Notunterkunft in Empel wird für Betuwe-Gleis abgerissen

Die frühere Gaststätte Tepferd in Empel dient seit 2013 als Notunterkunft für Wohnungssuchende.
Die frühere Gaststätte Tepferd in Empel dient seit 2013 als Notunterkunft für Wohnungssuchende.
Foto: Funke Foto Services
Die ehemalige Gaststätte "Tepferd" in Empel bietet zehn Wohnungssuchenden ein Dach über dem Kopf. Für ein drittes Bahngleis wird sie bald abgerissen.

Empel.. Offiziell heißt sie „Notunterkunft für Wohnungssuchende“. Die sechs bis zehn Personen kommen übrigens in der Regel aus Rees und können in dem Haus, direkt neben dem Bahnübergang in Empel, maximal sechs Monate bleiben. „Manchmal auch länger“, schränkt Michael Becker, Leiter des Fachbereichs Arbeit und Soziales in Rees, ein. Fest steht, dass das Gebäude, die frühere Gaststätte „Tepferd“, abgerissen wird. „Sobald das dritte Betuwe-Gleis kommt“, sagt Becker.

Notruf an Wochenenden geschaltet

Seit September 2013 bringt die Stadt ihre Bürger, die aus welchen Gründen auch immer, kein Dach mehr über dem Kopf haben, an der Reeser Straße 41 unter. Vorher gab’s die Unterkunft am Melatenweg, in einem Container. „Aktuell sind neun Männer und zwei Frauen gemeldet“, weiß Hausmeister Michael Seyock.

Von montags bis freitags ist der 57-Jährige einmal am Tag vor Ort und schaut nach dem Rechten. Nur an Wochenenden, sagt er, sei ein Notruf geschaltet, der beim Ordnungsamt auflaufe.

Während sonst Seyock die Unterkunft aufschließt, wenn ein neuer Mieter kommt, und der entsprechenden Person einen Haus- und Zimmerschlüssel aushändigt, gibt’s für samstags und sonntags eben dieses kleine Notzimmer. Für alle Fälle.

Gesellig ist die Notunterkunft nicht. Es riecht muffig, die unterschiedlich großen Zimmer sind extrem spartanisch eingerichtet, in der Gemeinschaftsküche klebt der Boden, sauber ist auch die Anrichte nicht. „Obwohl ich hier regelmäßig wische“, erzählt Michael Seyock.

"Die Unterbringung ist grenzwertig"

Doch die Männer, übrigens überwiegend jüngere und meist zu zweit in einem Raum untergebracht, gehen offenbar nicht gerade pfleglich mit allem um. „Wenn etwas kaputt ist, bringen wir das innerhalb von drei Tagen wieder in Ordnung“, unterstreicht Michael Becker. Wobei er einräumt: „Die Unterbringung ist grenzwertig. Aber sie entspricht den gesetzlichen Vorgaben.“

Völlig aus der Reihe fällt die kleine Wohnung für Familien. „Die bisher aber noch nicht belegt war“, meint der Hausmeister. Zwei Zimmer auf unterschiedlichen Ebenen, ein blauer (sauberer) Teppich, neue Matratzen. Und ein eigenes, gefliestes Bad.

Völlig in Ordnung wirkt der rechte Teil des Hauses, der frühere Gaststätten-Bereich. Hier wohnen zurzeit zwei Frauen, eine junge und eine ältere. Sie haben einen separaten Eingang, können zudem die ehemaligen Sanitäranlagen der Kneipe im Keller mit nutzen. Im Gegensatz zum Männer-Trakt, der früheren Wohnung der Gastwirte, wirkt dieser Teil wohnlicher.

Keine Unterkunft für Asylbewerber

Als Lager, in dem Notbetten, ausquartiert aus der Asylbewerber-Unterkunft am Melatenweg, dient der ehemalige Gastraum. Die Theke ist noch da. Der Gedanke, hier im Falle eines Falles auch Asylbewerber unterzubringen, sei aber abwegig, sagt Becker. Weil man die Menschen nicht zusammen wohnen lassen sollte, das passe einfach nicht.

Kostenlos ist die Unterbringung für die Wohnungslosen übrigens nicht. Die sind normalerweise in Rees gemeldet. Da werde ein entsprechender Betrag von den Sozialleistungen einbehalten, erklärt Becker. Und ergänzt, dass großartige Renovierungen im Haus nicht anstehen.

Hausmeister Michael Seyock ist jedenfalls zufrieden, dass es im Moment relativ gesittet zugeht in der Notunterkunft. Das sei schon schlimmer gewesen, meint er, auch mit Polizei-Einsätzen wegen Drogen-Verdachtes.

 
 

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