Zur Nachahmung empfohlen

Anette Dierks (Katjes) erteilt drei Flüchtlingen aus Bangladesch Deutschunterricht. Diesmal geht’s um Lebensmittel.
Anette Dierks (Katjes) erteilt drei Flüchtlingen aus Bangladesch Deutschunterricht. Diesmal geht’s um Lebensmittel.
Foto: FUNKE Foto Services
Die Emmericher Firmen Probat, Kao, Giessdraht, Convent und Katjes wollen mit ihrem Netzwerk „Gemeinsame Integration“ ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden. Sie bieten Flüchtlingen Praktika und Deutschkurse an. Initiative dürfte Schule machen. Lob von der IHK Duisburg.

Emmerich..  Wim Abbing von Probat hatte die Idee, und damit begeisterte er vier weitere Firmenchefs. Nach gründlicher Vorbereitung ist das Projekt „Gemeinsame Integration“ angerollt. Seit einigen Wochen bieten Convent, Deutsche Giessdraht, Kao, Katjes und Probat Asylsuchenden Praktika und Deutschkurse an. Die Wirtschaft will so einen konstruktiven Integrationsbeitrag leisten.

Mit 20 Teilnehmern in den Deutschkursen und zehn Praktikumsplätzen fing das Netzwerk bewusst bescheiden an. Die Firmen wollten erst einmal sehen, wie alles so anläuft. „Bei uns hat das wunderbar geklappt“, berichtet Abbing.

Perspektive auf dem Arbeitsmarkt

„Das ist aus unserer Sicht ein Vorzeigeprojekt“, lobt IHK-Chef Dr. Stefan Dietzfelbinger die am Niederrhein bislang einmalige Initiative bei der Präsentation bei Probat.

Bürgermeister Peter Hinze sieht den Wirtschaftsstandort Emmerich gestärkt: „Es ist ein besonderer Gewinn, dass Stadt und Wirtschaft miteinander funktionieren.“ Der Fachbereich 7 hatte gute Vorarbeiten geleistet. Schließlich hat er täglich mit Flüchtlingen zu tun und weiß, wer sich für welches Praktikum eignet und für Deutschkurse in Frage kommt. Den Unterricht geben Firmenmitarbeiter.

Anette Dierks unterrichtet die Praktikanten bei Katjes. Gestern ging es um Lebensmittel. Drei junge Männer aus Bangladesch sitzen vor der Tafel. Frage: „Welche Getränke müssen Sie kaufen?“ Ahmed listet auf, mit den korrekten Fällen: „Die Cola, das Bier, die Milch, den Wein.“ Darauf Prince: „Jetzt ist der Kühlschrank voll.“ Das mit der Sprache geht also schon recht flüssig.

Mit im Boot sitzt auch die Agentur für Arbeit. Deren Leiterin Barbara Ossyra weist darauf hin, dass sich den Asylsuchenden später mehrere Fördermöglichkeiten böten, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, z.B. Einstiegsqualifizierungen über Langzeitpraktika: „Ich bin sehr dankbar für diese Initiative.“

Ahamad Kalajo (26) absolviert sein Praktikum bei der Giessdraht. „Ich spreche ein bisschen Deutsch“, sagt der Syrer und strahlt. Hermann Terhorst gesteht, dass er überrascht gewesen sei, wie „pünktlich, fleißig und lernwillig“ die Flüchtlinge seien. Terhorst: „Wir wussten ja auch nicht, was auf uns zukommt.“ Wichtig sei, die Asylbewerber aus ihrem Umfeld herauszuholen und sie in die Gesellschaft zu integrieren: „Und das geht nur über die Sprache.“ Es ist Integration für beide Seiten. Die Mitarbeiter bauen Vorurteile ab, sehen Flüchtlinge mit anderen Augen.

Probat-Lehrling André Hülsken stand gestern mit Ahamad Rücken an Rücken an der Werkbank. Der 19-Jährige findet: „Das ist eine gute Sache, dass sie sehen, wie das in deutschen Firmen abgeht.“

„Wir wollen nicht, dass es eine einmalige Aktion bleibt und nach drei Monaten Schluss ist. Wir brauchen einen langen Atem“, blickt Herbert Tripp (Kao) nach vorn, und Dr. Stefan Schneider (Giessdraht) überlegt, wie’s weitergehen könnte. Vielleicht sogar mit vier weiteren Firmen, die schon angeklopft haben.

 
 

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