20-Liter-Kanister wurde in Schwelm erfunden

Mehr geht nicht: 199 Personen sind im Veranstaltungsraum der Sparkasse zugelassen. Beim Vortrag des Vereins für Heimatkunde waren alle Plätze belegt.
Mehr geht nicht: 199 Personen sind im Veranstaltungsraum der Sparkasse zugelassen. Beim Vortrag des Vereins für Heimatkunde waren alle Plätze belegt.
Foto: WP

Schwelm..  Mit der Vortragsreihe über die Familie Müller und die Anfänge und Glanzzeit des Schwelmer Eisenwerks hat der Verein für Heimatkunde einen Volltreffer gelandet. War die Auftaktveranstaltung am 18. Februar mit rund 140 Gästen schon sehr gut besucht, so vermeldete Vorsitzende Anne Peter ein „ausgebucht“ für Teil 2 am Dienstagabend in der Stadtsparkasse.

Vom Schlossersohn zum Millionär

„Der Vortrag war Stadtgespräch“, ließ Anne Peter die 199 Besucher (mehr sind im Veranstaltungsraum der Stadtsparkasse nicht zulässig) in ihrem Grußwort wissen. In Anbetracht der großen Nachfrage nach Karten kündigte sie an, dass der Verein für Heimatkunde voraussichtlich im Oktober die beiden Vorträge „Vom Eisenrock zum Eisenfass – Familie Müller aus Möllenkotten und die Anfänge des Schwelmer Eisenwerks (1840-1900)“ und „Vom Fässerschmied zum Patriarchen – Albano Müller und die Glanzzeit des Schwelmer Eisenwerks (1900 -1940) von Marc Albano-Müller ein weiteres Mal anbieten wird. Auch in einer künftigen Jahresgabe des Vereins soll die Geschichte in Aufsatzform abgedruckt werden.

Vom Schlossersohn zum Millionär – mit einem kurzen Rückblick leitete Marc Albano-Müller seine Ausführungen ein. Sein Erfolgskonzept vom ersten Vortrag übertrug der Urenkel des Patriarchen Albano-Müller senior auch auf den zweiten Teil der Reihe. Mit vielen historischen Fotos ließ der Gartenbauingenieur vergangene Jahrzehnte und das alte Schwelm vor den geistigen Augen der Besucher wieder lebendig werden.

Marc Albano-Müller brannte in gut eineinhalb Stunden ein wahres Feuerwerk an Informationen ab, überforderte dabei aber keineswegs seine Gäste, die mucksmäuschenstill bis zum Schluss an seinen Lippen hingen. Nach den geschweißten Metallfässern landete das Eisenwerk mit seinen emaillierten Großbehältern 1909 einen zweiten Klassenschlager. Die ersten Gär- und Lagertanks Made in Schwelm wurden in der Brauerei Schwelm aufgestellt. Die Innovationskraft der Eisenwerker bescherten nicht nur der Familie Müller Ruhm und Reichtum, sondern auch ihren Geldgebern. So bekam der Patriarch zu seinem 25-jährigen Arbeitsjubiläum 1915 von seiner Bank einen silbernen Teller samt silbernen Fass und silbernen Gärbottich geschenkt. Die Zuhörer bekamen aber noch einige andere Anekdoten zu hören. „Albano liebte es, seinen Angestellten Spitznamen zu geben. Der Kutscher Karl hieß in Wirklichkeit Friedrich. Bauer Friedrich hieß Ludwig, doch da der Gärtner schon Ludwig hieß, sei er flink ungetauft worden, so Marc Albano-Müller.

Die Geschäfte liefen für das Eisenwerk gut. 1916 verließen etwa 1000 Fässer pro Woche das Schwelmer Werk, in den Kriegsjahren 1914-18 sei die Mitarbeiterzahl von 500 auf über 1300 Beschäftigte angestiegen. So schnell der Erste Weltkrieg zum wirtschaftlichen Aufstieg des Eisenwerks beigetragen hatte, so schnell ging es nach Kriegsende für das Unternehmen wieder bergab. Weltwirtschaftskrise und ein zweimonatiger Streik der Arbeiter im Jahr 1924, in dem das komplette Eisenwerk stillstand, führten es an den Rand der Insolvenz.

Eisenwerk mit 2000 Mitarbeitern

Nur wenige Monate später ein ganz anderes Bild. „1925 bis 1929 waren wirklich sehr fette Jahre für das Schwelmer Eisenwerk“, so Marc Albano-Müller. Dieser Erfolg sei auch den neu ins Verkaufsprogramm genommenen Tankwagen zu verdanken gewesen. Eine weitere Innovation hat ebenfalls ihren Ursprung in Schwelm: der 20-Liter-Stahlkanister, erfunden und entwickelt im Eisenwerk. Von ihm sollen die Amerikaner einmal gesagt haben, dass er fast kriegsentscheidend gewesen sei, so der Referent.

Die Beschäftigten des Schwelmer Eisenwerks waren ein ganz besonderes Völkchen. „Jeder war stolz darauf, Eisenwerker zu sein. Und man blieb Eisenwerker bis an sein Lebensende“, so Marc Albano-Müller. Fette Jahre erlebte der traditionsreiche Betrieb in der Zeit des Wiederaufbaus in den 1960er Jahre, in denen teilweise mehr als 2000 Menschen beim Schwelmer Eisenwerk in Arbeit und Lohn standen. Bis die Auswirkungen der ersten Ölkrise die Wolken über dem Eisenwerk verdunkelten. Doch das ist Stoff für weitere Vortragsabende. „Es gibt erstaunlich viele Sammler. Für diese ist das Eisenwerk ein Mythos ohnegleichen“, zog Marc Albano-Müller eine für ihn überraschende Bilanz seiner umfangreichen Recherchearbeiten.

EURE FAVORITEN

Weitere interessante Artikel