Acht Nächte gefangen in der Kluterthöhle

Foto: Christina Makarona

Ennepetal.. Sieben Tage und acht Nächte irrte Heinrich Schmidt durch die Kluterthöhle. Ohne zu wissen, wo er ist. Ohne zu wissen, ob er je den Ausweg findet. 131 Jahre später nimmt sich ein Kölner Film-Student diesem Stück Ennepetaler Geschichte an.

Thorsten Kleinschmidt steht am Eingang der Kluterthöhle, studiert noch einmal das Drehbuch, das er selbst innerhalb eines Jahres geschrieben hat. Es ist der letzte der viertägigen Dreharbeiten, zu denen Thorsten Kleinschmidt und sein zehnköpfiges Filmteam nach Ennepetal angereist sind. „Es ist die Geschichte von Heinrich, einem jungen Naturforscher und Kartographen, der sich in den Tiefen der Kluterthöhle verirrt, nach dem Vorbild Heinrich Schmidt“, so der 26-Jährige. „Doch seine Geschichte hat mich fasziniert. Ich musste dieses Abenteuer nachstellen.“

Hygienevorschriften blieben bestehen

„Heinrich“ ist in Wirklichkeit der französische Schauspieler Yann Grouhel. Finster blickt er aus seiner Tracht aus dem 19. Jahrhundert, trägt stets eine alte Stablampe bei sich. „Eigentlich wollte das Team mit einer Fackel in die Höhle, doch aufgrund der Hygienevorschriften die wir haben, war das nicht möglich“, sagt Wolfgang Kern, Geschäftsführer der „Kluterthöhle & Freizeit GmbH“. Doch die Mitarbeiter um Thorsten Kleinschmidt zeigten sich flexibel, verzichteten auf Ausrüstungen und nahmen nur das Nötigste mit in die Höhle.

„Die Gänge sind eng, die Ausrüstung ist schwer und wir sind jeden Tag zehn Stunden bei den Dreharbeiten“, berichtet Thorsten Kleinschmidt. Körperliche Top-Form ist dabei angesagt, denn die Luft in der Kluterthöhle, so Wolfgang Kern, ähnelt dem Klima auf einem Berg in zweieinhalb Tausend Metern Höhe.

„Wir versuchen auch, nachzuvollziehen, wie sich ein Mensch in einer solchen Situation fühlt. Alleine in der Tiefe, in der Dunkelheit, und das über Tage“, sagt Thorsten Kleinschmidt, der mit seinem Spielfilm einen Menschen begleiten wollte, der sich verirrt und sich „gleichzeitig selbst findet“.

Filmproduktion ist „ein Handwerk“

Der „Filmemacher“ befindet sich im zwölften Semester seines Studiums. Der Spielfilm, der zurzeit den Arbeitstitel „Die Höhle“ trägt, stellt seine Abschlussarbeit dar. Thorsten Kleinschmidt ist der Regisseur des 30-minütigen Spielfilms, doch als solcher möchte er nicht bezeichnet werden: „Mein Beruf besteht nicht nur darin, Anweisungen zu geben. Es steckt viel mehr dahinter.“

Dieser Meinung ist auch Wolfgang Kern: „Ich bin selbst Vater von drei Söhnen. Ein großer Teil unserer Mitarbeiter sind junge Studenten. Ihre Kreativität muss gefördert werden“, so Kern, der die Kluterthöhle für Projekte wie die gestern abgeschlossenen Dreharbeiten gerne zur Verfügung stellt.

Der Spielfilm, der aus mehr als 40 Stunden Material zusammengeschnitten werden muss, wird wohl Ende dieses Jahres fertiggestellt sein. Wolfgang Kern hofft nach der Fertigstellung des Werkes, ein Stück Ennepetaler Geschichte auf der Leinwand sehen zu dürfen.

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