Bedrückende Bilder lösen Diskussionen aus

Ennepetal..  Rechtsextreme Musik ist für viele Jugendliche die Einstiegsdroge in die Neonazi-Szene. Mit versteckter Kamera hat ein deutscher Journalist zehn Jahre lang Rechtsrock-Konzerte gefilmt. Seinen erschreckenden Film „Blut muss fließen“ haben sich am Dienstag insgesamt etwa 800 Menschen im Haus Ennepetal angeschaut.

Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen zeigte sich „stolz, dass wir ein Gesicht gegen Rechts zeigen“. Zwei Vorführungen mit anschließender Diskussion hatte die Ennepetaler Jugendinitiative „Democrazy“ auf die Beine gestellt. „Wir möchten die Politik aus der für viele drögen Ecke holen und für Jugendliche interessant machen“, sagt Mitglied Felix Struckmann. Das ist gelungen: Am Morgen füllten 700 Schüler und Lehrer weiterführender Schulen den Saal des Hauses Ennepetal. Die Abendveranstaltung war für alle Interessierten offen.

Nachdenklich verließen die meisten Zuschauer den Saal. Denn das gesammelte Filmmaterial von Thomas Kuban – unter diesem Pseudonym tritt der Journalist zum eigenen Schutz auf – ist bedrückend. Es zeigt provokant tätowierte Neonazis, die in dunklen Kellern fremdenfeindliche und antisemitische Texte gröhlen, den Arm dabei zum Hitler-Gruß gen Himmel gereckt. Sie singen von Blut und Boden, beschwören Feindbilder und sehnen einen arischen, deutschen Staat herbei. Meist finden die Zusammenkünfte im Geheimen statt.

Kuban ging bei seinen Recherchen volles Risiko. Was passiert wäre, wenn seine Maskerade inmitten von alkoholisierten Neonazis gefallen wäre, möchte man sich nach Sicht der Bilder nicht ausmalen. „Man muss zeigen, was läuft“, sagt er im Film und warnt: „Politik und Staat machen bis heute zu wenig dagegen.“ Als 2011 die Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds ans Licht kam, hatte Thomas Kuban bereits acht Jahre lang belastendes Material gesammelt und auch gezeigt. Doch viele Sicherheitsbehörden hatten die Gefahr nicht ernst genommen.

Gesprächspartner standen bereit

Kein Wunder, dass sowohl morgens als auch abends viele, größtenteils jugendliche, Zuschauer im Haus Ennepetal blieben, um über das Gesehene gemeinsam zu diskutieren. Als Ansprechpartner standen Andreas Balser und Tobias Gniza aus Hessen bereit. Sie erarbeiten gemeinsam mit dem Regisseur Peter Ohlendorf ein Schulkonzept zum Thema Rechtsextremismus und waren für die Vorstellungen extra in die Klutertstadt gereist. Bianca Euteneuer, die die Initiative von Seiten der Stadt betreut, war hochzufrieden: „Es ist super gelaufen und wir haben viele Leute erreicht.“ Die Polizisten, die die Veranstaltung aus Sorge vor rechten Übergriffen begleiteten, mussten glücklicherweise nicht eingreifen.

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