Aus Leidenschaft zur klassischen Musik

Das Bild zeigt Thomas Honickel mit Ballettchef Vadim Bondarim Bonner Theater
Das Bild zeigt Thomas Honickel mit Ballettchef Vadim Bondarim Bonner Theater
Foto: WP

Ennepetal..  Thomas Honickel sagt über Musik, dass sie so wichtig sei wie Essen und Trinken. Nur durch sie werde das Leben lebenswert – und deshalb hat er seine Leidenschaft nicht nur zum Beruf, sondern es sich auch zur Lebensaufgabe gemacht, vor allem Kinder und Jugendliche auf Musik einzustimmen. Er war der erste hauptamtliche Konzertpädagoge in NRW, trat auf den großen Bühnen in der Region als Dirigent und Pianist auf und wird nun Musikalischer Leiter des Jungen Staatstheaters Oldenburg. Eine einmalige Chance für den langjährigen Ennepetaler.

„So ein Angebot gibt es nicht alle Tage“, sagt der 53-Jährige. Natürlich verlasse er schweren Herzens die Region, doch in Oldenburg gebe es für ihn gute Bedingungen, seine Arbeit fortzusetzen: „Nämlich die Jugend durch die spannenden Welten der klassischen Musik zu führen.“ Er will verschiedene Konzertformate und Musiktheaterproduktionen auf die Beine stellen, sowie die Kinder- und Jugendensembles vor Ort pädagogisch betreuen und Produktionen künstlerisch leiten.

Erster Theaterpädagoge in NRW

Klassische Stücke, erklärt Honickel, hätten viele Anknüpfungspunkte an die Lebenswirklichkeit der Jugend. Die Wagner-Oper „Rheingold“ ähnele sehr der Geschichte aus „Der Herr der Ringe“, „Der fliegende Holländer“ dem Film „Fluch der Karibik“. Besonders Crossover-Projekte begeisterten die Jugendlichen, ebenso Kombinationen aus Klassik und Filmmusik. „Klassik ist alles andere als elitär“, sagt Thomas Honickel, es sei ein Stück kulturelle Identität, es komme nur auf die entsprechende Vermittlung an. „Nicht mit erhobenen Zeigefinger, sondern mit viel Spaß.“ Seit er vor etwa 20 Jahren Vater geworden sei, habe er das Bedürfnis besonders verspürt, Musik an andere weiterzugeben. Mit der Katholischen Grundschule in Ennepetal, die zwei seiner Kinder besuchten, studierte er zwei Opernaufführungen ein. In den 90er-Jahren arbeitete er an vielen Konzertveranstaltungen der Kulturgemeinde mit und engagierte sich in Projekten mit dem Reichenbach-Gymnasium.

Er gründete Jugend- und Kinderchöre und entwickelte in Wuppertal konzertpädagogische Reihen unter dem Motto „Kid’s Klassik“. Sie fanden von 1993 bis 2003 in der historischen Stadthalle statt, „und waren alle unheimlich gut besucht“, erinnert sich Honickel. Er freue sich bei jedem Konzert, wenn die Zuhörer begeistert seien. Auch seine Familie habe er noch näher an die Musik geführt.

Sein Sohn spielte vor zwei Jahren die Hauptrolle in der „Hair“-Produktion des Ennepetaler Gymnasiums. Honickel schwärmt von der musikalischen Ausrichtung der Schule. Er kenne kein Gymnasium, das eine so breite musikpädagogische Ausrichtung und auch Ausstattung habe. „Ich wäre sehr gerne auf so eine Schule gegangen“, sagt er. Er sei jedoch in Wuppertal gewesen, habe mit 17 das Musikstudium begonnen und seinen musikalischen Werdegang schon früh selbst in die Hand genommen. „Richtig gelernt habe ich aber erst nach dem Studium.“ Sein Engagement und seine ungewöhnlichen Methoden führten dazu, dass er 2003 als erster hauptamtlicher Konzertpädagoge bei den Duisburger Philharmonikern anheuerte. Seine Arbeit führte zur Berufung als künstlerischer Leiter des neu geschaffenen „Education-Programms“ des Beethoven Orchesters Bonn. In gleicher Funktion wie in Duisburg, aber mit noch größerem Publikumszuspruch gestaltete Honickel von 2008 bis 2013 Konzertreihen, Opernprojekte und Schulkonzerte.

Nun sei es an der Zeit gewesen, weiterzuziehen, sagt er. In Oldenburg habe er erst einmal einen Drei-Jahres-Vertrag. Im August ist Dienstbeginn, seine Arbeit hat aber schon längst begonnen. „Ich habe viele Ideen und freue mich schon auf die Menschen im Norden.“

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