Neue Facette des Emmericher Modells

Ein Auszubildender (r.) arbeitet an einer Drehbank. Emmerich bietet für eine Stadt mit 30 000 Einwohnern erstaunliche viele Berufsfelder – rund 50 – und damit Perspektiven auch für Haupt- und Realschüler, vor Ort einen Ausbildungsplatz zu finden. „Berufe live“ möchte die Schüler mit der Betriebswelt direkt vor der Haustür vertraut machen. Archivfoto: Axel Schmidt/dapd
Ein Auszubildender (r.) arbeitet an einer Drehbank. Emmerich bietet für eine Stadt mit 30 000 Einwohnern erstaunliche viele Berufsfelder – rund 50 – und damit Perspektiven auch für Haupt- und Realschüler, vor Ort einen Ausbildungsplatz zu finden. „Berufe live“ möchte die Schüler mit der Betriebswelt direkt vor der Haustür vertraut machen. Archivfoto: Axel Schmidt/dapd
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Was wir bereits wissen
Jugendliche können in Betriebe hinein schnuppern, die direkt vor der Haustür liegen.

Emmerich.. Irgendwo hakt es. Immer wieder ist aus Personaletagen zu hören, dass sich weitaus mehr Jugendliche aus umliegenden Städten um einen Ausbildungsplatz in Emmerich bewerben würden als aus Emmerich selbst. Bei einem Unternehmen kamen von 50 Bewerbern nur fünf aus Emmerich. Viele Jugendliche gehen lieber noch zwei Jahre aufs Berufskolleg, das dann nicht wenige ohne einen verbesserten Schulabschluss verlassen und somit nicht weiter gekommen sind als vorher. Das „Emmericher Modell“, das die Stadt mit ihrem Partner Theodor Brauer-Haus 2008 ins Leben rief, ist also noch ausbaufähig.

Die Ausgangslage für die Schüler scheint optimal zu sein: 220 Emmericher Betriebe bilden in annähernd 50 verschiedenen Berufsfeldern aus. „Das ist eine ganze Menge“, findet auch Bürgermeister Johannes Diks, „hier macht sich der breite Mittelstand deutlich“.

Stell dir vor, es gibt 220 Betriebe und keiner geht hin – so schlimm ist es nicht, aber es besteht Handlungsbedarf. Das wurde dem Bürgermeister bei rund 30 Firmenbesuchen zu Jahresbeginn noch einmal deutlich: „Viele stellten fest, dass wenige Bewerber aus dem heimischen Bereich kommen und kleinere und mittlere Unternehmen gar nichts kriegen.“ Beispielsweise Q-Railing an der Marie Curie-Straße, obwohl es sich um einen größeren Mittelbetrieb handelt, der auf Geländersysteme spezialisiert ist.

Um Jugendlichen einen ersten Kontakt zu Emmericher Firmen zu ermöglichen, hat Diks „Berufe live“ initiiert, als „Ergänzung“ des Emmericher Modells und nicht als Konkurrenz zu anderen lobenswerten Veranstaltungen wie die Top Job-Börse der BGE, betont Diks und weist deren Kritik zurück: „Wenn ich was mit der BGE gemacht hätte, was hätten dann die anderen Parteien gesagt?“ Er habe Top Job nie schlecht geredet.

Am Donnerstag, 14. Juni, ist es soweit. Rund 30 Betriebe öffnen von 16.30 bis 20 Uhr ihre Tore. 200 Schüler haben sich angemeldet; jeder kann in vier Firmen hineinschnuppern. 450 Termine wurden vereinbart. Ab 17 Uhr pendeln Shuttle-Busse zwischen PAN und den jeweiligen Firmen hin und her.

Es ist ein immenser Aufwand betrieben worden und bedurfte einer logistischen Meisterleistung des Fachbereichs Arbeit und Soziales. Diks ist schon jetzt überzeugt, dass alles klappt, und für Andrea Schaffeld (TBH) schreit die Premiere von „Berufe live“ schon jetzt nach einer Wiederholung.