Wartezeit: Blockverdichtung ist es

Geduldsprobe für Autofahrer: Die Betuwe-Strecke stellt den Verkehr oft auf Rot.
Geduldsprobe für Autofahrer: Die Betuwe-Strecke stellt den Verkehr oft auf Rot.
Foto: NRZ
Wie lange bleiben die Schranken unten? Und warum? Hier die Ergebnisse der DB.

Emmerich. Dirk Pohlmann redet gar nicht erst um den heißen Brei herum: „Wir gehen ganz offen damit um.“ Der Bahn-Sprecher weiß, dass das Thema nur „Unruhe und keine Freude in Emmerich auslöst“. Es geht um die Schließzeiten an Bahnübergängen, über die sich Bürger immer wieder beklagen. Die Bahn hatte einige ihrer Experten rausgeschickt, um nachzuschauen, was da in Emmerich los ist. Sie nahmen sich die Bahnübergänge Löwentor, Raiffeisenstraße, Sulenstraße und Grüne Straße vor. Die Ergebnisse teilte Pohlmann gestern der NRZ mit.
1. „Schließzeiten von 30 Minuten und mehr können wir nicht bestätigen, in Einzelfällen aber über 15 Minuten, vor allem in der Mittagszeit, wenn der Güterverkehr richtig anrollt.“
2. Ursache sind weder Fehlbedienungen (bis auf Einzelfall) noch Störungen im neuen Elektronischen Stellwerk (abgesehen von den Anlaufschwierigkeiten im Mai): „Das arbeitet einwandfrei.“ Ursache ist die dichtere Zugfolge (Blockverdichtung): „Die Bahnübergänge müssen für mehrere Züge geschlossen bleiben.“

Sicherheitstechnik

3. Früher gab es Halbschranken und den Wärter, der die Schranken manuell betätigte. Da wurden die Schranken schon mal schnell rauf- und runtergekurbelt. Jetzt ist die Bedienung der Bahnübergänge signalabhängig. Der Fahrdienstleiter lässt einen Zug nur durchfahren, wenn sich weder ein Auto noch eine Person zwischen den Vollschranken aufhalten: Diese Fläche wird – auch am Löwentor – von einer pilzartigen, weißen Radaranlage ausgespäht, der Gefahrraum-Freimeldeanlage (GFR). Auch diese verschärften Sicherheitsvorschriften tragen dazu bei, dass alles einen Tick länger dauert.
4. Insofern sei, so das wenig hoffnungsvoll stimmende Fazit von Pohlmann, „von einer dauerhaften Verkürzung der Schließzeiten nicht auszugehen“.
5. Die Bahn will aber prüfen, ob sie betriebliche Abläufe umstellen kann, um den Straßenverkehrsteilnehmern entgegen zu kommen. Freilich: Vorrang hat nun mal die Bahn vor den Pkw.
6. Dagegen verspricht sich die DB keine nennenswerten positiven Effekte von der Inbetriebnahme der 2. Stufe des Elektronischen Stellwerks im November in Emmerich: „Das bringt nicht viel.“

 
 

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