Wenn die Rheinbrücke in einem neuen Licht erstrahlt

Und plötzlich erstrahlt die Rheinbrücke in einem ganz neuen Licht.
Und plötzlich erstrahlt die Rheinbrücke in einem ganz neuen Licht.
Foto: NRZ
Der in Emmerich wohnende Niederländer Maarten Takens sowie die Reeserinnen Annika Möllenbeck und Ina Labbé befassen sich mit der bunten Vielfalt der Lightart-Fotografie..

Emmerich/Rees..  Schon mal einem unbekannten Flugobjekt in Lila, Rot und Grün beim Anflug auf den Nonnenplatz zugesehen? Oder dem grünen Marsmännchen Allfred bei Abenteuern im Emmericher Erdreich? Gibt’s nicht? Alles Computerquatsch? Mitnichten! Der gebürtige Niederländer Maarten Takens sowie die Reeserinnen Annika Möllenbeck und Ina Labbé zaubern unter „Noctis Lux“ (im Internet: www.bildschönebilder.de) wunderbar bunte Fotos, die die Stadt plötzlich in einem ganz anderen Licht erstrahlen lassen.

Die Bilder-Architektur mit drei oder vier Minuten langen Belichtungszeiten an der Kamera und kuriosen Hilfsmitteln nennt sich Lightart Photography. Erfreut sich einer breiten Internetgemeinde. Und verschafft Profis sogar ein Einkommen, das zum Leben reicht.

Bei Internet-Administrator Maarten Takens und seinen Mitstreiterinnen ist das (noch) nicht der Fall. Das Trio ist locker zehn Stunden die Woche unterwegs. Um Foto-Ideen umzusetzen. Aber auch, um neue, spannende Orte für Bilder zu finden. „Fernsehen gucke ich kaum noch“, gibt Takens zu. Der 39-Jährige aus Haarlem wohnt in Emmerich, arbeitet aber für eine niederländische Firma.

Nach einem Volkshochschulkurs im Jahr 2009 in Kleve war Takens vom Lightart-Foto-Virus befallen. Erst ging es mit Taschenlampen und Wunderkerzen los. Mittlerweile haben Gerätschaften dem heimischen Wohnzimmer eine eigene Note verpasst. Ausrangierte Speichen von Fahrrädern treffen sich mit Wasserpistolen, Laserschwertern oder Geodreiecken.

„Für die Fotos dazu braucht man schöne dunkle Räume“, hebt Takens hervor. Brückenunterführungen etwa. Bei einem Freund in Heilbronn hat er einen stillgelegten Eisenbahntunnel genutzt. Ein altes Labor gegenüber der Emmericher Firma Probat hat schon für Fotos hergehalten. Ein dunkler Wald sorgt für Atmosphäre auf Lightart-Bildern. Nonnenplatz und Rheinbrücke sind Kulissen für Ufos.

Doch wie kommt die fliegende Untertasse ohne Computertricks vor Emmerichs Golden Gate? „Lightart und Photoshop sind wie Feuer und Wasser“, sagt Takens. Der arbeitet mit Langzeitbelichtungen. Eine bewegliche Lichtquelle, ob geschwungen oder gedreht, zieht so einen schönen Schweif hinter sich her. Ist das so erzeugte Ufo über eine Mehrminutenbelichtung per Selbstauslöser im „Kamera-Kasten“, dann „setze ich eine Klappe drauf. Das Bild bleibt so auf der Kamera präsent. Dann geht es schnell zum Ort wie an die Rheinbrücke. Hier erfasst die Kamera, wenn ich den Deckel abziehe, den Hintergrund zum Ufo dazu“, erklärt Takens seine Bilder.

Sein Anspruch steigt, klar. 2015 ist (auch) das Jahr des Lichts. Maarten Takens will deshalb versuchen, international auszustellen. Beim Welttreffen der „Light Paint World Alliance“ im Januar in Paris war er dabei. Die Bilder von „Noctis Lux“ (Latein: „nächtliches Licht“) wurden aber nicht genommen.

„Trotzdem war ich vor Ort und habe einige Kontakte geknüpft“, sagt Takens. Die nächste Chance tut sich im Juli im spanischen Oviedo auf. Im Internet gibt es stattliche Aufmerksamkeit. Auf dem Bilder-Dienst Flickr gucken schon mal 5000 Interessenten am Tag auf die Fotos. Und auch Annika Möllenbecks fotografisches Reiseprojekt von Alien Allfred, der im Dunkeln schon einem Wal im Rhein begegnet ist, ist beliebt.

Übrigens:

Lust auf Lightpainting-Fotos bekommen? In der weiten Welt des Datennetzes gibt es viele bunte, effektvolle Bilder zu besichtigen. Maarten Takens, Annika Möllenbeck und Ina Labbé sind mit ihren Werken auf www.bildschönebilder.de zu finden. Die Gruppe ist auch auf Facebook und dem Bilder-Anbieter Flickr aktiv.

Fotoprofi JanLeonardo Wöllert, der sich seit 2005 auf Langzeitbelichtungen in der Nacht spezialisiert hat, verdient damit so viel Geld, dass er von Aufträgen leben kann. Der gebürtige Cuxhavener hat zuletzt im New Town Plaza in Hongkong ausgestellt, dazu an einigen TV-Produktionen mitgewirkt. Unter anderem für CCTV in China. Auch war Wöllert an der Entwicklung von Fußballtrikots für die WM 2010 in Südafrika beteiligt.

 

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