Reif für den Gabeltest

von Faber-Castell zeigte den jungen Teilnehmern, worauf es ankommt.
von Faber-Castell zeigte den jungen Teilnehmern, worauf es ankommt.
Foto: WAZ FotoPool
Stil-Expertin Kristin Gräfin von Faber-Castell bringt acht Jugendlichen Benimm-Regeln bei. Ganz wichtig: der erste Eindruck

Praest.. Antonia Schmülling hatte sich am Morgen schon Gedanken gemacht, wie sie sich zu einem Etikette-Seminar mit Kristin Gräfin von Faber-Castell kleidet. „Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance“, wird die 15-jährige Gymnasiastin und sieben weitere Jugendlichen an diesem Tag noch erfahren. Sie waren der Einladung des Bürgervereins in das Restaurant „Zu den 3 Linden“ gefolgt, um mit gutem Benehmen in die Zukunft zu starten.

Seit 15 Jahren bietet Gräfin von Faber-Castell Benimmkurse an, sowohl für Jugendliche als auch für Firmen. Auch Hochschulabsolventen, die ein gutes Zeugnis in der Tasche haben, müssen für ihre Bewerbung weiteres Rüstzeug mitbringen. Je früher sich dieses Wissen einprägt, desto eher sitzt es, wenn beim Vorstellungsdinner der sogenannte Gabeltest zu bestehen ist.

Im historischen Kontext nach Knigge und Co.

In ihrem Seminar bettete die Stil-Expertin die gängigen Benimmregeln in ihren historischen Kontext ein, erklärte, wie es zu den Stilvorgaben gekommen ist. Nicht ohne Adolph Freiherr Knigge und seine Geisteshaltung vorzustellen, aber auch Ludwig XIII. und August den Starken.

Die Kursteilnehmer, Schüler, Abiturienten und angehende Bankkaufleute, waren erstaunt zu erfahren, dass der erste Eindruck nach neusten Forschungsergebnissen innerhalb von 200 Millisekunden gefällt wird. Dass damit ein Bild voller Vorurteile getroffen wird, stellte die Expertin nicht in Frage. Allerdings lassen sich Voraussetzungen schaffen, die das Erscheinungsbild positiv beeinflussen. Während die Sprache nur 38 Prozent des ersten Eindrucks ausmacht, der Inhalt gar nur sieben Prozent, gehen 55 Prozent zulasten von Körperhaltung, Mimik. Kleidung, Haare, Hände Fingernägel, Geruch und Zähne. „Kopf hoch, gerader Rücken vermitteln dem Gegenüber Selbstsicherheit, zeugen von Mut und Kraft, eben Führungseigenschaften. Ein Lächeln, auch mit den Augen, öffnet die Herzen.“

Dass in der Berufswelt die Haare naturfarben getragen werden sollten, war den jungen Leute klar. „Wer am Wochenende bunte Strähnchen tragen will, kann sie sich ja ins Haar stecken, montags gehören sie nicht mehr dahin.“ Auch die Nägel sollten dezent gestaltet sein. „Weniger ist mehr. Das gilt auch bei der Wahl der Düfte“, so die Expertin. Weder over- noch underdressed waren die Teilnehmer, die sowohl mit Jackett als auch im Hemd und Pullover erschienen waren. „In diesem Fall geht beides“, lobte sie die Gräfin, die sich freute, mit wissbegierige Seminaristen zu arbeiten.

Weiter erfuhren die jungen Leute, dass bei einem Gespräch auf deutliches Sprechen, eine sichere Körpersprache und korrekte Haltung der Hände Wert gelegt werde. „Wenn ihr sicher auftretet, hilft euch dass auch, wenn ihr einen Freund oder eine Freundin kennen lernen möchtet.“

Der nächste Punkt im vierstündigen Seminar trug den Titel „Optimahl“. Sehr erfreut war Gräfin von Faber-Castell über die Menüfolge, die ihr Familie Siemes vorgegeben hatte. „Ich hatte darum gebeten, einige Schwierigkeitsgrade einzubauen.“ So wurde als Vorspeise Artischockensalat mit gebratenen Garnelen serviert, gefolgt von Seezunge an der Gräte gebraten, Lammkotelett mit Spinat und Olivenspaghetti sowie Walnusspudding mit Tonkabohnen zum Dessert. Selbst die Fingerschale fehlte auf dem Tisch nicht. Hier gab es viel zu lernen, besonders im Umgang mit dem Besteck. Auch wenn keine Suppe auf dem Speiseplan stand, sie kann Probleme bereiten. Wer hätte gewusst, dass man während des Verzehrs einer Suppe nicht trinken sollte, weder Wein noch Wasser? Die Kinder von Mitgliedern des Bürgervereins hat es jedenfalls großen Spaß bereitet. Und Torben Kroker, mit zwölf Jahren der jüngste Teilnehmer, freut sich schon jetzt darauf, beim nächste Menü mit perfekten Tischmanieren punkten zu können.

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