Technik hält Einzug in den Taubensport

Das Foto von Mittwoch, 7.05.2014, zeigt die Taubenzüchter Jonni Zyta (r, mit Toni, der ältesten Taube (10 Jahre)) und Marc Andre (l, mit La Paloma) mit ihren Tauben am Taubenschlag in Bienen. Foto: Diana Roos / WAZ FotoPool
Das Foto von Mittwoch, 7.05.2014, zeigt die Taubenzüchter Jonni Zyta (r, mit Toni, der ältesten Taube (10 Jahre)) und Marc Andre (l, mit La Paloma) mit ihren Tauben am Taubenschlag in Bienen. Foto: Diana Roos / WAZ FotoPool
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Die Taubenzüchter Jonni Zyta und Marc André haben sich einen Traum erfüllt. Vor drei Jahren haben die beiden Reeser eine Schlaggemeinschaft gegründet.

Bienen..  Jonni Zyta (58) und Marc André (42) waren schon als Jungs fasziniert vom Taubensport. Wie findet der Vogel über Hunderte von Kilometern zurück in den heimischen Schlag? Eine Frage, die die beiden noch immer umtreibt. Erst vor drei Jahren haben sie eine Schlaggemeinschaft (SG) gegründet und schon kann die SG André-Zyta erste Erfolge vorweisen. Bei der Jungtaubenmeisterschaft im vergangenen Jahr sicherten sich die beiden Reeser Platz vier – von immerhin 60 reisenden Schlägen der Reisevereinigung Rees und Umgebung. In diesem Jahr wollen sie mit ihren Alttauben punkten. „Denn sie bilden, vergleicht man das mit dem Rennsport, die Formel 1 im Taubensport“, erklärt André.

Muskeln stählen

Ohne Fleiß, keinen Preis. Das wissen auch die beiden Züchter. Täglich fahren sie zum Schlag nach Bienen, öffnen die Voliere, damit die Vögel umherfliegen können. Das stählt deren Muskeln, lässt sie die Strecken bis zu gut 600 Kilometern besser überwinden. „Noch stehen wir am Anfang der Reisesaison“, sagt Jonni Zyta. 220 Kilometer galt es beim ersten Preisflug ab dem hessischen Butzbach zu überwinden, 240 waren es beim zweiten Wettflug ab Hammersbach. Die Wegstrecken werden im Laufe der Reisezeit immer länger. Beim 13ten und letzten Preisflug werden die Tauben im Bayrischen Wald aufgelassen und haben dann satte 621 Kilometer zurückzulegen.

Wie die Tauben ihren Weg nach Hause finden, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich Brieftauben – wie auch die Zugvögel – am Stand von Sonne und Sternen orientieren und das Magnetfeld der Erde als Kompass nutzen. Zudem sollen ihnen optische Anhaltspunkte als Orientierung dienen. „Derzeit gibt es ein entsprechendes Forschungsprojekt an der Uni Düsseldorf“, weiß André. Was die beiden Züchter aber nicht davon abhält, selbst ein bisschen zu experimentieren. Jüngst haben sie eine ihrer Tauben mit einem 17 Gramm leichten GPS-Träger bestückt, einem Original der Schweizer Armee. Solche Träger hat die Armee früher genutzt, um Nachrichten zu übermitteln. Via Tablet-PC haben Zyta und André über Google Earth beobachtet, welchen Weg ihre Tauben ab Duisburg genommen haben. „Weite Teile sind sie entlang der Autobahn geflogen“, hat Marc André gewundert.

Den Traum vom Taubensport haben die beiden lange nur geträumt. Bei Zyta hat es 40 Jahre gedauert, bis er sich ihm endlich wieder zugewandt hat. „Als Junge hatte ich Tauben bei einem alten Herrn in Duisburg“, erzählt er. Als dieser starb, musste Zyta seine Tauben aufgeben. Schließlich fand er mit Marc André einen ebenso begeisterten Mitstreiter, mit dem er nun die SG in Bienen betreibt. „Zu zweit hat man den Vorteil, dass man sich die Arbeit teilen kann, man auch beruhigt in den Urlaub fahren kann“, erklärt André.

Kontakt zu Fachleuten aus Belgien

Auch er hat schon als Kind ersten Kontakt mit dem Sport aufgenommen. Sein Großvater Fritz Kehl betrieb mit seinem Bruder Willi einen Taubenschlag in Duisburg. Tauben füttern, Ställe ausmisten, die Tiere für den Wettflug vorbereiten, all das war Marc André vertraut. „Im Ruhrgebiet ist es ja Kult, wir erhalten hier quasi ein Kulturgut“, ist seinem Kompagnon Jonni Zyta bewusst.

Den Start in Rees hat den beiden Zuchtfreund Heiner Mandelartz sehr erleichtert. „Wir haben von ihm die ersten Tauben bekommen.“ Der Reeser Zuchtfreund war es auch, der die beiden – sie sind im Verein „Treu der Heimat Millingen“ organisiert – mit nach Belgien nahm, wo sie sich mit renommierten Züchtern austauschten konten und diese sie in die Schläge blicken ließen. Wie diese sind auch André und Zyta technisch bestens ausgestattet. Wenn eine ihrer Tauben den heimischen Schlag erreicht und ihr Ring am Fuß die Kontaktantenne passiert, dann bekommen sie eine Meldung auf ihr Handy.

Die „Rennpferde des kleinen Mannes“, wie die Brieftauben auch genannt werden, sind für die beiden ein Ausgleich zum Job. Zyta betreibt einen Weinhandel samt Weinbar im Duisburger Citypalais, Marc André ist dort als Somelier angestellt. „Wenn ich hier den Tauben beim Flug zuschaue, dann fällt jeglicher Stess von mir ab“, sagt Jonni Zyta. Und Marc André nickt.

 
 

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