Vollblutmusiker mit eigener Seelensprache

Reeserward.  Es ist schon über ein Jahr her, dass auf der kl(f)einen Bühne im Antiquariat von Gerfried Schell vier junge Musiker zu Gast waren, und mit einer einzigartigen experimentellen Musik das Publikum in ihren Bann zog. Es war damals ein gelungenes Experiment. Sylvia Kirchherr und ihre Mitstreiter von Wildfang waren dieses Mal zwar nur zu dritt vor Ort, ein eindrucksvoller und eben auch ein spezieller Abend wurde es auch diesmal.

Schon im Januar 2015 erzählte Kirchherr von ihrer ganz eigenen Art zu Singen. Sie verbindet verschiedene Elemente des Jodeln, des Spanischen und, wie sie es damals nannte, ihrer ganz eigenen „Seelensprache“. Und es ist genau jener Aspekt, der ein Konzert dieser Vollblutmusiker zu etwas Besonderem werden lässt. Scheinbar spielerisch, einfach aus dem Herzen heraus, spielen Kirchherr, Jaron Tripp und Samantha Archer zusammen – fließen zu einem großen, einfühlsamen Kunstwerk zusammen. Es ist etwas anderes, als man es sonst kennt. Und an diesem Abend ist es ein Akustikkonzert. Auch die Instrumente sind bisweilen eigenwillig, fast schon exotisch. Eine Hang-Trommel eröffnet den Abend. Tripp, gelernter Schlagzeuger, hat sich den Percussions verschrieben und experimentiert mit allem, was einen Klang erzeugt. Dabei lässt er sich von anderen Ländern und Kulturen inspirieren. Ja, Wildfang ist eine Reiseband, die davon lebt, verschiedene Menschen und Orte mit Musik zu verbinden. Archer, die Tripp „vor anderthalb Jahren in England eingesammelt hat“, wie er selbst verrät, ist gelernte Pianistin und Klarinettistin. Mit der Klarinette schafft sie es dann auch sanft den Gesang von Kirchherr zu umspielen, sich dezent im Hintergrund zu halten, oder aber dezent, aber bestimmt eine tragende Rolle einzunehmen.

Ja, die drei Musiker verstehen sich und ihr Handwerk. Was allerdings so harmonisch und leicht daherkommt, ist manchmal gar nicht so einfach zu erarbeiten. „Es ist manchmal schon komisch, dass aus dem Herzen kommende Musik so komplex sein kann“, verrät Tripp und dennoch, merkt man es ihnen nicht an.

 
 

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