Alles ein wenig anders und doch vieles gleich

Foto: WR

Schwelm. Zurück zu den Anfängen: Schwelm hat nun eine Stadthalle. Das hat der Heimatfestabend 2011 gezeigt. Der Umzug vom Jugendzentrum in die neue Mensa des Märkischen Gymnasiums spart der Stadt und ihren Bürgern nicht nur Geld, sondern hat der Traditionsveranstaltung auch sonst gut getan. Es gibt eine bessere Akustik, die Lüftung ist effektiver und das größere Platzangebot erlaubt eine Bewirtung der Gäste an Tischen. Damit ist der Heimatfestabend wieder dort angekommen, wo es vor etlichen Jahren schon einmal war: im Märkischen Gymnasium (damals allerdings im Atrium).

Viele Neuerungen

Doch nicht nur der Veranstaltungsort ist neu, auch das Programm trägt eine neue Handschrift: die der neuen Kulturbüroleiterin Gabriele Weidner. Sie hat den Festabend zeitlich gestrafft, die Moderation wieder auf ihre Ursprünge zurückgefahren. Vielleicht ist sie dabei ein wenig über das Ziel hinausgeschossen. Denn die Spontaneität und das Improvisationstalent, mit dem das Moderatorenduo Kerstin Heumann-Wasserkamp und Enzo Caruso auf den zurückliegenden sechs Heimatfestabenden den Saal zum Mitmachen animierten, fehlten diesmal.

Das Ende stand diesmal am Anfang des Abends: Mit dem gemeinsamen Singen des Westfalenlieds wurde das Publikum gleich zum Start in die Veranstaltung mit eingebunden. Eine Mischung aus Neuem und Bewährtem wurde in der ausverkauften Mensa dem Publikum Schlag auf Schlag präsentiert: Chorgesang, Musik, Sketche, Turn- und Ballettdarbietungen und plattdeutsche Wortbeiträge – und der Magier Erasmus Stein als Überraschungsgast des Abends, selbst ernannter Experte für das Reich der Unglaublichkeiten.

Doch den Vogel schoss der Bürgermeister mit seinem gelungenen Outfit ab: Jochen Stobbe vervollständige seine gewohnte Heimatfestkluft mit Blaukittel und rotem Halstuch in diesem Jahr mit einem „Brandmeldehelm“. Seine Begründung: Wegen der neuen Sicherheitsbestimmungen bei Fest müssten im nächsten Jahr auf jedem Heimatfestwagen Brand­melder mitfahren. Wenn die Alarm auslösen würden, müsste gelöscht werden – mit Bier, Wein und anderen Getränken.

Traditionelle Elemente

Den Part der Traditionspflege musste sich diesmal der alte Haudegen Hans-Paul Niepmann mit Irmgard Weinreich teilen: Die beiden Akteure warben mit Erfolg dafür, dass das Schwelmer Platt nicht untergehen darf. Einfach köstlich, das in Mundart geführte Streitgespräch zwischen Zugfahrerin Irmgard Weinreich und Schaffner Frederik Diergarten mitzuverfolgen, wie sie sich windet, dem Bahnbeamten beim Fahrkartenkauf zu sagen, wohin die Reise gehen soll. „Der Postbeamte am Schalter wollte beim Markenkauf ja auch nicht von mir wissen, wohin ich die Postkarten schicken will.“

Hans-Paul Niepmann bewies ein weiteres Mal, dass der Käpp vam Müöllenkoatten von Wilhelm van Dage längst nicht von gestern ist. Dazu gab es schmucke alte Stadtansichten von Schwelm und dem Haus Martfeld aus der Zeit Wilhelm van Dages: Wer da wohl seine Bilder-Schatztruhe geöffnet hat?

Zum Mitsingen und im Takt mitgehen verleiteten die Beitrage der Chorgemeinschaft MGV Einigkeit Schwelm/Linderhausen (Leitung: Hans-Jürgen Fleischer), der (im einheitlich leuchtroten Hemden gekleidete Akkordeonclub ‘67 (Leitung: Wolfgang Hanstein) und das Musikschulsextett unter Leitung der Kulturbürochefin Gabriele Weidner, die mit Hilfe von Walter Dahm musikalisch die Freundschaft hochleben ließen.

Für ein flottes, hübsch anzusehendes Bühnenprogramm sorgte der Turnernachwuchs der Turngemeinde Zur Roten Erde. Leiterin Stefanie Lehmann hatte mit „rappenden“ Turnzwergen die Geschichte von Schneewittchen nachgespielt.

Mozart-Freunde bedienten in einer gelungenen Darbietung die Ballettmäuse der Spielvereinigung Linderhausen. Ein Augenschmaus auch die schon aus den Vorjahren bekannte Ballettschule von Gabi Hilpert. Dass in dem Tanzstudio an der Mittelstraße professionell gearbeitet wird, demonstrierten die gelenkigen Damen bei gleich drei Auftritten mit Bravour.

Ein dickes Lob gebührt dem Ev. Kindertheater „Flick Flack“ und seiner Leiterin Sabine Masmeier-Wegemann. Ihre Laienschauspieler leiteten mit kurzen, gespielten Sketchen humorvoll nicht nur zu den einzelnen Programmpunkten über, sondern glänzen auch noch mit einen eigenen Beitrag: „Der Nächste, bitte!“ Doktorwitze zum Schmunzeln wie diesen: „Patienten mit einer gespaltenen Persönlichkeit sind mir am liebsten: da kann ich gleich zweimal kassieren.“

 
 

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