Alternative Sparmaßnahmen gesucht

Die Stadt Ennepetal hat Geldsorgen und will Personal im Rathaus einsparen.
Die Stadt Ennepetal hat Geldsorgen und will Personal im Rathaus einsparen.
Foto: Carmen Thomaschewski
  • Sondersitzung am 9. November
  • Stellen im Bereich freiwillige Leistungen sollen erhalten werden
  • Sparpotenzial in anderen Bereichen des Jugendamts im Blick

Ennepetal.  Der Haushaltplan-Entwurf für 2017 sei gerade noch so, „dass wir ihn gut ertragen können“, sagte Jugendamtschef Hans-Georg Heller mit Blick auf soziale Leistungen sowie die Kinder-, Jugend- und Familienhilfe. Aber: Das Personalwirtschaftskonzept sorge für ein Dilemma. Das sah auch der Jugendhilfeausschuss so, der dem Haushalt für 2017 zwar zustimmte, sich aber in einer Sondersitzung mit möglichen Sparmaßnahmen befassen will, um den Personalabbau im Jugendamt an der einen oder anderen Stelle zu verhindern.

Sondersitzung am 9. November

Im offiziellen Beschluss des Gremiums heißt es, dass man das Haushaltssicherungs- und Personalwirtschaftskonzept aus fachlichen Gründen so nicht mittragen könne, weil weitreichende Auswirkungen auf den Bereich der Pflichtaufgaben gesehen werden. Stellen beim Ferienspaß, im Jugendzentrum im Haus Ennepetal, im offenen Ganztag, der Schulsozialarbeit oder beispielsweise der Flüchtlingsbetreuung sollen abgebaut werden -- so viel zum harten Sparkurs der Stadt. Der Jugendhilfeausschuss möchte einen anderen Weg gehen und in der Sondersitzung am Mittwoch, 9. November, ab 17.15 Uhr über alternative Einsparpotenziale diskutieren und eine Empfehlung an den Rat geben.

Hans-Georg Heller erklärte, dass viele Bereiche, die für die Jugend- und Sozialarbeit sehr wichtig seien, oft keine Pflichtleistungen seien. Dass gespart werden muss, sei klar. „Wir sind in solch einer finanziell desolaten Lage, wie ich sie noch nie erlebt habe.“ Dennoch: Das Jugendamt müsse viele Problemlagen im Blick haben, wie „Kinderarmut in NRW“, „Kein Kind zurück lassen“, „Frühe Hilfen/Präventionsketten bilden“, „Kinder auf der Flucht“, „Inklusion und Integration ab dem Kindergartenalter“. Hans-Georg Heller zitierte in diesem Zusammenhang einen Spruch, der sogar wirtschaftlich belegt sei: „Jeder Euro, der in die Prävention gesteckt wird, zahlt sich mindestens doppelt aus.“ Mehr noch: Was gespart werde, dafür müsse man mehrfach draufzahlen.

Und noch ein Problem: Mitarbeiter aus Bereichen von freiwilligen Leistungen schauten sich um, würden sich auf Stellen bewerben, die pflichtig seien, erklärte Heller. Er hat Verständnis für den Schritt. Die Mitarbeiter möchten schließlich Planungssicherheit. Es habe in den vergangenen Tagen sogar mehrere Kündigungen gegeben, diese Stellen müssen intern nachbesetzt werden. „Ich weiß nicht, wie ich das alles kompensieren soll“, erklärte Heller. Denn auch bei den Pflichtaufgaben würden durch die Personalverschiebung Lücken gerissen. Fest steht: Die Finanzlage der Stadt sorgt für große Unsicherheit bei den Mitarbeitern.

Auch darauf will der Jugendhilfeausschuss reagieren und hat die Verwaltung gebeten, bis zu der Sitzung im November eine Liste zu erstellen, mit Punkten, bei dem sie Einsparpotenziale sieht. Entscheidend sei, die Haushaltssicherung hinzubekommen und das Sparziel zu erreichen, und dabei möglichst wenig aufzugeben, was entscheidend für die Jugend- und Familienarbeit ist. Ein Sparkommissar würde den Rotstift radikaler ansetzen -- mit schwerwiegenden Folgen wie Heller und die Politiker glauben.

 
 

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