Zähne zeugen von Zeitgeschichte

Die Briefmarke – das Objekt der Begierde der Philatelisten.  Foto: Birgit Schweizer
Die Briefmarke – das Objekt der Begierde der Philatelisten. Foto: Birgit Schweizer
Foto: WAZ

Emmerich. Briefmarkenfreunde Embrica stören sich nicht an elektronischer Post. Marken gebe es ohnehin in Hülle und Fülle.

Man könnte meinen, sie wären sauer. Sind sie aber nicht. Obwohl die Deutsche Post auf ihrer Internet-Seite mit den Worten „Endlich weniger Papier, Umschläge und Briefmarken“ für den neuen elektronischen Brief – den „E-Post-Brief“ – wirbt, sehen Emmerichs Philatelisten ihr Hobby nicht in Gefahr.

Facetten-Fülle im
Briefmarkenfundus

Denn Briefmarkensammeln sei weitaus mehr als das bloße Ansammeln verschiedenster Exemplare, erklärt Karl-Heinz Büdding. Der facettenreiche Briefmarkenfundus sei nämlich unermesslich groß: „viel zu viele Marken, die man überhaupt nicht alle sammeln kann“, weiß der zweite Vorsitzende der Briefmarkenfreunde Embrica. Da muss man sich beim Sammeln auf ein bestimmtes Thema beschränken, „sonst geht’s nicht.“

Die Post könne ab sofort auch gar keine Briefmarken mehr drucken, den Briefmarkenfreund würd’s nicht jucken. Der Emmericher hat das Phänomen der Facetten-Fülle selbst erlebt: Der theater- und musikbegeisterte Beamte hatte ursprünglich vor, sich mit dem Thema Musik auseinanderzusetzen. „Ein unmögliches Unterfangen, viel zu viel Material.“ Da spezialisierte er sich unter anderem auf Richard Wagner. Er sammelte Marken aus aller Herren Länder, wälzte Biographien, las Fachbücher, wurde quasi zum Wagner-Experten.

So wie Karl-Heinz Büdding täten es die meisten Briefmarkensammler, erklärt auch der erste Embrica-Vorsitzende Herbert Kappelhoff. Er selbst beschäftige sich etwa mit der Figur der Germania, die vor allem in den Jahren von 1900 bis 1923 abgebildet worden sei, erklärt der Emmericher.

An die Objekte ihrer Sammel-Begierde kommen die Philatelisten vor allem mit viel Glück. Sie stöbern bei Händlern, besuchen Auktionen und hoffen auf den Spürsinn bekannter Sammler aus anderen Vereinen. „Vernetzung ist wichtig“, sagt Herbert Kappelhoff.

Ein Vermögen für Post-Stempel

Seine erste Briefmarke bekam Karl-Heinz Büdding übrigens in der Apotheke. Als kleiner Steppke war er mit der Oma dort, als er auf dem Tresen ein Schälchen mit abgestempelten Marken entdeckte. Die Faszination ginge dabei nicht nur von der Marke selbst aus, sondern von der Geschichte, die dieses kleine Stück Papier bereits durchlaufen hat. Es gäbe da etwa besondere historische Stempel, die den Brief als so genannte Seuchenpost deklarierte oder solche, die die Zensur in Kriegszeiten belegten, schwärmt der Sammler.

Und wer weiß? Vielleicht gibt es in ein paar hundert Jahren Philatelisten, die ein Vermögen für die Stempel und Belege der neuen E-Post-Briefe zahlen.

 
 

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