Verurteilt wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes

Das Landgericht in Kleve.Foto: Johannes Kruck / WAZ FotoPool
Das Landgericht in Kleve.Foto: Johannes Kruck / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Prozess wegen sexuellen Missbrauchs vor dem Landgericht Kleve: Ein 31-jähriger Emmericher wurde verurteilt. Er brach in Tränen aus.

Kleve/Emmerich. Mit hängenden Schultern und trauriger Büßermiene erschien der 31-jährige Angeklagte aus Emmerich vor dem Landgericht Kleve. Dem Versicherungsmakler wurde schwerer sexueller Missbrauch eines Kindes in 15 Fällen vorgeworfen. Und das vollkommen zurecht, befand die Kammer unter Vorsitz von Richter Christian Henckel. Der Emmericher wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und 8000 Euro Geldstrafe verurteilt, zu zahlen an eine gemeinnützige Organisation und die Staatskasse. Die Staatsanwaltschaft forderte zwei Jahre auf Bewährung und 5000 Euro Strafe.

Konkret wurde dem heute 31-Jährigen folgendes vorgeworfen: Im Zeitraum von Juli 2005 bis Mai 2006 soll es zwischen dem Angeklagten und dem damals 13-jährigen Mädchen 15 Mal zu einvernehmlichen sexuellen Handlungen gekommen sein. Zum ersten Mal nach einem Pfadfinderlager. Mal trafen sich die beiden beispielsweise in einem leer stehenden Haus, aber auch im Elternhaus des Angeklagten. Der Beschuldigte leugnete dies nicht.

Ess- und Schlafstörungen

Ein Attest, das dem Gericht übergeben wurde, bescheinigte dem Mann, dass er seit etwa fünf Jahren unter depressiven Störungen leide, besonders unter Ess- und Schlafstörungen, zudem sei auf seine instabile Persönlichkeit hinzuweisen. „Haben Sie eine Erklärung dafür?“, fragte ihn der Vorsitzende. „Weil ich mir Vorwürfe mache. Ich habe mich auch seit drei bis vier Jahren von meinen Freunden und aus den Sportvereinen zurückgezogen“, so der Angeklagte. Richter Henckel: „Sie führen also kein glückliches Leben?“ Angeklagter: „Nein!“ Dennoch gab der Vorsitzende zu bedenken, dass der 31-Jährige durchaus lebensfroh im Internet zu finden sei. „Wenn ich ihren Namen eingebe, finde ich recht viel über Sie, und da machen Sie keinen depressiven Eindruck.“

Der Angeklagte wusste die Fotos, die ihn in Partylaune zeigten, zu erklären: „Das kommt Schubweise. Dann geht es mir wieder schlecht.“ In der Verhandlungspause bekam der Zuschauer einen Eindruck von dem Zustand des Maklers: Er wirkte fahrig und nervös, wischte sich immer wieder über die Stirn und brach in Tränen aus.

Die lückenlose Vita und das jetziges Leben des 31-Jährigen klingen solide: Der Angeklagte ist seit August 2011 mit einer 33-Jährigen Gastronomin aus Emmerich verheiratet, sie brachte drei Kinder im Alter von vier, acht und zwölf Jahren mit in die Ehe, zu denen der Beschuldigte ein gutes Verhältnis haben soll.

Er war bisher strafrechtlich unauffällig. Lediglich Schulden in Höhe von 15 000 Euro hätte er jüngst gemacht, denn diese Summe sei einen Tag vor Prozessbeginn an die Geschädigte als Täter-Opfer-Ausgleich gezahlt worden. Der Anwalt der heute 20-Jährigen, die als Nebenklägerin auftrat, bestätigte den Erhalt der Summe. Sowohl der Angeklagte als auch das Opfer machten ihre Aussage unter Ausschluss der Öffentlichkeit – zum Schutze der jungen Frau.

 
 

EURE FAVORITEN