Beim Kunstrasen fliegen die Fetzen

Ohne den Verkauf des Sportplatzes am Brunnen läuft gar nichts. Die SPD fordert dazu eine rechtsverbindliche Erklärung der Vereine.
Ohne den Verkauf des Sportplatzes am Brunnen läuft gar nichts. Die SPD fordert dazu eine rechtsverbindliche Erklärung der Vereine.
Foto: Hans Blossey

Schwelm..  Die Fetzen flogen, der Ton war rau, die Worte deutlich – aber inhaltlich hat die knapp zweistündige Diskussion im Finanzausschuss das Kunstrasenprojekt nicht einen Millimeter vorangebracht. Im Gegenteil: Die Summe der offenen Fragen erhöht sich. Auf Nachfrage, ob der entsprechende Prüfauftrag an die Verwaltung für beide Alternativen abgestimmt werden muss, versicherte Bürgermeister Jochen Stobbe, die Arbeit auch ohne entsprechende Anordnung der Politik aufnehmen zu wollen: „Dafür brauchen wir keinen Beschluss.“

Gefahr durch Haushalt?

Die drängendste Frage: Was passiert mit den Mitteln für den Ankauf der Flächen in Linderhausen, nachdem die Bezirksregierung den Schwelmer Haushalt erneut kassiert hat (siehe Seite Schwelm)? Kämmerer Ralf Schweinsberg: „Wir müssen das OK der Bezirksregierung dafür holen, aber weil diese Mittel bereits seit dem Jahr 2009 im städtischen Haushalt fortgeschrieben werden, sehe ich realistische Chancen, das hinzubekommen.

Doch muss die Fläche in Linderhausen überhaupt gekauft werden und wenn ja, ist das Ankaufsrecht, das am 30. Juni endet, dafür überhaupt relevant?

Die SPD beantwortet diese Fragen eindeutig mit Ja. In ihrem Antrag – dessen Beschlussfassung auf den Stadtrat am 18. Juni vertagt wurde – fordert sie von den Vereinen bis Ende des Monats eine rechtsverbindliche Erklärung, dass der Sportplatz am Brunnen verkauft wird und der gesamte Erlös in den Sportpark Nord fließt. Das könnte beide Vereine aufgrund von Ladungsfristen für Mitgliederversammlungen vor erhebliche Probleme stellen. Die Fraktionsvorsitzende der Bürger, Johanna Burbulla, hingegen sieht keinen Zeitdruck im Auslaufen des Ankaufsrechts. Die 13 Euro, die die beiden Verkäuferinnen pro Quadratmeter erhalten würden, stammen aus einer Zeit, als dort Gewerbeansiedlung geplant war. „Heute ist das landwirtschaftliche Fläche, damit liegt der Quadratmeter-Preis bei 1,40 Euro. Wenn die Eigentümerinnen wirklich verkaufen wollen, verzichten sie doch nicht freiwillig auf 200 000 Euro.“ Sollte es in Linderhausen tatsächlich zum Ankauf kommen, stünden hier bereits die nächsten Probleme ins Haus. FDP-Fraktions-Chef Michael Schwunk nahm Akteneinsicht im Rathaus: „Ihre Vorplanung ist eine zweiseitige Kostenabschätzung ohne ein Wort zur Verkehrsplanung.“ Zudem gehe daraus keinerlei Kalkulation zu den Punkten Erdbewegung und Hangsicherung hervor.

Uwe Hugendick, der die Alternative für die Rennbahn ausarbeitete, hat sich auch mit Linderhausen beschäftigt. Seine ersten Erkenntnisse: Das Gelände fällt etwa sieben Meter ab. Er schätzt, dass 7000 Kubikmeter Mutterboden abgefahren werden und 30 000 Kubikmeter Erde bewegt werden müssen. Das wäre deutlich mehr als bei der sich aktuell im Bau befindlichen Dreifeldturnhalle, deren Kosten ganz erheblich gegenüber der Kalkulation gestiegen sind. Das könnten die Vereine als Bauträger nicht schultern, müssten schlimmstenfalls Insolvenz anmelden.

Unverständnis für „Blockadepolitik“

Um nicht weiterhin im Konjunktiv sprechen und nur grob schätzen zu müssen, hat der Bürgermeister nun zugesagt, binnen kürzester Zeit beide Varianten – die Rennbahn unter Einbeziehung der Roten Berge für die Leichtathletik sowie den Sportpark Nord – auf eine verlässliche kalkulatorische Basis zu stellen. Warum das bisher nicht längst geschehen ist, lautete die große Frage der Oppositionsparteien: „Wir verstehen ihre Blockadepolitik gegen die Rennbahn-Lösung einfach nicht.“

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