Per Anhalter über den Rhein

Marco Virgillito

Emmerich.  „Go bananas“ heißt im Englischen: ausflippen. Das passt. Denn ein bisschen verrückt ist Les Donohue-Bromley auch, der auf seiner „Go Banana“-Tour auf einem aufblasbaren Bananen-Boot 4000 Kilometer über diverse Flüsse von Rotterdam bis ans Schwarze Meer in Bulgarien gelangen will. Per Anhalter über den Rhein kam er am Montag in Emmerich an.

Terror-Übung und Ritterduell

Der in der französischen Region Indre lebende Liverpooler möchte von seiner Reise ein Buch und ein TV-Programm über Menschen am Fluss machen: „Ich hatte keine Lust mehr, jeden Montag arbeiten zu gehen. Eine Art Midlife-Crisis“, begründet der 61-jährige Tausendsassa, der eine bunte Vita vom Zimmermann über Bed & Breakfast-Betreiber bis zum Methodisten-Prediger vorweisen kann. Erfahrungen als Autor oder Filmemacher hat der Engländer überhaupt nicht, auch seine nautische Qualifikation ist dürftig. Aber er ist kreativ und hat Durchhaltevermögen. Und ist verrückt genug, ein solches Abenteuer anzugehen.

Es gibt etliche Sponsoren, die das Vorhaben unterstützen. Und er hat selbst einiges gespart: „In vier bis sechs Monaten ist das Geld auf“, sagt der sparsam reisende Mann. Er lässt sich von Binnenschiffern ziehen oder aufladen – eben per Anhalter. In Emmerich, wo seine Banane im Zollhafen angelegt hat, hat das Rhein-Waal-Terminal ihm versprochen, Mitnahmemöglichkeiten zu vermitteln. Nächtigen muss er auf der Banane nicht. Ein Begleitfahrzeug fährt dem Briten hinterher, so dass er in einem Wohnwagen schlafen kann.

Start der Reise war ausgerechnet am 1. April, weshalb viele seine Tour schon als Aprilscherz abtaten. Bisher hat er schon allerhand erlebt: Er wurde schon zweimal von Hochschulen eingeladen (Rotterdam und Wageningen), hat eine Terror-Übung der Feuerwehr in Arnheim miterlebt, ist singend auf einer Bühne in einer Bar geendet, hat sich mit einem niederländischen Schwertkampfmeister in Ritterausrüstung duelliert (und verloren), wurde ins Kriegsmuseum eingeladen, hat als erster Gast auf einem eine Stunde jungen Schiff in Arnheim ein Fünf-Gang-Menü verspeisen dürfen, bevor dieses auf seine Jungfernfahrt nach Amsterdam startete. Ja, das könnte ein dickes Buch werden. „Es läuft alles sehr spontan. Manche laden mich auf einen Kaffee ein. Viele erzählen mir ihre Geschichten“, sagt Donohue-Bromley, der in der Vergangenheit durchaus auch mit Seekrankheit zu kämpfen hatte.

In Höhe Rees/Kalkar möchte Donohue-Bromley gerne an Land gehen: „1944 wurde mein Vater hier verwundet. Das interessiert mich persönlich.“ Vielleicht sieht ja heute schon jemand in Rees eine Banane auf dem Rhein ...