VdK Emmerich und die Sache mit dem Spiegel

Freuten sich mit Helga Thiel (Mitte) beim VdK (von links): Hans Jürgen Schagen, Beatrice Beck, Helga Thiel, Bob Verstraten und Johannes Reintjes.
Freuten sich mit Helga Thiel (Mitte) beim VdK (von links): Hans Jürgen Schagen, Beatrice Beck, Helga Thiel, Bob Verstraten und Johannes Reintjes.
Foto: Funke Foto Services
Der einstige Verband für Kriegsbeschädigte hat sich längst zu einem Verbund mit hoher Kompetenz in sozialen Rechtsfragen entwickelt. Es gibt jetzt 900 Mitglieder.

Hüthum..  Es sind oft profane Dinge, die in besonderen Situationen wertvoll sind. Oder eben auch große Probleme bereiten. Im neuen Aufzug der Stadtbücherei beispielsweise fehlte jüngst der Spiegel. Ok, für den gemeinen Bürger ist nicht direkt ersichtlich, warum man sich im Bücherei-Lift unbedingt die Haare kämmen oder den Hemdkragen zurechtrücken sollte. „Was aber machen Rollstuhlfahrer, die rückwärts aus dem Aufzug heraus wollen und auch die seitlichen Knöpfe bedienen müssen?“, wirft Hans Jürgen Schagen ein.

Unfallgefahr im Lift

Berechtigte Frage! Der Vorsitzende des Sozialverbandes VdK, dessen Domizil das Hüthumer Franz-Döring-Haus ist, gibt die prompte Antwort: „Ohne Spiegel vor Kopf des Lifts ist die Unfallgefahr für Rollstuhlfahrer beim rückwärtigen, weil dann blinden Herausfahren groß. Drehen ist hier nicht drin. Und am Hinterkopf hat man nunmal eben keine Augen.“

Wer denkt schon darüber nach, wenn er nicht selbst in einer solchen Klemme steckt? Aber allein aus geschildertem Grund checkt der Verband alle öffentlichen Gebäude im Stadtgebiet. Nur mal so: Im Willibrord-Spital hängen die Spiegel in den Aufzügen übrigens rechts vom Eingang und nicht vor Kopf. „Auch das ist wenig sinnvoll“, hebt Schagen hervor.

Die Aufzugsprüfung ist wahrlich nicht die einzige gute Tat des 1948 gegründeten Verbandes für Kriegsbeschädigte (VdK), der sich längst zu einer Organisation gemausert hat, die sich vor allem um sozialrechtliche Fragen der Bürger kümmert. Also auch um: Arbeitslosenrecht, Berufsgenossenschaft, Grundsicherungs-, Kranken- und Pflegeversicherungs- sowie Rentenrecht; dazu kommen das Schwerbehindertenrecht und das Soziale Entschädigungsrecht.

Allesamt Dinge, bei denen es dem gemeinen Bürger schwer fällt, durchzublicken. Die aber gerade auch im fortgeschrittenen Alter wichtig werden können. Nicht erst im Notfall. Dass der Beratungsbedarf vorhanden und üppig ist, beweist der stete Zulauf zum VdK in Emmerich. Dieser wird von Ärzten oder Behörden gern empfohlen.

Ortsverbandschef Schagen, der auch als Richter am Sozialgericht Duisburg tätig ist, begrüßte jüngst das 900. Mitglied in seinen Reihen: Helga Thiel aus Emmerich. Damit sind die Emmericher am Niederrhein der viertstärkste von 53 Ortsverbänden.

„Wir sind schon fast eine Konkurrenz für Rechtsanwälte und können unsere Kunden bis zum Bundessozialgericht vertreten“, heben der Ehrenvorsitzende des Kreisverbandes, Johannes Reintjes, sowie VdK-Schriftführer Bob Verstraten hervor.

Beispiel? Ein berufsgenossenschaftlich versichertes Unfallopfer wurde über mehrere Jahre von dem VdK vertreten. Am Ende des zähen Rechtsfalls wurden 31 000 Euro Entschädigung erstritten. Der lange Atem wäre ohne Sozialverbandsjuristen wohl schnell abgedreht worden.

Die Unterstützung ist aber oft auch ideell geprägt. Beispielsweise wenn es um den Kündigungsschutz im Beruf geht, weil man plötzlich einen Schwerbehinderungsgrad aufweist. „Viele kennen sich in den vielen Bestimmungen eben nicht aus, wir können helfen“, sagt Hans Jürgen Schagen.

Der Mitgliedspreis von 60 Euro im Jahr gleich fünf Euro pro Monat ist eher ein Solidaritätsbeitrag. „Wir setzen darauf, dass die Mitglieder uns treu bleiben und eine Hilfe so auch anderen gewährt werden kann“, betont Schagen. Wer nach Inanspruchnahme gleich wieder austritt, sollte, moralisch geschrieben, besser erst einmal nicht in den Spiegel gucken. Auch wenn der im Lift an der falschen Stelle hängt.

Jeden zweiten und vierten Mittwoch eines Monats ist die VdK-Sprechstunde in Hüthum geöffnet. Von 13.30 Uhr bis 16.30 Uhr kann man sich im Franz-Döring-Haus an der Eltener Straße 426 beraten lassen.

Eigene Juristen sind dann auch vor Ort. Eine Terminvereinbarung ist nicht notwendig. Wer mehr über das Angebot des Sozialverbandes erfahren will, der ist im Internet hier richtig: www.vdk.de/ov-emmerich.

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