Neues Bündnis Emmerich und Zevenaar

Foto: Heinz Holzbach/WAZ/FotoPool
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Elten. IG Biss und Werkgruppe Ontbielzen Zevenaar gründen grenzüberschreitendes Aktionsbündnis gegen den Betuwe-Ausbau.

An der Grenze zwischen Babberich und Elten steht eine 200 Meter lange Lärmschutzwand entlang der Bahngleise. Sie steht auf deutschem Boden. Die wohl erste Lärmschutzwand der Betuwe-Linie. Sie schützt ein einziges Haus, das von Jan Hulsink. Geplant war das von der niederländischen Bahn sicher nicht. Aber mit Beharrlichkeit und einem Anwalt setzte sich Hulsink durch.

Kapazitäten des
Rheins voll nutzen

Der Niederländer zeigt, wie Wille Grenzen überwinden kann. Mit dem gleichen Ziel schlossen sich gestern Vertre-ter der Interessengemeinschaft Betuwe Initiative Sicherheit Siedlungsfern (IG Biss) sowie die Werkgruppe Ontbielzen aus Zevenaar zu einem partei-übergreifenden Aktionsbündnis zusammen. Anwesend waren auch zahlreiche Vertreter der niederländischen sozialistischen Partei sowie der Emmericher Linken.

Gemeinsam wollen sich die Bürger unter anderem für eine volle Ausnutzung der Schifffahrtskapazitäten des Rheins einsetzen. „Dort können vor allem Gefahrengüter sicherer und auch kostengünstiger transportiert werden“, so Karl-Heinz Jansen, Mitglied der Linken und Vorsitzender der IG Biss. So sollen die Schienen der Betuwe und somit auch die Anwohner entlastet werden.

„Wir wollen uns nicht länger mit den Vertröstungen verantwortlicher Politiker abfinden“, erklärt Karl-Heinz Jansen. Jetzt müsse Einsatz gezeigt werden, findet auch Cobi van Driel, die für die sozialistische Partei im Landesparlament sitzt. „Die Niederländer zeigen mehr Engagement, mehr öffentliche Demonstrationen“, so die Politikerin. Völlig fertig ist auch in Holland die Betuwe-Linie nicht, ein drittes Gleis muss streckenweise hinzugefügt werden. Doch ohne Fortschritte in Deutschland sei es sinnlos, weiteres Geld zu investieren, so van Driel.

Tipp aus Holland:
unabhängiger Anwalt hilft

Auch Jan Hulsink kennt die Wichtigkeit von öffentlichem Auftreten. „Ich lebe seit 20 Jahren mit der Betuwe-Linie“, berichtet der Mann, wegen dem ein Lärmsc

hutz auf deutschem Boden errichtet wurde. Hulsink empfahl, einen Verein zu bilden und durch diesen einen Anwalt zu beschäftigen. Wichtig sei, dass die Kanzlei weder mit dem Bund noch mit anderen Obrigkeiten zusammenarbeite.

Studie belegt
Forderungen der IG Biss

Viel Wiederhall fand auch die vor kurzem bekanntgewordene Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes, die einen linksrheinischen Verlauf der Betuwe-Linie nahelegt. Von der Politik wurde diese Überlegung schnell als unreif und kontraproduktiv abgetan, doch bei den grenznahen Bürgern findet sie regen Anklang.

„Das zeigt, dass Diskussionen viel erreichen können“, findet Paul Freriks von der Werkgruppe Ontbielzen aus Zevenaar. „Wir dürfen uns nicht einreden lassen, es gäbe keine Alternativen zu der derzeitigen Planung,“ meint Jansen. Die Studie bestätige die Forderungen und Argumente der IG Biss.

Immer wieder weist die Interessengemeinschaft auf das Risiko von Gefahrentransporten durch Ortsteile hin. Bei der Besichtigung des Ortes der Unterzeichnung sei ihnen ein Baum aufgefallen, der auf eine Oberleitung gefallen war, er-zählt Karl-Heinz Jansen (die NRZ berichtete). Eine große Gefahr aus Sicht der IG Biss.

 
 

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