„Wir haben ausreichend Kapital“

Norbert Kohnen
Dritter Mann an Bord: Der Kreis Kleve steigt bei der Stadtsparkasse Emmerich-Rees ins Boot und bringt 10 Millionen Euro mit. Fotos: Johannes Kruck
Dritter Mann an Bord: Der Kreis Kleve steigt bei der Stadtsparkasse Emmerich-Rees ins Boot und bringt 10 Millionen Euro mit. Fotos: Johannes Kruck
Foto: WAZ FotoPool
Am 22. März dürfte der Kreistag den Einstieg bei der Stadtsparkasse Emmerich-Rees beschließen. Wir führten ein Interview mit Horst Balkmann.

Emmerich/Rees. Die Stadtsparkasse ist, ausgerechnet zum 170-jährigen Jubiläum, in den Schlagzeilen. Wegen finanzieller Schieflage? Das wird an der Agnetenstraße heftig dementiert. Auch von der Kreis-CDU. Fakt ist: Der Kreis Kleve greift mit 10 Millionen Euro tief in seine Rücklage, damit das rechtsrheinische Kreditinstitut auch künftig seine Rolle als Motor der heimischen Wirtschaft spielen kann. So ganz ohne jeden Eigennutz? Wohl kaum. Der Preis für die bisherigen Eigentümer ist, dass sie ihre Beteiligungen reduzieren müssen. Der Kreis sitzt bei der Sparkasse mit 20 Prozent mit im Boot, die Stadt Emmerich ist nur noch mit 58 statt 70 und die Stadt Rees mit 22 statt 28 % beteiligt.

SPD ist gespalten

Fast alle Gremien haben der Beteiligung inzwischen zugestimmt. Der Kreisausschuss am 8. März mit den Stimmen von CDU und Grünen, während sich die FDP enthielt und die SPD dagegen stimmte. Am Rande notiert: In den Stadträten von Emmerich und Rees hatten die „Genossen“ den Deal noch abgenickt. „Das ist Politik“, so ein Insider aus Kleve. Der Kreistag wird am 22. März zustimmen. Die NRZ sprach mit Horst Balkmann (61), Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Emmerich-Rees, über das Beteiligungsgeschäft.

Der Kreis steigt mit 10 Millionen Euro bei der Stadtsparkasse ein. Ist die in so schwerer See, dass sie einen Retter benötigt?

Balkmann: Sie ist weder in schwerer See, noch braucht sie einen Retter. Es gibt keine Not. Aber der Kreis ist so freundlich, in die Stadtsparkasse zu investieren und unsere Eigenkapitalbasis zu stärken, damit wir für die Zukunft gerüstet sind. Wir hatten Ende 2011 ein Kernkapital von 40,4 Millionen Euro. Insgesamt belaufen sich die haftenden Eigenmittel, in denen das Kernkapital mit drin ist, auf 67 Millionen Euro. Deshalb die ganz klare Aussage: Wir haben ausreichend Kapital.

Sie haben gesagt, die Beteiligung habe nichts mit Basel III zu tun. In der Vorlage des Kreisausschusses steht das Gegenteil. Was denn nun, Herr Balkmann?

Der Kreis Kleve ist daran interessiert, in die Sparkasse zu investieren. Damit dokumentiert er, dass er an die positive Entwicklung glaubt und dass wir langfristig Investitionsprojekte bewältigen können. Wir haben ein Kreditvolumen von 600 Millionen Euro. Wir waren immer aktivlastig und sind deshalb daran interessiert, weiter ein aktives Kreditgeschäft zu machen. Mit den 10 Millionen Euro Eigenmitteln habe ich dann ein Kernkapital von 51 Millionen Euro. Damit kann ich viel mehr Kreditgeschäfte machen. Unser Kernkapital ist in den letzten zehn Jahren von 32 auf 41 Millionen Euro gestiegen. Die Eigenmittel generiert die Sparkasse nur aus sich heraus. Wir können keine jungen Aktien herausgeben. Wir müssen das Eigenkapital über Gewinne erzielen. Wenn ich die Chance habe, von drei Eigentümern Geld zu bekommen ist das schon o.k. für uns.

Sie würden also auch ohne frisches Geld und Kreisbeteiligung Basel III erfüllen? Basel III schreibt meines Wissens eine harte Kernkapitalquote von 8 Prozent vor, um die Ausfallrisiken abzufedern.

Eindeutig ja! Unsere Mindestausstattung ohne die 10 Millionen Euro liegt über 8 Prozent, ich bin 2011 bei 12,58 % und 2012 bei geschätzten 12,2 %. Meine Aussage, wir erfüllten heute schon Basel III auch ohne den Kreis, steht. Aber ich kann mit den 10 Millionen einfach mehr machen.

Wann kommt - salopp formuliert - die „Kohle“ denn nun?

Nicht vor Mitte des Jahres. Ob die 10 Millionen überhaupt kommen, steht ja noch gar nicht fest. Das müssen noch die oberste Sparkassenbehörden und der Kreistag genehmigen.

Und wenn sie nicht kämen?

Dann gehen hier nicht die Lichter aus. Ich brauche die 10 Millionen, um beweglicher zu sein.

Verlieren die beiden Gewährsträgerkommunen Emmerich und Rees an Einfluss über die Sparkasse? Kann der Kreis bei jeder Entscheidung reinreden? Schließlich ist die Beteiligungsspanne zwischen der Stadt Rees (22 %) und dem Kreis Kleve (20 %) arg knapp.

Der Kreis Kleve soll Juniorpartner bleiben. Darüber herrscht Einigkeit unter allen Beteiligten.

Welche personellen Auswirkungen hat der Einstieg des Kreises bei der Sparkasse auf die Zweckverbandsgremien?

Wenn es zur Kreisbeteiligung kommt, ist der Juniorpartner ab 2014 bei der Neubesetzung der Gremien - Verwaltungsrat und Zweckverbandsversammlung - adäquat zu berücksichtigen.

Der Kreis Kleve sieht sein Engagement, das er bei entsprechenden Anfragen anderer Sparkassen im Kreis je nach Kassenlage auch ausweiten könnte, auch als Beitrag zur Stärkung des Kreisbewusstseins. Steht am Ende doch die große Kreissparkasse?

2002 ist die große Sparkassen-Fusion im Kreis Kleve gescheitert. Dass jetzt die Diskussion wieder losgeht, ist nicht ungewöhnlich. Der Kreis Kleve ist meiner Meinung nach mit vier selbstständigen Sparkassen gut vertreten. Das ist gut für die Region. Aber was gewollt ist, müssen die Eigentümer entscheiden. Wir wollen jetzt keine Fusion. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind weder der Kreis noch die einzelnen Sparkassen und Kommunen an einer großen Fusion interessiert. Sparkassen sollten aber schon im Kreis bleiben.

Haben Sie Landrat Wolfgang Spreen schon ein rotes Sparschwein geschenkt als kleines Dankeschön dafür, dass er Ihnen aus der Klemme geholfen hat?

Er hat mir nicht aus der Klemme geholfen. Außerdem habe ich noch gar kein Geld und deshalb auch keine Geschenke zu machen. Aber daran wird es nicht scheitern.