Pirat Peter stellt Matheaufgaben – Tablet-PCs im Grundschulunterricht

Ihre Matheaufgaben lösen die Kinder der Klasse 2c der Leegmeer-Schule in den kommenden vier Wochen am Mini-Computer.
Ihre Matheaufgaben lösen die Kinder der Klasse 2c der Leegmeer-Schule in den kommenden vier Wochen am Mini-Computer.
Foto: WAZ FotoPool
Die Klasse 2 c der Leegmeerschule arbeitet testweise mit Tablet-PCs. Klassenlehrerin ist begeistert. Niederländische Firma Snappet will mit ihrem Angebot nun auch auf den deutschen Markt.

Emmerich..  Pirat Peter mag keine falsch gelösten Rechenaufgaben. Deshalb nimmt er auch keine mit an Bord! 4x7=35? Pah! Isabell weiß es besser und schmeißt den Unsinn aus dem System. Und 9x2=18? Isabell überlegt kurz. Ja, die Aufgabe darf mit an Bord! Mit sichtlich viel Spaß sitzt die Zweitklässlerin heute im Mathe-Unterricht an der Leegmeer-Schule. Grund: Wie berichtet nimmt die Schule an einem Pilot-Projekt teil, die Klasse 2 c arbeitet in den kommenden vier Wochen mit sogenannten Tablet-PCs, also kleinen, flachen Computern. Und Pirat Peter? Der ist Bestandteil einer Mathe-Aufgabe, die die insgesamt 22 Schüler lösen müssen.

Initiator des Projektes ist die niederländische Firma Snappet. Im Nachbarland haben sie mittlerweile mehr als 100 Grundschulen mit Tablets ausgestattet, jetzt wollen die Macher den deutschen Markt erobern. Fünf Schulen im Grenzgebiet machen bei der ersten Testphase mit. Kosten entstehen keine: Snappet stellt die Mini-Computer und die Internet-Plattform, auf der die Aufgaben für die Schüler hinterlegt sind. Einzig eine schnelle Internet-Verbindung muss die Schule haben. „Genau da hatten wir anfangs ein großes Problem“, erinnert sich Nadja Scherer, Leiterin der Leegmeer-Schule. Die Kapazitäten ihrer Internet-Leitungen waren für das Projekt zu schwach. Hilfe gab’s schließlich von der Emmericher Firma phonepoint: „Wir stellen leihweise einen Router zur Verfügung“, so Nicolas Epping, bei phonepoint zuständig für die Geschäftskunden. Pirat Peter kommt also via mobiler Datenübertragung ins Klassenzimmer.

Negative Stimmen

Seit Donnerstag arbeitet die Klasse nun schon mit den PCs. Erste Erfahrungen? „Ich bin begeistert“, sagt Klassenlehrerin Anke Dammer. „Anfangs war ich skeptisch“, sagt sie. „Was kommt da alles auf mich zu?“ Aber die Befürchtungen hätten sich nicht bewahrheitet: Kein Chaos, keine Technikprobleme, kein Tohuwabohu bei den Kindern. Die Lernprogramme seien selbsterklärend, die Benutzeroberfläche kinderfreundlich.

Laut Betreiberfirma sollen die Tab­lets dafür sorgen, dass die Lehrkraft besser individuell fördern könne. Und? „Ja, das stimmt“, sagt Anke Dammer. Die Kinder lösen ihre Aufgaben und bekommen sofort ein Feedback – grünes Kästchen: Aufgabe gelöst, rotes Kästchen: noch mal nachdenken! Währenddessen könne sich Anke Dammer um einzelne Schüler kümmern, die noch Erklärungsbedarf haben.

Aber es gibt doch sicherlich auch negative Stimmen? „Ja, bestimmt“, ist sich Schulleiterin Nadja Scherer sicher. Die „Nörgelfraktion“, so nennt sie die Kritiker, würde auch regelmäßig Bedenken über das Smartboard, also die computergestützte Schultafel äußern. „Aber“, so Scherer: „Wir müssen mit der Zeit gehen!“

Wie geht’s am Ende weiter?

Wie es nach der vierwöchigen Testphase weitergeht, kann sie jetzt noch nicht sagen. Snappet wolle auf den deutschen Markt, müsse sich aber ein neues Konzept überlegen. Denn das Schulsystem in den Niederlanden ist ein anderes als in Deutschland. So gibt es im Nachbarland etwa keine Hausaufgaben, die Tablets können nach dem Unterricht in der Schule bleiben. Deutsche Grundschüler bräuchten die Tablets eigentlich auch für die Hausaufgaben. Und die wichtigste Frage: Wer zahlt? Die Testphase ist gratis, doch niederländische Schulen zahlen eine Gebühr um die 80 Euro pro Schüler pro Schuljahr. „So viel Geld haben wir nicht“, sagt Scherer. Snappet tüftelt derzeit an einem Lösungsvorschlag.

 
 

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