Zwischen Frust und Verwunderung

Die Liebfrauenschule bleibt katholisch. Das Stellenproblem bleibt auch. Rektor Heribert Feyen wollte einen Denkanstoß geben, doch die Eltern ticken anders

Speelberg. „Das hätte ich mir anders erhofft.“ Zwischen leichtem Frust und großer Verwunderung schwankt die Gefühlsskala bei Rektor Heribert Feyen, wenn er auf das Scheitern seiner Initiative angesprochen wird, die katholische Bekenntnisschule in eine Gemeinschafts-Grundschule umzuwandeln. Die Eltern wollten ganz offenkundig, dass alles so bleibt wie es ist und waren nicht hinterm Ofen hervorzulocken. Nur 47 Stimmen für die Umwidmung landeten in der Wahlurne, aber 72 Gegenstimmen (die NRZ berichtete). Überhaupt nur 119 von 280 möglichen Stimmen waren abgegeben worden. Erst bei 187 Ja-Stimmen wäre Feyen am Ziel gewesen. Eine hohe Hürde, das war dem 60-Jährigen klar. Aber er hat’s noch mal wissen wollen. Nicht, um den lieben Gott aus der Schule zu verbannen, zumal Schule und Kirche hier traditionell eng verbandelt sind, sondern um der veränderten Schulwelt Rechnung zu tragen, um Toleranz und Offenheit zu zeigen. Soll heißen: Die 280 Kinder stammen aus 21 Nationen, 157 sind katholisch, knapp 50 evangelisch, und 65 gehören anderen oder keiner Religionsgemeinschaft an.

Geringe Wahlbeteiligung

Feyen hat einen Denkanstoß geben wollen, doch die Eltern ticken anders. Er ist wie viele Beobachter des aufwändigen Verfahrens überrascht, dass nur 47 Ja-Stimmen gezählt wurden. Weil ganz zu Anfang spontan 80 Eltern Feyen den Rücken stärkten. Dann waren es 63, zuletzt reichten 60 vorliegende Anträge, um die Abstimmung zu initiieren.

„Das Ganze ist für mich nun abgeschlossen“, zieht Feyen zähneknirschend einen Schlussstrich. Enttäuscht sei er nicht, sagt er tapfer: „Die Eltern haben eine echte demokratische Chance gehabt, nach über 20 Jahren wieder eine Standortbestimmung vorzunehmen.“ Sie ist anders ausgefallen als von Feyen erhofft. Aber: „Da müssen jetzt alle mit leben.“

Die Probleme hat vor allem Feyen am Hals und sind mit diesem Votum nicht gelöst. Das Improvisationstheater an seiner Schule dürfte um einige Kapitel angereichert werden. Zum 1. Februar bekommt er endlich eine Musiklehrern, aber nur für ein halbes Jahr – zur Aushilfe. Die Festanstellung scheitert daran, weil die Pädagogin nicht katholisch ist, sondern evangelisch. „Zum 1. August werden die Karten dann wieder neu gemischt — mal sehen“, blickt Feyen voraus. Die Zukunft beschäftigt ihn auch in anderer Hinsicht Die Schullandschaft dürfte 2012 in Bewegung geraten. Kleinere Grundschulen sollen auf Kosten der größeren gestärkt werden. Könnte bedeuten: die Liebfrauenschule, die sich bei Eltern großer Beliebtheit erfreut, muss wohl abspecken, wird nur noch zwei- statt dreizügig. Aber nach welchen Kriterien die Politik hier aussortieren will, ist auch Feyen noch ein großes Rätsel.

 
 

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