Stör-Manöver am Rhein

Winfried Kersjes hat bei Emmerich einen Stör im Rhein geangelt! Der Fisch ist womöglich seit 1956 hier nicht mehr heimisch.
Winfried Kersjes hat bei Emmerich einen Stör im Rhein geangelt! Der Fisch ist womöglich seit 1956 hier nicht mehr heimisch.
Foto: NRZ
Obwohl der Fisch hier schon lange nicht mehr heimisch ist, hat Winfried Kersjes jetzt einen geangelt.

Emmerich/Rees. Seit seinem dritten Lebensjahr ist Winfried Kersjes Angler. Doch einen Stör, den hat der 53-jährige Reeser im Rhein noch nie gesehen. Fronleichnam zog er nach einem halbstündigen Kampf mit dem üppigen Fisch – sozusagen ein Störmanöver – tatsächlich einen Stör an Land. „Mich überkam ein Gefühl der Panik, ich konnte es gar nicht glauben. Das ist eine Sensation“, umschreibt der gebürtige Eltener seine Gefühlslage.

Der 1,05 Meter lange und geschätzte fünf Kilogramm schwere Stör musste nur einmal fürs Foto herhalten, dann wilderte Kersjes ihn wieder aus. „Der Fisch ergriff sofort die Flucht in den Rhein“, erzählt der Petrijünger. Der Angler weiß: „Störe stehen unter Naturschutz.“ Ein wenig traurig machte es den Reeser aber schon, dass kaum jemand dabei war.

Lanuv: „Wahrscheinlich aus Handel“

Diese Wanderfischart, das weiß der erfahrene Angler, gibt’s im Rhein schon lange nicht mehr. Seine Recherchen hätten ergeben, dass diese Knochenfische seit 1956 hier nicht mehr heimisch sind. Kersjes, der am Fronleichnamstag mit einem Fetzenköder eigentlich auf Zander gehen wollte, hat mit seinen Anglerfreunde natürlich über das Ereignis gefachsimpelt. „Den hat jemand ausgesetzt“, sagte der eine, „der stammt aus Russland“, mutmaßte der nächste. „Nein, aus Kanada“, meinte ein Dritter.

Das NRW-Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) relativiert: Ob es tatsächlich ein wild lebender Stör sei, könne man leider nicht genau sagen, da es auch Störe zu kaufen gibt und die immer mal wieder im Rhein landeten. „Zu 99 Prozent ist das so ein Fall“, erklärt Sprecher Peter Schütz. Als die NRZ nachfragte, wollte er sofort wissen: „Hat der Leser den Stör noch?“ Als er erfuhr, dass der Fisch längst etliche Rheinkilometer hinter sich haben wird, entfuhr ihm ein: „Mist!“ Da sprach der Wissenschaftler in Schütz: „Es wäre hochinteressant gewesen, zu überprüfen, ob es ein Gartenteichflüchtling war oder ob es sich tatsächlich um einen Rückläufer aus dem Atlantik oder so gehandelt hat. Das wäre dann wirklich ein Siebener im Lotto!“

„Die wenigsten“, so Schütz,“ kennen sich so gut aus und wissen, dass der Stör mal im Rhein heimisch war.“ Der nächste glückliche Angler dürfe den Stör gerne übergangsweise in der heimische Badewanne zwischenlagern, damit die Wissenschaftler sich ein Bild machen könnten, bevor er wieder in den Rhein gelassen werden würde.

„Ich habe mit dem Gedanken gespielt“, sagt Kersjes. Aber schlussendlich habe er sich ganz bewusst dagegen entschieden. Er erinnert an den Wels, den Hobbyangler 2010 in Emmerich aus dem Rhein zogen. „Sie handelten sich eine Anzeige wegen Tierquälerei ein.“ Sie wurden allerdings freigesprochen.

Dennoch: Kersjes hat sich gezielt erst jetzt bei der NRZ gemeldet. Er will auch nicht verraten, wo genau ihm der Stör an die Angel ging. Im Sinne des Tierschutzes wollte er nicht, dass jetzt andere Angler gezielt Störe lockten.

 
 

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