Landarbeiter in Mecklenburg gewesen. Natürlich berichtete Peter Brandt von der Flucht seines Vaters vor den Nazis nach Norwegen, dessen Widerstandsarbeit gegen Nazi-Deutschland und dessen Bewunderung für die skandinavische Demokratie. Der Historiker zitierte Willy Brandts Aussage: „Ein guter Deutscher kann kein Nationalist sein.“

Der Kniefall Willy Brandts am Ghetto-Denkmal in Warschau im Jahr 1970 sei nicht geplant gewesen. Willy Brandt habe später einmal gesagt: „Ich musste ja etwas tun.“ Für Peter Brandt ist der Kniefall eine „christlich-abendländische Geste“.

Zu Willy Brandts Deutung, er sei als Bundeskanzler auch wegen Herbert Wehner im Zusammenwirken mit Ost-Berlin quasi gestürzt worden, gebe es keine Beweise. Es sei auch nicht plausibel. Hier sprach der Historiker.

Vater und Sohn haben übrigens etwas gemeinsam im Lebenslauf: Willy Brandt verließ als junger Mann die SPD und ging zur ganz linken SAP, eine Splitterpartei. Sohn Peter schloss sich 1968 einer sozialistischen Gruppe an. Beide kehrten anschließend aber wieder in den Schoß der Sozialdemokratie zurück.

„Lichtfigur der Sozialdemokratie“

Willy Brandt wurde und wird immer noch als „Lichtfigur der Sozialdemokratie“ betrachtet. Unter den Besuchern des Vortrags befanden sich nicht zuletzt viele Sozialdemokraten, die demonstrativ mit roten Schals in der Aula saßen, fast der gesamte heimische SPD-Vorstand und viele Fraktionsmitglieder sowie die erste Bürgermeisterstellvertreterin Anita Schöneberg.

Meinolf Schütte sprach nach dem Vortrag von einer „Geschichtsstunde mit Peter Brandt“ und dankte, wie bei der Kulturgemeinde Ennepetal üblich, mit einem „Höhlentropfen“. Da irrte der Professor Brandt: Dieser Tropfen ist kein Rotwein.

 
 

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