Sahnebonbons, Luftballons und eine alte Straßenbahn

Rees helau! In der City am Rhein ging es am Rosenmontag närrisch und bunt zu.
Rees helau! In der City am Rhein ging es am Rosenmontag närrisch und bunt zu.
Foto: Funke Foto Services
Beim Reeser Rosenmontagszug waren rund 6000 Narren an der Strecke. Die Pinguine aus Bienen setzten sich mit ihrer Klima-Botschaft für den Erhalt der Polkappen ein.

Rees..  Sie hatten am Rosenmontag bei frischen zwei Grad Celsius schwer zu tragen, die Kinder der DJK TuS Esserden. Mehr als nur Nenas einst besungene 99 Luftballons klebten an den jungen Karnevalisten. Bunter, närrischer hätte sich die Zug-Crew kaum fühlen können. Gut, dass vor und hinter Esserdens Zwei-Arme-zwei-Beine-Ballons keine Ritter mit spitzen Schwertern oder Cowboys mit scharfen Pistolen unterwegs waren. Sondern gülden glänzende kfd-Sahnebonbons als „Reesers Echte“ und die braun-gräulichen Eulen, dargestellt von Millingse Engels und Bengels.

Sonst hätte das 32. Sessionsmotto wohl eine neue Klangfarbe hinzubekommen: „Ob jung, ob alt, der Reeser Zug, der knallt!“ Närrische Läufer mit Stecknadeln im Gepäck waren, Glück für Esserden, übrigens auch nicht unterwegs. Dafür, wie immer, Nils Rabe. Der clowneske Trommler führte die 22 Nummern lange Schar mit würdig gesetzten Schritten an.

Nach dem zweieinhalbstündigen Rosenmontagszug von der Weseler Straße über die Dellstraße kreuz und quer durch die City, die von mehr als 6000 Narren prächtig bevölkert war, wäre der Kindergruppe aus Esserden ein schöner Preis für das jeckste Kostüm des Tages sicher gewesen.

Weit weniger einladend bevölkerten die fahlen Geister des Männer-Chors Harmonie die Straßenbahn von Rees nach Empel, die seit Jahrzehnten schon nicht mehr rollt. Einsteigen in die Geisterbahn nach Nirgendwo war nicht wirklich zu empfehlen. Die Harmonie-Frauen als süß-tänzelnde Blumentöpfe hielten Sicherheitsabstand.

Dann besser auf die Iglu-Botschaft der Pinguine von Spaßclub Bienen hören. Freundliche Frackträger setzen sich auch für arktische Mitbewohner ein. „Wenn’s taut, habt Ihr nen Strand, bei uns gibt’s weder Land noch Strand“ hieß der Kommentar zur schleichenden, aber messbaren Klimaerwärmung. Die schmilzt den Lebensraum von Pinguin und Eisbär an den Erdkappen einfach weg.

Die Fußballer des Reeser SV zelebrierten ihr 70. Jubiläumsjahr an Mittelstürmer-Position, dem Wagen mit der Nummer 9. Besonders schön: Alle bisherigen Vorsitzenden waren mit Bild am Wagen verewigt. Die Palette der grün-weißen Chefs reichte von Siegfried Lilienfeld (1945 bis 1965) bis zum aktuellen Vorsitzenden Erich Roßmüller.

Ein wenig nostalgisch machte es auch die Kolping-Familie. Galaktisch gut im blitzenden Alufoliensilber gewandet, schmetterten die Außerirdischen mehr als einmal „Völlig losgelöst“. Der „Major Tom“-Hit des Stuttgarters Peter Schilling, das bekannteste deutsche Science-Fiction-Musikstück, hat übrigens schon närrische dreimal elf Jahre auf dem Buckel.

Ganz bodenständig schritt das Halderner Prinzenpaar mit Regina von Kegel und Stammtisch sowie Wilhelm vom Dustenhof zu Heeren in der Zugmitte. Ganz unroyal, weil zu Fuß. Begleitet von Kuh- und Bauern-Kostümen.

EURE FAVORITEN