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Prozess um Drogen-Imbiss in Rees – 7800 Telefongespräche wurden abgehört

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Foto: Kleve
Polizeibeamte und Drogenfahnder haben im Prozess um den vermeintlichen Drogen-Imbiss in Rees Einblicke in ihre Ermittlungsarbeit gegeben. So wurden rund 7800 Telefongespräche abgehört und Hinweisen nachgegangen, im Imbiss werde eine Marihuana-Pizza verkauft. Die Plädoyers erfolgen am Mittwoch.

Rees/Kleve. 

Auf der Speisekarte hat sie wohl nicht gestanden, die „Pizza mit viel Grün“ für 25 Euro. Trotzdem sei er oft über die Ladentheke gegangen, der Imbiss mit der Spezial-Zutat Marihuana.

„Diese Geschichte hat man sich in Rees lange erzählt“, erinnerte sich am Montag ein Kripo-Beamter im Prozess um den vermeintlichen Drogen-Imbiss. Und etwas Wahres war wohl dran an den Gerüchten, denn der Inhaber des Döner-Ladens mit den berauschenden Spezialitäten muss sich seit August unter anderem wegen des Handelns mit Betäubungsmitteln vor dem Klever Landgericht verantworten. Mit angeklagt sind drei Helfer, die ihn bei den Drogengeschäften unterstützt haben sollen.

Angeklagter hat sich in Rees unbeliebt gemacht

Besagter Zeuge ist Drogenfahnder und wohnt in Rees. Er kennt also sowohl den Imbiss als auch den Betreiber und dessen Helfer. „Ich habe oft das Gespräch gesucht, habe ihnen prophezeit, dass das alles mal in einer großen Verhandlung enden würde“, so der 60-Jährige im Zeugenstand. „Tja, und so ist es ja jetzt auch gekommen.“ Die Geschichte des Döner-Betriebes und mögliche Gründe, warum es zu den Drogengeschäften gekommen sein könnte, ließ der Zeuge noch einmal Revue passieren: Es begann in den 90er Jahren. Damals eröffnete der Vater des Haupt-Angeklagten den Döner-Laden in Rees. Die Geschäfte liefen gut. Doch irgendwann zwischen 2004 und 2006, so ganz genau erinnerte sich der Zeuge nicht mehr, übergab der Mann die Geschäfte an seinen Sohn.

„Und der hat sich nicht gerade beliebt gemacht“, so der Drogenfahnder. Er sei mit seinem Wagen durch die Straßen gerast und habe sich oft daneben benommen. „Das haben die Reeser Bürger natürlich mitbekommen“, sagte der Zeuge aus. „Die Kunden sind ausgeblieben, die Geschäfte eingebrochen.“ Zu den Geschichten, „die man sich so erzählte“, seien dann fundierte Hinweise der Polizeidienststellen Krefeld und Wesel gekommen, erinnerte sich der Drogenfahnder. Damit begannen dann die offiziellen Ermittlungen.

Telefonate abgehört

Im Zuge dieser Ermittlungen seien auch rund 7800 Telefongespräche abgehört worden. Davon berichtete ein ebenfalls für Montag als Zeuge geladener Polizeibeamter aus Emmerich. Darin sei es auch um die Drogengeschäfte gegangen, um die zehn bis 30 Gramm, die täglich am Reeser Containerwohnheim verkauft worden sind und um die rund 200 Euro Umsatz am Tag. Der Zeuge berichtete auch von den Vernehmungen.

Dies ging vor allem einem Angeklagten mächtig gegen den Strich: Er blieb bei seiner ursprünglichen Aussage, dass er bei der Polizei gar nichts zugegeben habe. Die Beamten hätten ihm die Straftaten vielmehr vorgehalten. Das sah der Reeser Drogenfahnder anders. Er war zeitweise bei der Vernehmung dabei und erinnerte sich am Montag: „Der Angeklagte redet sonst nicht viel. Aber als wir ihm in Aussicht stellten, dass er mit einer milderen Strafe rechnen könne, wenn er aussagt, hat er die Chance ergriffen und sehr viel erzählt.“ Der Angeklagte reagierte mit einem verächtlichen Schnauben.