Aufgewachsen zwischen Ruinen und Trümmern

Auch dieses Foto findet sich im neuen Buch: Es zeigt den Märkischen Platz und im Hintergrund die Christuskirche. Die Baracken rechts dienten denjenigen Geschäften einstweilig als Unterkunft, die durch Bombardierung der Bahnhofstraße und Umgebung ihr Haus und ihre Bleibe verloren hatten.
Auch dieses Foto findet sich im neuen Buch: Es zeigt den Märkischen Platz und im Hintergrund die Christuskirche. Die Baracken rechts dienten denjenigen Geschäften einstweilig als Unterkunft, die durch Bombardierung der Bahnhofstraße und Umgebung ihr Haus und ihre Bleibe verloren hatten.
Foto: WP

Schwelm..  Neuigkeiten aus der Schreibstube von Klaus Peter Schmitz. Der ambitionierte Hobby-Historiker, der im Sommer letzten Jahres mit einem Buch über „Die Zeit des Nationalsozialismus in Schwelm“ ein dunkles Kapitel Stadtgeschichte aufgearbeitet hat, gibt am Montag sein neuestes Werk in Druck. „Ut dä Blagentied“, so der Titel des Werks, ist eine Zeitreise in seine eigene Vergangenheit. Auf 112 Seiten (Preis: ca. 10 Euro) erzählt der gelernte Elektro-Meister von Kindheitserinnerungen aus den 1950er Jahren.

Schreiben gegen das Vergessen

„Ut dä Blagentied“ (Aus der Kindheit) ist mehr ein unterhaltsames Buch. „Es sind lustige Geschichten zum Schmunzeln, in denen ich erzähle, was wir als Kinder einst für dummes Zeug gemacht haben“, sagt Klaus Peter Schmitz über die Neuerscheinung, die sich dennoch nahtlos in die anderen vier „Geschichtsbücher“ aus seiner Feder einreiht. Schmitz, Jahrgang 1944 und in der Bahnhofstraße geboren, schreibt gegen das Vergessen an, will Geschehnisse und Erlebnisse von einst für die Nachwelt bewahren. Momentan arbeitet er die Geschichte der Nachkriegszeit in Schwelm bis zum 5. Mai 1955 auf . Zu dem Zeitpunkt endete der britische Besatzungsstatus in seiner Heimat.

Die Recherche zu dem Buch hat er abgeschlossen, die Gliederung steht und die ersten Seiten sind geschrieben. „Beim Schreiben kamen wieder viele Erinnerungen in mir hoch. Ich bin ja in dieser Zeit groß geworden“, sagt Klaus Peter Schmitz. Diese Zeit sei einmalig gewesen. Die Stadt habe ausgebrannt und zerstört durch die vielen Bombardements der Alliierten in Trümmern gelegen. Ruinen hätten das Stadtbild bestimmt. „Während die Erwachsenen damit beschäftigt waren, wieder ein einigermaßen normales Leben zu führen, ihrer Arbeit nachzugehen und ihre Stadt neu zu gestalten, durchstreiften wir Kinder Schwelm und Umgebung, immer auf der Suche nach etwas Brauchbarem“, erinnert sich der Ur-Schwelmer. Sieben Freunde seien sie gewesen. Fußball wurde auf der Bahnhofstraße gespielt, die Tore durch Steine markiert. Einen Autobesitzer habe es in der Straße gegeben.

Schmitz schildert in den Kurzgeschichten die Nachkriegszeit und die Lebensverhältnisse der Menschen. „Der alte Friedhof an der Bahnhofstraße hinter unserem Haus war unser Spielplatz. Mit dem Totengräber Müller, dem Küster der Ev. Kirchengemeinde, lagen wir im täglichen Streit.“ Eine weitere Geschichte handelt von einem Munitionsfund in der Erlenhöhle. „Die leeren Messing-Patronenhülsen haben wir verkauft, um Geld für Süßigkeiten zu haben. Scharfe Munition haben wir einmal in einen Schraubstock gespannt und hinten mit dem Hammer draufgehauen. Es knallte fürchterlich und in der Holzwand gegenüber klaffte ein Riesenloch.“

Für den gesundheitlich schwer angeschlagenen Klaus Peter Schmitz ist das Schreiben ein Lebenselixier: „Ich lebe dafür, es hält mich am Leben.“

EURE FAVORITEN

Weitere interessante Artikel