Obstbaum-Schnitt unter der Wintersonne

MIt der Elektroschere schneidet Marlen Baumann unnötige Triebe an den Apfelbäumen ab
MIt der Elektroschere schneidet Marlen Baumann unnötige Triebe an den Apfelbäumen ab
Foto: Funke Foto Services
Gartenbau-Ingenieurin Marlen Baumannaus Rees bearbeitet das Gehölz für eine gute Apfelernte schon seit Dezember. Zwei Mal im Jahr wird geschnitten.

Reeserward. Die Winteridylle könnte nicht perfekter sein. Es ist kalt, die Sonne lacht, und schnatternde Wildgänse starten und landen permanent in den Rheinwiesen, gleich gegenüber der Reeserwarder Obstanlage. Doch Zeit, diese herrliche Stimmung zu genießen, hat Gartenbau-Ingenieurin Marlen Baumann nicht wirklich. „Seit Dezember sind wir mit dem Schnitt der Obstbäume beschäftigt“, sagt die junge Frau.

Bei Wind und Wetter ist die 29-Jährige halbtags in der Obstplantage, und das noch bis zur Blüte im April, um die Bäume zu schneiden. „Das ist wichtig, damit sie sich richtig entwickeln“, erklärt die mit einer elektrischen Schere ausgestattete Fachfrau. Denn der Schnitt ist schwere Arbeit und könnte schnell zu einer Sehnenscheiden-Entzündung führen. Da hilft die elektrische Schere, die auch Winzer gerne einsetzen, ungemein.

Wir sind keine Baumarchitekten

Zweimal im Jahr, erklärt Marlen Baumann, müssen die Tausenden Spindelbäume fachmännisch bearbeitet werden. „Wichtig ist, dass sie genug Licht bekommen und nicht zu stark wachsen“, beschreibt die junge Mutter dabei die Kunst. „Wir sind keine Baumarchitekten, sondern wollen Äpfel ernten!“, lautet die Devise, die ihr ihr Vater ins Stammbuch geschrieben hat.

Denn statt eines enormen Wachstums des Baumes wolle man ja eine ergiebige Apfelernte, weiß die Chefin. Die die Bäume natürlich lieber im Sommer schneidet. „Bei Nässe und Frost besteht die Gefahr, dass sich die Bäume Mini-Verletzungen zu ziehen und so anfällig für Erreger werden“, weiß sie.

Schutz vor hungrigen Kaninchen

Doch aussuchen kann man sich den Zeitpunkt letztlich nicht, wenn man bis zum April, also bis zur Blüte, mit dem Schnitt durch sein will. Dass sie bereits vor Weihnachten mit dem Baumschnitt startet, liegt übrigens auch an den Kaninchen. „Wir lassen die Äste am Boden liegen, damit die Kaninchen etwas zu knabbern haben und nicht die Stämme anfressen“, sagt Marlen Baumann. Wobei sich zurzeit auch ein Reh in der Plantage an den Obstbäumen zu schaffen mache.

Während Marlen Baumann, eingepackt in grüne Stiefel, eine warme, rote Jacke und einen Schal mit Apfelmuster, gemeinsam mit einem Mitarbeiter die Bäume fachgerecht bearbeitet, geht derweil im Obstladen der Verkauf weiter vonstatten.

Roter Boskop, Janagold, Elstar, oder eigens für Allergiker gezüchtete Früchte wie Topaz oder – ganz neu – Wellant werden im behindertengerechten Shop an der Wardstaße 2, keine 300 Meter vom Reeser Stadtzentrum entfernt, auch in den Wintermonaten angeboten. Besonders beliebt ist neben Kartoffeln und Marmelade auch der frisch gepresste Fruchtsaft. „Gerade im Januar haben wir Saft aus eigenen Früchten pressen lassen“, erzählt Marlen Baumann. Dafür komme eine mobile Saftpresse auf den Hof. Verwendet würden nur beste Äpfel.

 
 

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