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Sprung in die Selbstständigkeit

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Foto: WAZ
Michael Pardolla hat als Fliesenleger im Jahr 2009 einen Handwerksbetrieb gegründet. Er beschäftigt einen Mitarbeiter. Die Auftragslage für den 36-jährigen Reeser ist richtig gut

Rees. 

Michael Pardolla brennt für seine Arbeit, obwohl es nicht sein erster Berufswunsch war, Fliesenleger zu werden. Heute führt der 36-jährige Reeser einen Fliesenlegerfachbetrieb und weiß, dass Selbstständigkeit bedeutet, selbst ständig zu arbeiten. Und das macht er mit Leidenschaft.

Nach seinem Realschulabschluss und dem Zivildienst absolvierte Michael Pardolla eine Ausbildung zum Bürokaufmann. „Aber das war nicht mein Ding“, erinnert sich der Reeser, der sich auch von Jugend an bei den Maltesern engagiert. So begann er als Helfer beim Fliesenleger Norbert Schöttler und stellte fest: „Diese Arbeit gefällt mir!“

Sprung ins kalte Wasser

Nach Insolvenz der Firma übernahm diese Klaus Schöttler. „Hier habe ich unheimlich viel gelernt, der Chef hat mit uns über Kalkulation und Preisgestaltung gesprochen und gezeigt, was man als selbstständiger Handwerker beherzigen muss.“ Doch nach dem plötzlichen Tod von Klaus Schöttler stellte sich die Frage nach der Zukunft der Mitarbeiter. „Ich ließ mich vom Arbeitsamt beraten, und man führte mir den Weg in die Selbstständigkeit auf.“ Es war ein Sprung ins kalte Wasser, den Michael Pardolla nie bereut hat. „Im ersten Jahr stand mir das Arbeitsamt beratend zur Seite. Geholfen hat mir auf jeden Fall meine kaufmännische Ausbildung.“

Ohne Fremdkapital

Einen Kredit aufnehmen wollte der junge Fliesenleger nicht. „Ich hatte das Werkzeug und mein privates Auto, das musste erst einmal reichen.“ Zu dem Zeitpunkt hatte der Reeser bereits ein eigenes Haus in der Queckvoor gebaut und dort viel Eigenleistung als Handwerker erbracht. Auch seine Brüder haben ihn beim Ausbau unterstützt. „Meine Garage ist mein Lager“, erzählt er nicht ohne Stolz. Seit seiner Betriebsgründung im Jahr 2009 hat sich Michael Pardolla in diesem Jahr erstmals eine Woche Urlaub gegönnt. Inzwischen hat er einen Fliesenleger angestellt. „Momentan könnte ich noch einen weiteren gebrauchen, die Auftragslage ist extrem gut, nur“, grübelt er, „was wird aus dem Mann, wenn wir mal weniger zu tun haben. Ich möchte ungern jemanden entlassen.“ Er weiß, wie man sich ohne Arbeit fühlt. „Doch dazu wird es insofern nicht kommen, da das Arbeitsamt gar keinen Fliesenleger für meinen Betrieb findet.“

Derzeit arbeitet er an dem Neubau an der Rheinpromenade/Ecke Fährstraße. Immo-Real ist sein Auftraggeber, der neue Eigentümer der Wohnungen kann sich die Fliesen natürlich selbst aussuchen. Wunderschön sind die hellen Fliesen in Holzoptik, die Michael Pardolla gerade im obersten Stockwerk verlegt. „Wir bemühen uns, gute Qualität abzuliefern. Das hat sich herumgesprochen.“ Dass er sein Handwerk beherrscht, ist an vielen Stellen, wie in den exklusiven Bädern in diesem Haus, nachvollziehbar. Er verlegt Fliesen, Platten, Mosaiksteine, Marmor und Naturstein und führt Sanierungen durch. Versicherungen, Hausverwaltungen, Architekten, Installationsbetriebe und private Kunden arbeiten mit dem Reeser Fliesenleger zusammen. „Manchmal kann ich nachts nicht schlafen, weil ich denke, ich komme mit den Aufträgen kaum durch.“ Schließlich muss er auch die Büroarbeit und das Erstellen von Angeboten selbst bewältigen.

Es sind nicht nur die großen Firmen und Handwerksbetriebe, die den Kohl fett machen. Michael Pardolla ist als kleiner, selbstständiger Handwerker inzwischen zu einem Gewerbesteuerzahler geworden, auf den jede Stadt stolz sein kann.