Züge: Lärmkarte hört in Wesel auf

Foto: NRZ

Emmerich. Die EU hat sich eine Richtlinie überlegt, mit der sie dem Lärm an den Kragen will. Kleiner Webfehler der Richtlinie 2002/49/EG: Der Bürger hat gar keine Möglichkeit, sein Recht auf körperliche Unversehrtheit einzuklagen.

Die Richtlinie sei nur als Aufforderung an die Städte zu verstehen, bei Planaufstellungen die Lärmproblematik im Auge zu behalten, erklärte Gregor Schmitz-Herkenrath von der Accon GmbH Köln im Ausschuss für Stadtentwicklung den verdutzten Kommunalpolitikern.

In der ersten Stufe wurden Güterzüge (Betuwe-Route) gar nicht behandelt. Denn laut Bahn-Auskunft rollen auf dem Abschnitt zwischen Grenze und Wesel weniger als 60 000 Züge im Jahr - zu wenig, um jetzt schon Lärmkarten und Lärmaktionspläne zu erstellen. „Da ist nichts mehr“, interpretierte Schmitz-Herkenrath die Bahn-Lesart. In Wesel hört die Lärmkarte auf. Kein Wunder, dass einige Politiker ungläubig ins Murmeln gerieten und die Zahl anzweifelten.

Der Gutachter, der die Stadt Emmerich auch im Betuwe-Planfeststellungsverfahren in punkto Lärm und Erschütterungen berät, bat im Ausschuss um Verständnis: „Ich muss mich auf die Zahlen des Eisenbahn-Bundesamtes und des Landesumweltamtes verlassen können.“

Autobahn
und die B 220

Erst später, in einer zweiten Stufe, die bis zum 16. Juli 2013 befristet ist, sollen auch Bahnstrecken mit mehr als 30 000 Zügen pro Jahr zum Gegenstand von Lärmminderungsplänen gemacht werden, und damit würden dann auch die Auswirkungen der Betuwe-Linie näher untersucht werden.

„Accon“ hat in einer ersten Stufe nur die von über sechs Millionen Fahrzeuge im Jahr frequentierte A 3 und die B 220 unter die Lupe genommen und überprüft, wie viele Menschen von diesen Lärmquellen betroffen sind und wie die Geräuschkulisse reduziert werden kann.

Betroffen sind vor allem die Bewohner der Zeisigweg-Siedlung, die Anwohner an der B 220/Einmündung ‘s-Heerenberger Straße und der Bereich ohne Lärmschutz zwischen Nollenburger und Borgheeser Weg.

Das Ergebnis: 16 Menschen sind tagsüber sehr hohen und 60 hohen Belastungen ausgesetzt; zu den Nachtstunden sind es 29 bzw. 73. Ferner sind 107 Menschen ganztägig und 524 nächtens Belästigungen ausgesetzt.

Die Emmericher Stadtverwaltung stuft diese Belastungen als „relativ moderat“ ein. Aber wenn an den Schienenverkehrslärm der engere Maßstab der 2. Stufe angelegt wird, müsse von deutlich höheren Belastungen ausgegangen werden.

Der Gutachter empfiehlt, auf der B 220 die Höchstgeschwindigkeit auf 50 km/h, den Einbau eines lärmmindernden Fahrbahnbelages und passive Lärmschutzmaßnahmen wie Schallschutzfenster und schallgedämmte Lüftungseinrichtungen.

 
 

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