Wie man in Millingen den Schwarzhandel bekämpfte

Mit dem Fernglas säht Husar Franz Asmann die Schmggler aus.
Mit dem Fernglas säht Husar Franz Asmann die Schmggler aus.
Foto: NRZ Emmerich
Während des ersten Weltkrieges boomt der Schwarzhandel. Er sollte durch Soldaten unterbunden werden. Davon erzählt bildlich ein Postkarte, die einen Husaren am Gewässer zeigt. Norbert Behrned hat recherchiert.

Millingen.  Norbert Behrendt hat das Wolgalied ein bisschen umgemünzt. Und zudem in eine Frage verwandelt. „Es steht ein Soldat am Millinger Strand – „hält Wache für sein Vaterland?“ Eine Frage die den Millingener umgetrieben hat, nachdem ihm eine Postkarte in die Hände fiel. Eine Postkarte, auf der der Husar Franz Amann abgebildet ist. Der Soldat steht mit Fernglas an der Südseite des Strandes vom Millinger Meer, im Hintergrund erkennt man in der verschneiten Landschaft die Pfarrkirche St. Quirinus.

Diese Karte, Weihnachten 1917 verschickt, hatte zunächst einmal Pater Thomas van Zanten gehört, der alte Postkarten und Fotografien aus seiner Heimat Millingen aan de Rijn sammelt. Als der Halderner Geistliche aber bemerkte, dass es sich bei der abgebildeten Kirche nicht um die seiner alten Heimat handelt, gab er das Dokument weiter, das am Ende bei Behrendt landete. Was den Heimatforscher recherchieren ließ...

Zähe, blutige Kämpfe

Die Geschichte, die sich hinter der Karte verbirgt, beleuchtet ein Stück verheerender Kriegsgeschichte. Es ist 1917. Europa befindet sich im vierten Kriegsjahr des ersten Weltkrieges. Zähe, blutige, mit Giftgas geführte Kämpfe fordern an der Front viele Soldatenleben, in der Heimat tobt der Hunger. In Scharen strömen die Menschen aus dem Ruhrgebiet an die holländische Grenze, um Lebensmittel – teils zu weit überhöhten Preisen – zu kaufen oder zu tauschen. Zum Teil ge-gen schwarz gebrannten Schnaps.

Letzteres kommt bei den Frauen im Nachbarland gar nicht gut an, wie man der Chronik des Ortes Megchelen entnehmen kann. Die Frauen sehen sich und ihre Familien vernachlässigt, so Behrendt, beklagen sich über die Schnapsexzesse ihrer Männer, die die Tage „mit Trinkgelagen vergeuden“.

„Die meisten Städter sind wahrscheinlich am Bahnhof Empel ausgestiegen und dann über Schleichwege entweder über die Schaffeld oder über Androp und Hueth gelaufen“, vermutet der Millingener. Um diesem illegalen Geschäften ein Ende zu setzen wird am 13. September 1917 von deutscher Seite ein drei Kilometer breiter Streifen entlang der niederländischen Grenze zum Sperrgebiet erklärt., das nur noch mit einer Sondergenehmigung betreten werden durfte.

Zwecks Überwachung dieser Anordnung wurden in Millingen Militärposten stationiert. Überwiegend waren das wohl ca. 50 Rekruten, die zuerst im Saal Strutmann (Kiefmann), später im Saal Hartmann (Hauptstraße) untergebracht waren. (Der Saal Kiefmann ist im Zweiten Weltkrieg durch eine Bombe zerstört worden.) Auch Franz Aman von Husaren-Regiment 8 muss dafür abkommandiert gewesen sein. Er war am Ausguckposten Millinger Meer stationiert. Seine Aufgabe war es, die Schmugglern zwischen dem Bahnhof Empel, Androp, Hueth und Holland das Handwerk zu legen.

Woher Franz Amann stammt, weiß Behrendt nicht. Im Telefonbuch hat er den Namen in Aspel entdeckt, die Spur aber nicht weiter verfolgt. Ungeklärt ist auch das Schicksal von Franz Amann. Die Nachfrage von Behrendt bei der Kriegsgräberfürsorge brachte kein Ergebnis. „Möglicherweise hat er den Krieg überlebt“, so Behrendt.

Übrigens: Inzwischen hat Behrendt ein weiteres Dokument erhalten, das mit dem Steckrübenwinter in Verbindung steht. Ihm wurde ein Erlaubnisschein zum Passieren der Grenze in Millingen, datiert 1917, übergeben. Es ist auf den Namen Johann Willing ausgestellt. Dem Bauer gehörten offenbar Felder diesseits und jenseits der Grenze. Erhalten hat Norbert Behrendt das von Willings Enkelin Renate Ehringfeld.

 
 

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