1200 Gevelsberger leiden an ADHS

Dr. Marc-Andreas Edel, Chefarzt der Fliedner-Klinik in Gevelsberg.
Dr. Marc-Andreas Edel, Chefarzt der Fliedner-Klinik in Gevelsberg.
Foto: WP

Gevelsberg.  Rund 1200 Menschen in Gevelsberg leiden statistisch gesehen an der Krankheit ADHS. „Nur 20 Prozent von ihnen wissen davon“, sagt Marc-Andreas Edel, Chefarzt der Fliedner-Klinik. Das sind immerhin 960 Personen. Und weil die Zahl so hoch ist, möchte er aufklären. Edel lädt zum Chefarzt-Vortrag am kommenden Mittwoch, dem 19. November, 19 Uhr, in das gemütliche Stadtcafé Theodor neben der Fliedner-Klinik in der Hochstraße 22 ein.

Hinter den vier Buchstaben ADHS verbergen sich Aufmerksamkeitsdefizite und Hyperaktivitätsstörungen. Die Symptome dafür hat jeder schon einmal an sich selbst beobachtet. Wo fängt aber die Krankheit an? Mädchen, die daran leiden, neigen zum Träumen. „Sie sehen durchs Fenster ihrer Schulklasse und schauen den Vögeln nach“, beschreibt es Edel. Jungen dagegen machten aus sich den Klassenclown. Lange Zeit habe man ein solches Verhalten nicht als Krankheit erkannt.

Hinweise in den Zeugnissen

Bei vielen Erwachsene falle sie erst auf, nachdem ihre Kinder nach Untersuchungen der Jungendpsychologen in Behandlung gekommen seien. Denn oft werde ADHS in den Familien sozusagen vererbt: „Ein ADHS kommt selten alleine“. Einige hätten Berichte über die Krankheit in Zeitung gelesen oder im Fernsehen gesehen und die Symptome bei sich erkannt. „Die Erwachsenen kommen dann zu mir und ich frage sie, ob sie auch schon in jungen Jahren darunter gelitten haben. Die meisten verneinen die Frage und ich lasse mir dann ihre Zeugnisse zeigen“, erzählt Dr. Edel. In den Kopfnoten finde er dann den Beweis: „Da steht dann zum Beispiel, Petra lässt sich leicht ablenken.“

Und was haben die erwachsenen Patienten schon mitgemacht, wenn sie in die Fliedner-Klinik kommen? „Sie haben unheimlich viele Umwege gemacht“, sagt Edel. Viele hätten die Ausbildung abgebrochen, häufig den Beruf gewechselt, erlitten häufiger als andere Menschen Unfälle oder seien zum dritten oder vierten Mal verheiratet. „Für diese Patienten ist es sehr schwer, eine stabile Beziehung zu erreichen“, sagt Edel. Das Verhalten der Kranken werde von der Gesellschaft nicht akzeptiert. „Oft heißt es einfach, du bist nur zu faul. Bei solchen Aussagen geht das Selbstwertgefühl in den Keller“, schildert es Dr. Edel.

Von Depressionen begleitet

Begleitet würde ADHS durch zusätzliche Depressionen, Angstzuständen, Sucht oder Persönlichkeitsstörungen. Eine Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie um zu lernen, sich besser selbst zu regulieren hilft. Der Patient könnte aber auch im Kampf gegen seine Krankheit mithelfen: Viel Sport treiben, seine Kreativität ausleben oder auf eine bestimmte Ernährung achten. Auch darüber will der Chefarzt Dr. med. Marc-Andreas Edel am kommenden Mittwoch reden. Der Eintritt ist kostenlos.

 
 

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