Wer nicht kämpft, hat schon verloren

Visonalisierung der zukünftigen Fußgängerunterführung mit Treppenniedergang (links) und Rampe zur Unterführung und zum Bahnsteig.
Visonalisierung der zukünftigen Fußgängerunterführung mit Treppenniedergang (links) und Rampe zur Unterführung und zum Bahnsteig.
Foto: NRZ
Jeder einzelne Millinger kann seine Einwendungen gegen die Planung der Bahn-Unterführung für Fußgänger und Radfahrer einreichen. Noch ist nichts entschieden, wenn man nur entschieden genug dagegen angeht, fordert beispielsweise der ehemalige Stadtdirektor Gerd Klinkhammer die Bevölkerung auf zu rebellieren.

Millingen..  „Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Und verloren sind wir noch lange nicht, denn gegen die Planung der Bahn kann man angehen!“, so lautete der Tenor der Informationsveranstaltung aller Millinger Vereine, um das Dorf kollektiv für den Einspruch jedes einzelnen zu mobilisieren. Und es ging darum, der Bevölkerung klarzumachen, dass es nicht eine Unterführung geben wird, durch die man von Anfang bis Ende durchschauen und gerade durchfahren kann, sondern eine Mausefalle.

Angstraum ohne Tageslicht

Dazu hatte Bernhard Hözel, Diplom-Ingenieur und Diakon an St. Quirinus, eine eindrucksvolle Visualisierung der geplanten Bahnanlage an der Haupt-, bzw. Anholter Straße vorgestellt. Und tatsächlich, wer die Treppen hinunter in die Unterführung steigt, der ist von hohen Betonwänden umgeben. Er steigt in einen Schacht ohne Tageslicht und gelangt in einen Tunnel, der nicht nur bei Dunkelheit, sondern auch am Tag einen Angstraum darstellt. Wer mit dem Rad, Rollstuhl oder Rollator die Unterführung passieren möchte, der muss etwa 70 bis 80 Meter die Rampe zum Bahnsteig herauf- und von dort aus wieder hinunter in die Unterführung laufen. Auch die Rampe liegt in einem Trog, auf Bahnhofhöhe dann umgeben von Schallschutzmauern - ohne Sichtkontrolle. „Es verursacht ein beklemmendes Gefühl“, vermittelte Bernhard Hözel eindringlich, und ergänzte sarkastisch: Da bekommt der Psalm ‘Aus der Tiefe, Herr, ruf’ ich zu dir’ eine ganz neue Bedeutung.“ Nur 2,4 Meter breit sei die Rampe für Rad- oder Rollstuhlfahrer. „Was passiert, wenn hier die Radfahrer, etwa die Kinder, die hier jeden Morgen zur Schule müssen, nicht absteigen und schieben?“, fragte Hözel rhetorisch. Denn insbesondere Kinder und Jugendliche müssen ihn am Morgen passieren.

1000 Einwohner in Millingen-Ost sind durch dieses Bauwerk abgeschnitten. Sämtliche Traditionen wie Prozession, Beerdigungen, Schützenzüge blieben im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke. Und so war das Hornecker-Zitat, das ein Millinger vortrug, durchaus angemessen: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.“ Die Mauer kommt definitiv und wir den Ort zerschneiden. Auch jeder, der nicht unmittelbar an der Strecke wohnt, kann gegen die Zerschneidung Einwendung vorbringen. Und die können für jedes Familienmitglied abgegeben werden, erläuterte Heimatvereinsvorsitzende Monika Michelbrink-Roth. Aber auch, so mahnte der ehemalige Stadtdirektor Gerd Klinkhammer, müsste die Stadt Rees die Planungs-Abwägungsmängel massiv vortragen und ankündigen, notfalls vor Gericht gehen. „Die Bahn muss spüren, dass sie Druck bekommt!“ Daher müssen, wenn am 25. Oktober Ronald Pofalla und und Barbara Hendricks nach Millingen kommen, 3000 Bürger am Übergang demonstrieren. Einwendungen liegen an den Infoabenden vorformuliert bereit. „Es reicht nur eine einfache Begründung“, weiß Jurist Klinkhammer.Und dabei wird den Bürgern ausgiebig geholfen. „Wichtig ist“, so Ortsvorsteher Günter Boland, „dass die Millinger die Einwendungsfrist bis zum 20. November nutzen, das ist der letzte Abgabetag bei der Stadt Rees oder der Bezirksregierung in Düsseldorf.“

Der Heimatverein Milliingen/Empel bietet einen besonderen Service an: Am Samstag, 26. Oktober, erhalten Interessierte in der Gaststätte Meyboom und am Samstag, 9. November, im Heimathaus Millingen jeweils von 10 bis 12 Uhr Unterstützung bei der Niederschrift oder beim Ausfüllen des Einwendungsschreibens. „Wir können keine Rechtsberatung geben, wohl aber praktische Unterstützung“, verspricht Monika Michelbrink-Roth.

Einwendungen können formuliert und abgegeben werden:

Bei Heimspielen im Vereinsheim Fortuna Millingen am 9. und 10. November; im Rahmen der Pfarreiratswahl am 9./10. November im Pfarrheim, Kirchstraße; nach der Veranstaltung am Volkstrauertag, Sonntag, 17. November, im Haus des Heimatvereins; am 26. Oktober in der Gaststätte Meyboom in Empel und am 9. November im Heimathaus Millingen von 10 bis 12 Uhr.

 
 

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