Vier Jahre und sechs Monate wegen versuchten Totschlags

Thorsten K. muss wegen versuchten Totschlags wieder in eine psychiatrische Klinik.
Thorsten K. muss wegen versuchten Totschlags wieder in eine psychiatrische Klinik.
Foto: WAZ FotoPool
Der Emmericher Sexualstraftäter Thorsten K. muss erneut in eine psychiatrische Klinik. Das Landgericht Kleve sprach wegen versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung gegen Betreuerin Kathrin B. eine Freiheitsstraße von vier Jahren und sechs Monaten aus. Die Verteidigung denkt über eine Revision nach.

Emmerich/Kleve. An den Verhandlungstagen drei und vier hatte der Sexualstraftäter Thorsten K. weitgehend stoisch und stumm den Prozess im Raum 122A des Klever Landgerichts verfolgt. Am Dienstagvormittag, fast genau drei Stunden vor der Urteilsverkündung, erteilte Richter Ulrich Knick­rehm dem 43-Jährigen das (vorerst) letzte Wort. „Es tut mir leid, ich kann die Tat nicht wiedergutmachen“, erklärte Thorsten K. mit belegter Stimme.

Den brutalen Angriff auf seine Betreuerin Kathrin B. (34) vom 2. Januar in der Emmericher Wohnung von Thorsten K. bewertete das Schwurgericht am Dienstagnachmittag als „versuchten Totschlag“ und „schwere Körperverletzung“. Die Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten nebst Einweisung in eine psychiatrische Klinik lag um ein Jahr unter dem von Staatsanwalt Martin Körber geforderten Maß.

15 Jahre maximal

Es sei zum Glück beim Versuch des Totschlags geblieben, erklärte der Vorsitzende Richter das leicht verringerte Strafmaß, das maximal 15 Jahre Freiheitsentzug hätte bedeuten können. Dazu läge eine verminderte Schuldfähigkeit vor. Thorsten K., so hatte es der sachverständige Kölner Psychiater Dr. Friedhelm Krull am Montag in einer fast zweistündigen präzisen Ausführung festgestellt, leide unter einer Persönlichkeitsstörung. „Bei der Tat war die Steuerungsfähigkeit von T. massiv beeinträchtigt“, so der Richter.

Der Verteidiger der Geschädigten Kathrin B., der Klever Rechtsanwalt Dr. Karl Haas, unterstrich in seinem Plädoyer zwei Tatbestände: den der sexuellen Nötigung wegen eines Griffs an die Brust der Angegriffenen, dazu den des versuchten Totschlags. Thorsten K. habe bei der Vernehmung nach der von der Polizei in München beendeten 13-tägigen Flucht erklärt, er habe die Betreuerin aus Wut ersticken wollen.

Der Hamburger Verteidiger Achim Lüdeke versuchte das Gericht davon zu überzeugen, dass sich K. „nur“ der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht hätte. Lüdeke verwies auf die ausführliche Analyse des Kölner Psychiaters Krull vom Montag. Der hatte eingeräumt, im Griff an die Brust keine gezielte sexuelle Handlung zu sehen. Und gab an, Thorsten K. hätte vermutlich in gleicher Weise seine Wut ausgedrückt, wäre die Betreuung männlich gewesen. Das Gericht folgte dieser Ansicht, ließ den Vorwurf der sexuellen Straftat fallen.

Auch den Vorwurf des versuchten Totschlags versuchte Verteidiger Lüdeke zu entkräften. „Der Hausschlüssel hatte in der Wohnungstür gesteckt. Mein Mandat hätte nur umzudrehen brauchen. Schon hätte Frau B. in der Falle gesessen und keine Fluchtmöglichkeit gehabt.“

Doch das Schwurgericht folgte hier den Aussagen von Kathrin B. „Wir haben keinen Anlass, an ihrer präzisen und sachlichen Darstellung zu zweifeln“, so Richter Knick­rehm. Dessen entscheidender Punkt lautete: T. ließ von B. nur deshalb im Flur der Wohnung ab, um nach einem auf einem Regal abgestellten Laufwerk zu greifen und damit zu schlagen. Diese Situation hätte B. zur Flucht genutzt. „Erst danach“, so Richter Knickrehm, „hat T. erkannt, das sein Totschlagversuch gescheitert war.“

Die Verteidigung denkt über eine Revision nach. Dann ginge der Fall an den Bundesgerichtshof.

Übrigens: Die Strafe gegen Thorsten K. hat natürlich auch eine zivilrechtliche Komponente. Rechtsbeistand Dr. Karl Haas hatte Schmerzensgeld in Höhe von 6000 Euro, sowie Ersatzzahlungen für materielle und immaterielle Schäden der Mandantin (z. B. wegen einer andauernden Arbeitsunfähigkeit) eingefordert. Das Schmerzensgeld legte das Gericht am Dienstag derweil auf 10 000 Euro fest.

 
 

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