79-jähriger Ennepetaler greift Jugendliche mit Messer an

Andreas Gruber
In Ennepetal: Ein 79-jähriger soll hier minderjährige Flüchtlinge beleidigt und angegriffen haben.
In Ennepetal: Ein 79-jähriger soll hier minderjährige Flüchtlinge beleidigt und angegriffen haben.
Foto: Stefan Scherer
  • Senior beschimpft Albaner (16 und 17) in Ennepetal auf offener Straße als „Scheiß Ausländer“
  • Gezielter Stich mit Springmesser Richtung Gesicht des 17-Jährigen
  • Polizei holt 79-Jährigen aus seiner Wohnung und nimmt ihn in Gewahrsam

Ennepetal. Übertitelt war die Polizeimeldung mit „Betrunkener bedroht Passanten“. Tatsächlich handelte es sich um eine fremdenfeindliche Tat, die tödlich hätte enden können und nun den Staatsschutz in Hagen beschäftigt. Ein alkoholisierter 79-Jähriger hat am Donnerstagnachmittag auf der Voerder Straße in Ennepetal – mitten in der Fußgängerzone – zwei Teenager mit Migrationshintergrund attackiert und setzte mit einem Springmesser zum Stich an, der gezielt auf das Gesicht eines der Beiden gerichtet war.

Fremdenfeindliche Beschimpfungen

Die Tat ereignete sich gegen 16.20 Uhr auf der Voerder Straße/Ecke Gasstraße. Die beiden Jugendlichen, ein 17-Jähriger aus Albanien und ein 16-Jähriger aus dem Senegal, hatten gerade auf dem Bürgersteig auf ihren Betreuer gewartet, als sich der 79-Jährige ihnen näherte. Der Senior, der, wie sich später herausstellte, auf dem Weg nach Hause war, sei auf die Beiden zugegangen, habe sie angerempelt und beschimpft, so die Polizei später. „Scheiß Ausländer“ habe er gesagt, und zu dem 17-Jährigen: „Bleib da, wo Du hergekommen bist“. Dann habe er mit einem Springmesser gezielt einen Stich in den Gesichtsbereich des 17-Jährigen angesetzt. Nur weil der Teenager rechtzeitig ausweichen konnte, blieb er unverletzt.

In diesem Moment sei der 50 Jahre alte Betreuer dazugekommen. Er war in einer Döner-Bude einige Meter entfernt, so die Polizei, habe auf dem Weg zurück die gefährliche Situation erkannt und sei sofort dazwischen getreten, um den Senior zur Rede zu stellen und die Situation zu entschärfen.

Der 79-Jährige zeigte sich jedoch unbeeindruckt, wie den Aussagen des Staatsschutzes zu entnehmen ist. Er habe den Betreuer mit den Worten beschimpft: „Du bist kein richtiger Deutscher“ und in Richtung der Gruppe gedroht: „Ich steche Euch alle ab“. Dann habe er sich umgedreht und sei davongegangen.

Der Betreuer macht das einzig Richtige. Er alarmiert die Polizei und geht dem 79-Jährigen im sicheren Abstand hinterher. Als die Streife eintrifft, kann er den Beamten sagen, in welches Haus der Senior gegangen ist. Es befindet sich nicht weit von der Stelle entfernt, wo es zu dem Zwischenfall kam. Die Polizei verschafft sich Zugang zu dem Haus und trifft den 79-Jährigen schließlich in einer Wohnung an. Sie findet auch das Springmesser und stellt es sicher.

Wegen der Tatumstände und weil eine weitere Gefährdung durch den Senior nicht auszuschließen ist, wird der Beschuldigte in Gewahrsam genommen. Er ist alkoholisiert. Die Blutprobe soll knapp ein Promille ergeben haben. Die Richterin ordnet ein Gewahrsam bis 22 Uhr desselben Tages an. Der Beschuldigte soll ausnüchtern.

Wegen der fremdenfeindlichen Aussagen schaltet die Kreispolizei Ennepe-Ruhr den Staatsschutz in Hagen ein. Der Beschuldigte sei dahingehend polizeilich noch nicht auffällig geworden, ist dort zu hören. Aktenkundig ist er dennoch: In der Vergangenheit habe er sich einmal wegen Ladendiebstahls verantworten müssen, heißt es.

Der Staatsschutz bewertet die Tat – nach Stand der Dinge – als Bedrohung und versuchte gefährliche Körperverletzung. Hinzu kommt eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz. Der Besitz eines Springmessers ist in Deutschland verboten.

Zu Besuch in der Klutertstadt

Um die Tatumstände genauer einschätzen zu können, sollen die Jugendlichen und der Betreuer noch einmal angehört werden. Dies wird erst in den nächsten Tagen möglich sein, weil alle drei aus Duisburg kommen und die Kollegen der Polizei in Duisburg die Anhörung übernehmen. Die Jugendlichen und ihr Betreuer waren nach Ennepetal gekommen, um die Kluterthöhle zu besichtigen. Der Vorfall auf der Voerder Straße ereignete sich unmittelbar danach.